Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Messerdelikte in Speyer: Was die Polizei dazu sagt

Die Polizei nimmt zu Messerangriffen in Speyer Stellung.
Die Polizei nimmt zu Messerangriffen in Speyer Stellung.

Die AfD verbreitet eine Meldung, wonach in Speyer ein „massiver Anstieg bei Messerangriffen“ zu beobachten sei. Die Polizei hat auf Anfrage eine Erklärung dafür.

Der AfD-Landtagsabgeordnete Jan Bollinger hat eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Darin wird unter anderem gefragt, wie viele Delikte mit dem Tatmittel „Messer“ es jeweils für die Jahre 2019 bis 2024 in Speyer gegeben hat. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) hätten sich die Messerangriffe in einem Jahr mehr als verdreifacht, schreibt die AfD in ihrer Mitteilung. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das korrekt ist: Die PKS weist 2023 mit elf Fällen den Tiefstwert des angefragten Zeitraums aus und 2024 mit 37 den Höchstwert. Im Jahr 2022 waren es 23 Fälle, 2021 waren es 16 und zu Beginn der Erfassung 2020 waren es 17 Delikte.

Die Speyerer Polizei nennt auf Anfrage mit zwölf (2023) und 40 (2024) Fällen leicht andere Zahlen, die Entwicklung ist aber ähnlich. Allerdings haben die Beamten auch eine Erklärung dafür: „Aufgrund einer gestiegenen Sensibilisierung in der Bevölkerung dürfte eine höhere Bereitschaft zur Anzeige von Fällen mit dem Tatmittel Messer vorliegen“, erklärt ein Polizeisprecher.

Aus dem Dunkel- ins Hellfeld

Messer würden als Tatmittel erst seit einigen Jahren bundesweit einheitlich und detaillierter erfasst, was ebenfalls zu einem Anstieg der statistisch registrierten Fälle führe. „Insgesamt dürfte eine Verschiebung aus dem Dunkel- ins Hellfeld vorliegen“, verdeutlicht der Sprecher. 13 oder rund ein Drittel der genannten Fälle hätten sich 2024 innerhalb der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) abgespielt.

Laut AfD sind die häufigsten erfassten Herkunftsländer der für das Jahr 2024 erfassten Tatverdächtigen Ägypten, Syrien und Tunesien. In der Auflistung des Innenministeriums sind die meisten Tatverdächtigen Deutsche (9), gefolgt von Ägyptern (8), Syrern (4) und Tunesiern (4). Der Rest verteilt sich auf andere Staatsangehörigkeiten.

Auf die AfA nimmt auch die AfD in ihrer Meldung Bezug. Bollinger kritisiert die Landesregierung, die einräume, dass der überproportional hohe Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger auch mit der örtlichen Asylunterkunft zusammenhänge. Tatsächlich erwähnt das Innenministerium die AfA, jedoch nicht in Zusammenhang mit Messerdelikten, sondern bezogen auf die gesamte Kriminalität. Danach hatte die Partei auch gefragt. „Die vorliegende Auswertung beinhaltet auch ausländerrechtliche Verstöße“, heißt es in der Antwort des Innenministeriums: „Insofern kann, insbesondere bei der Darstellung nichtdeutscher Tatverdächtiger, vor dem Hintergrund der in Speyer eingerichteten Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) eine im Verhältnis erhöhte Anzahl ausgewiesen sein.“

Das sagt die Statistik

Ausländerrechtliche Verstöße bezeichnen dabei etwa Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, die die meisten Bewohner der Einrichtung „automatisch“ begehen, weil sie illegal einreisen. 2023 sind ohne die ausländerrechtlichen Verstöße 5093 Straftaten in Speyer erfasst, 2024 waren es noch 4682. 2019 waren es 4469 Fälle. Zieht man die Verstöße gegen das Ausländerrecht ab, sind laut PKS 2024 insgesamt 1095 deutsche Tatverdächtige erfasst und 822 nichtdeutsche.

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