Harthausen / Hanhofen
Mehr medizinische Versorgung vor Ort: Milena Ristic erweitert Ärzteteam der Praxis Bohlender
Die aus Belgrad in Serbien stammende 45 Jahre alte Medizinerin mit Approbation in Deutschland ist auf der Suche nach einer Station zur Weiterbildung. Dabei stößt sie auf eine Anzeige, die Bohlender, Inhaber der seit über 40 Jahren bestehenden Landarztpraxis in der Tabakgemeinde, über das nach eigenen Angaben „derzeit eines der am stärksten wachsenden Ärztenetzwerke Deutschlands“, die Südpfalzdocs, schaltet. Geschäftsführer der Südpfalzdocs ist Daniel Ringlstetter .Nach einer Hospitanz in der Hanhofer Straße ist für beide Seiten sofort klar: Das passt menschlich, das passt medizinisch.
Seit Anfang 2026 ist Ristic nun als Weiterbildungsassistentin der Allgemeinmedizin fester Teil des fünfköpfigen Ärzteteams. „Wir sind für alle Generation da und sind ein relativ junges Team“, unterstreicht der 47-jährige Chef. Er hat die Praxis 2017 von seinem heute 75 Jahre alten Vater Helmut übernommen. Der Senior arbeitet noch mit und komplettiert die Stelle der Kollegin Elfete Lutolli, die eine Dreiviertelstelle innehat. Johannes Bohlender, Falk Mäthner, ebenfalls Allgemeinmediziner sowie Facharzt für Innere Medizin, sowie Ristic arbeiten Vollzeit. Insgesamt beschäftigt die Hausarztpraxis mit den medizinischen Fachangestellten 20 Personen.
Visite im Seniorenheim
Das Ärztequintett, das noch um eine Person aufgestockt werden soll, versorgt im Wesentlichen die Patienten aus Harthausen und Hanhofen, wo insgesamt rund 7000 Menschen leben. Dazu kommen einige Patienten aus Schwegenheim, Dudenhofen, Römerberg sowie weiteren Orten in der Umgebung. Zur Aufgabe gemacht hat sich die Hausarztpraxis Johannes Bohlender & Team vom Tag der Eröffnung an ebenfalls die Seniorenresidenz „Haus Theresa“ in Harthausen. „Von den 90 Patienten dort betreuen wir etwa 80“, sagt Bohlender. „Zweimal die Woche – mittwochs und freitags – machen wir Visite dort. Das machen im Wesentlichen Milena und ich.“
Die neue Kollegin Ristic wohnt in Landau und fährt täglich zur Arbeit nach Harthausen. Sie schätze dort alles – Räumlichkeiten, Atmosphäre, den Umgang auf Augenhöhe miteinander, den jederzeit möglichen fachlichen Austausch sowie die vorhandene Expertise im Team. „Ich wollte schon immer Ärztin werden“, erzählt sie. Sie stamme aus eine Medizinerfamilie. Eltern, Geschwister und Tante seien Ärzte, alle in verschieden Fachrichtungen. Es sei ihr ein persönliches Anliegen, Menschen zu helfen, gerade auch Ältere zu unterstützen – insbesondere zuhause in deren persönlichem Umfeld, wo die individuellen Bedürfnisse und Umstände zu erkennen seien. „Deshalb mache ich gerne Hausbesuche und die Visiten im Seniorenheim.“
Sechs Sprechzimmer
Die Praxis Bohlender bietet nach der Fertigstellung des Umbaus am ursprünglichen Sitz sowie der komplett neu gestalteten Sebastianus-Apotheke in zwei direkt nebeneinander liegenden Häusern sechs Sprechzimmer. Die frühere Aufteilung auf die Standorte Harthausen und Hanhofen habe sich nicht bewährt. Im Nachbarort hatte Bohlender ab 2018 die Räume der Kollegin Waltraud Jobst nach deren Praxisaufgabe bespielt. Spätestens Mitte dieses Jahres sollen die Bauarbeiten im Tabakdorf komplett abgeschlossen sein. Ab 7 Uhr morgens herrscht dann „Regel-Betrieb“ in beiden Praxis-Häusern.
