Speyer Mehr Kontakt zu Einheimischen
3500 Euro haben Jugendliche des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gesammelt und mit dem Geld am Samstag das Anwesen eines Asylbewerberheims in Limburgerhof verschönert. „Wir wollen ein Zeichen der Solidarität setzen“, sagt Felix Goldinger, der Diözesanvorsitzende des BDKJ. Die Bewohner wünschen sich mehr Kontakt zu Deutschen. Das wollen die Jugendlichen unterstützen.
Ein Dutzend Bewohner des Heims steht im Kreis, dazwischen ein paar junge Frauen und Männer des BDKJ. Sie werfen sich einen Ball zu. Das geht schnell, man muss auf Zack sein. Es gibt Gelächter und Bemerkungen auf Arabisch, Englisch und Deutsch, wenn einer den Ball fallen lässt. Die Stimmung ist gut. Was als Arbeitseinsatz vom Samstagmorgen bis zum Nachmittag geplant war, war viel schneller erledigt, als gedacht. „Stand up and help“ – Steh auf und hilf, nannten die katholischen Jugendlichen ihre Aktion. Sie war eine Reaktion auf den mutmaßlichen Brandanschlag auf das im Bau befindliche Heim Anfang Mai diesen Jahres. Der BDKJ, Dachverband der katholischen Jugendorganisationen, hatte im ganzen Bistum Speyer für die Aktion geworben. 3500 Euro kamen so zusammen. „Die Resonanz hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagt Goldinger. So viele Jugendliche meldeten sich, um selber anzupacken, dass gar nicht alle mitmachen konnten. Die Organisatoren mussten einigen Hilfswilligen absagen – und manche kamen trotzdem. Die derzeit 16 Bewohner sind Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien, Äthiopien, Mazedonien und weiteren Ländern. Platz ist noch für zwei weitere Asylbewerber. Insgesamt sind laut Goldinger derzeit 80 Asylsuchende in der Gemeinde Limburgerhof untergebracht. Es werde versucht, Familien zusammen in Häusern Obdach zu geben, weshalb die Heimplätze vorwiegend an allein angekommene junge Männer gingen. Sträucher und andere Pflanzen, um das Anwesen zu gestalten, und einen Fahrradunterstand wollten die Helfer mitbringen. Die Gartengestaltung hat geklappt, der Fahrradunterstand wurde nicht rechtzeitig geliefert und soll später aufgebaut werden. Einige der Bewohner waren von der Aktion überrascht. „Wir hatten nur ein Vorgespräch mit ein paar der Bewohner“ sagt Goldinger. „Wir hätten noch mal mit allen sprechen sollen und sie dadurch besser einbezogen“, stellt er fest. So dauerte es, bis alle Bewohner den ungewohnten Menschenauflauf und die Aktivitäten verstanden. Memnun* und Arif*, zwei 23-jährige Männer aus Syrien, freuen sich über die Aktion. „Wir sind Deutschland und den Menschen in Limburgerhof sehr dankbar“, sagt Memnun, „Wir möchten der Gesellschaft so schnell es geht etwas zurück geben.“ Beide waren in die syrischen Armee einberufen worden. „Wir hätten in den Krieg gesollt, Menschen töten, die uns nichts getan haben und die wahrscheinlich Landsleute sind“, sagt Arif. Er studierte Elektrotechnik, hatte ein Auto und eine Wohnung. Memnun ist gelernter Dekorateur. „Wir sind Menschen mit Fähigkeiten und Bildung. Das wollen wir einsetzen und arbeiten“, so Memnun. Der Kontakt zu Deutschen sei besonders wichtig, um die Sprache zu lernen. „Zutritt nur für Bewohner“, steht auf einem Schild am Eingang zum Anwesen. Das stört die beiden sehr. Sie sind überzeugt, das halte Deutsche davon ab, Kontakt aufzunehmen und stigmatisiere die Bewohner. „Wer hier vorbei kommt, muss doch denken, hier sind böse Leute eingesperrt“, sagt Memnun. Für mehr Kontakt wollen die BDKJ-Jugendlichen sorgen. Wie Goldinger berichtet, gebe es bereits Verabredungen; die katholischen Afrikaner wollen zu Gottesdiensten kommen.