Dudenhofen / Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Freiheit bei Bestattungen: Was neues Gesetz für den Friedwald bedeutet

Der Friedwald in Dudenhofen wurde im April 2008 eröffnet und ist rund 54 Hektar groß.
Der Friedwald in Dudenhofen wurde im April 2008 eröffnet und ist rund 54 Hektar groß.

Der Vorreiter bekommt Konkurrenz: Mit dem neuen Bestattungsgesetz soll es noch mehr Möglichkeiten für individuelle Bestattungen geben. Ist das Friedwald-Konzept in Gefahr?

Im Friedwald in Dudenhofen können sich Menschen dort bestatten lassen, wo sie sich schon zu Lebzeiten wohlgefühlt haben: im Wald. Michael Stephan und seine Frau Birgit Stephan aus Speyer haben sich bereits Gedanken gemacht, wo sie eines Tages beerdigt werden möchten. Sie haben sich für den Friedwald am Rand von Dudenhofen entschieden und dort im Jahr 2011 einen Baum gepflanzt. Aus dem kleinen Schössling ist mittlerweile eine schöne Edelkastanie geworden, erzählt Michael Stephan. Er war 63 Jahre, seine Frau 61 Jahre alt, als sie den Entschluss gefasst haben. „Wir wollen unseren Angehörigen nicht zumuten, jeden zweiten Tag auf den Friedhof zu rennen, um zu gießen. Zumal die Sommer immer heißer werden“, nennt Michael Stephan einen Grund. Er und seine Frau haben sich auch für den Friedwald entschieden, weil „sie unheimlich gerne in der Natur sind“ und ihnen der Gedanke gefällt, eines Tages unter einem Baum beerdigt zu werden, den sie selbst gepflanzt haben.

Der Friedwald in Dudenhofen bietet seit April 2008 auf rund 54 Hektar eine Alternative zum klassischen Friedhof. „Mitten im Wald ruht die Asche von Verstorbenen in biologisch abbaubaren Urnen unter Bäumen. Eine kleine Namenstafel am Baum macht auf die Grabstätte aufmerksam“, heißt es von der Friedwald GmbH. Für die Grabpflege sorge die Natur. Gestecke, Kerzen und Grabsteine passen nicht in die natürliche Umgebung, daher sind sie nicht erlaubt. Die Friedwald GmbH kümmert sich deutschlandweit um fast 100 Friedwälder.

Andachtsplatz mitten im Wald: Hier finden Angehörige Ruhe.
Andachtsplatz mitten im Wald: Hier finden Angehörige Ruhe.

Immer mehr Möglichkeiten für letzte Ruhe

Wer sich nicht im klassischen Sarg oder in einer Urne im Grab bestatten lassen möchte, hat heute auch auf Friedhöfen Alternativen. Kommunen bieten immer mehr Bestattungsformen mit wenig Pflegeaufwand und in geschmackvollen oder natürlichem Ambiente an: Memoriam-Garten, Urnen-Stele, Rasengrab, Baumbestattung. Die klassische Friedhofskultur mit Sargbestattung im Partner- oder Familiengrab scheint für viele Menschen nicht mehr zeitgemäß. Auch Michael Stephan gibt zu: „Die Friedhofskultur ist mir zu viel geworden.“ Jeder versuche sich mit Grabschmuck und Grabgestaltung zu übertrumpfen. Reinhard Burck (Grüne), Erster Beigeordneter der Ortsgemeinde Dudenhofen, berichtet ebenso von einer sinkenden Nachfrage nach Sargbestattungen, während die Urnenbestattungen auf dem Friedhof der Gemeinde zunehmen. Die Gemeinde habe daher Ende des vergangenen Jahres ein neues Urnengräberfeld auf dem Friedhof angelegt und reagiere damit auf die veränderte Nachfrage.

Das neue Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz macht noch einmal mehr möglich: Der Friedhofszwang wird erheblich gelockert. Das Gesetz ermöglicht unter anderem, dass die Urne eines Verstorbenen zu Hause aufbewahrt oder die Asche auf dafür vorgesehenen Flächen verstreut werden darf. Sinkt dadurch die Nachfrage nach einer Baumbestattung im Friedwald?

Das Kreuz am Andachtsplatz: Hier finden auch Trauerfeiern statt.
Das Kreuz am Andachtsplatz: Hier finden auch Trauerfeiern statt.

Friedwald-Konzept: Gesetzesänderung hat keine Auswirkungen

„Nein, wir verspüren keine Rückgänge“, sagt Peter Scheffler, Sprecher der Friedwald GmbH auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die Nachfrage nach Beisetzungen in den Friedwald-Standorten wachse kontinuierlich, und Umfragen deuteten auch in Zukunft auf weiteres Wachstum hin. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass sich die neuen Angebote, die in Rheinland-Pfalz nun ermöglicht wurden, erst noch entwickeln müssten. „Die Zeit seit Inkrafttreten des Gesetzes und insbesondere der Durchführungsverordnung ist noch zu kurz, um das Potenzial wirklich einzuschätzen“, sagt Scheffler.

Ihm zufolge verändern die gesetzlichen Neuerungen das Friedwald-Konzept nicht. Die Betreibergesellschaft sieht sich viel mehr bestätigt: „Aus Sicht von Friedwald zeigt die Reform, dass Menschen sich mehr Wahlfreiheit und naturnahe, selbstbestimmte Abschiedsformen wünschen. Damit bestätigt das Gesetz die Entwicklung, die Friedwald bereits seit Jahren prägt – nämlich die Ergänzung von rein traditionellen Formen um zeitgemäße Alternativen für mehr Individualität und Naturverbundenheit“, sagt Scheffler.

Die Bäume sind mit Nummern gekennzeichnet, damit die Urnenstätten identifiziert werden können.
Die Bäume sind mit Nummern gekennzeichnet, damit die Urnenstätten identifiziert werden können.

Friedwald Dudenhofen: 7800 Menschen bestattet

Da die Nachfrage nach naturnahen Bestattungen grundsätzlich wachse, entwickelt die Betreibergesellschaft ihre Friedwälder weiter. Sie erweitert die Standorte, baut die Infrastruktur – wie Wege, Andachtsplätze und Informationspunkte – aus und eröffnet neue Friedwälder. In Dudenhofen sei gerade eine neue Fläche in Betrieb genommen worden: Laut dem Sprecher sind insgesamt 137 Partnerbäume und Generationenbäume sowie 73 freie Bäume mit fast 700 freien Plätzen vorhanden. Insgesamt seien in Dudenhofen aktuell mehr als 3000 Bäume als Bestattungsbäume ausgewählt. Bislang wurden dort knapp 7800 Personen beigesetzt.

Michael Stephan begrüßt das neue Bestattungsgesetz und die damit verbundene Entwicklung hin zu mehr Freiheit und Individualität. Er legt jedem ans Herz, sich schon früh über Bestattungsformen, Vorsorgevollmachten und „all diese Dinge“ zu informieren und zu handeln, damit die Hinterbliebenen in ihrer Trauer nicht noch viele Entscheidungen treffen müssen. Stephan und seine Frau haben sich ihre letzte Ruhestätte gesichert und sind davon weiter überzeugt. „Die Natur bedeutet mir alles. Mir ist wichtig zu wissen, dass ich eines Tages unter dem Baum liege, den ich gepflanzt habe, dass dort niemand sauber machen muss und ab und zu Rehe und der Fuchs vorbeischauen.“

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