Fünf Jahre dauert die Weiterbildungszeit von Milena Ristic. Drei davon ist sie zunächst fest in Harthausen. Zwei Jahre folgen dann noch an einer anderen Station. „Ich möchte anschließend wieder hierher zurück“, sagt die 45-Jährige jetzt schon. „Ich hoffe und wünsche sehr, dass es auch so kommt“, bekräftigt Johannes Bohlender.
Zuversichtlich macht ihn, dass auch bereits der Kollege Mäthner als Weiterbildungsassistent in die Praxis kam, er mehrere weitere Hospitanzen ermöglicht hat sowie seine guten Erfahrungen mit Ärztenetzwerken. Der Hausarzt ist überzeugt davon, dass deren Angebot und Services – Bohlender ist auch Mitglied im Netzwerk Pravo in Speyer – in Zeiten von Haus- oder Landarztmangel helfen. In Harthausen auf jeden Fall, wie Milena Ristic gerade beweist.
Zur Sache
Der Verein Südpfalzdocs mit Sitz in Kandel wurde 2019 gegründet. Er hat aktuell 253 Mitglieder, der Beitrag liegt derzeit bei 125 Euro im Jahr. Fördermitglieder zahlen 100 Euro. Der Verein wird ehrenamtlich gemanagt. Geschäftsführer Daniel Ringlstetter ist der einzige hauptamtliche Mitarbeiter. Der 44-jährige gebürtige Aschaffenburger ist gelernter Altenpfleger. Er hat im Anschluss den Pflegemanager draufgesattelt, in der Pflegedienstleitung gearbeitet, bei der Landespflegekammer sowie als Geschäftsführer beim Ärztenetzwerk Gesundheitsorganisation Ludwigshafen.
Die Südpfalzdocs vernetzen junge Ärzte mit erfahrenen Kollegen und tauschen sich über alles Wesentliche der Allgemein- und Familienmedizin aus, um die Hausarztmedizin in der Südpfalz und auf dem Land generell attraktiver zu gestalten.
Neben einer intensiven Betreuung durch niedergelassene Ärzte im normalen Praxisalltag bieten die Südpfalzdocs die Möglichkeit zu Hospitationen in anderen Fachrichtungen wie etwa Gynäkologie, Pädiatrie oder Kardiologie. Sie organisieren Fortbildungsangebote und Netzwerktreffen. Dazu betreibt das Netzwerk eine Stellenbörse, über die Praxen, Weiterbildungsstellen und Praxispersonal gesucht und gefunden werden können. Unter den Motto „Allgemeinmedizin zwischen Wein und Rhein“ gib es in Zusammenarbeit mit den Unikliniken Heidelberg, Mannheim und Mainz die Chance auf eine Famulatur- und eine Stelle für das Praktische Jahr (PJ). Der Verein hat seit 2022 eine Konsilgruppe aufgebaut, in der sich über 70 Ärzte täglich fachlich austauschen.
Das Netzwerk will auch eigene Arztpraxen eröffnen. Die Vorbereitungen sind nach Angaben Ringlstetters inzwischen weit gediehen. In Bad Bergzabern gibt es Praxisräume, wo das erste Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) entstehen soll, in dem mehrere Ärztinnen und Ärzte angestellt sind. Laut dem Geschäftsführer gibt es 18 Interessenten für die Leitungsposition des MVZ. Der Antrag auf Zulassung bei der Kassenärztlichen Vereinigung ist gestellt. „Spätestens am 1. April 2027 wollen wir beginnen“, sagt Daniel Ringlstetter. Von den Landkreisen Germersheim, Südliche Weinstraße sowie von der Stadt Landau haben die Südpfalzdocs eine Anschubfinanzierung von 120.000 Euro für zwei Jahre erhalten.