Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Megabagger rückt dem Seppelskasten zu Leibe

Ein besonderer Bagger: Auf 27 Meter Armlänge kommt die neu angeschaffte Baumaschine für den Teilabriss des Seppelskastens.
Ein besonderer Bagger: Auf 27 Meter Armlänge kommt die neu angeschaffte Baumaschine für den Teilabriss des Seppelskastens.

Es ist nicht unbedingt eines der schönsten, aber der bekanntesten Gebäude Speyers, dessen Abriss zu großen Teilen jetzt begonnen wird: das Bistumshaus St. Joseph an der Kreuzung Bahnhofstraße/Obere Langgasse. Vier Stockwerke, mit Dach 17 Meter Höhe, jede Menge umbauter Raum? Die beauftragte Fachfirma geht diesen Großauftrag mit größtmöglicher Gelassenheit an.

Rainer Dilk schaut hinüber zum Liebherr 49 Demolition und zuckt mit den Schultern. Den Bagger hat sein Arbeitgeber, die Grünstadter Abbruchfirma Grathwohl, ganz neu angeschafft. 27 Meter Armlänge sind auch für den erfahrenen Polier und Maschinisten eher ungewohnt. „Normalerweise sind meine Bagger zwei Nummern kleiner, aber das ist kein Thema“, sagt er. Am Haus sind Fenster schon ausgebaut und einzelne Mauerteile entfernt, jetzt werden „die ganzen Kabel rausgepetzt“, so Dilk. Danach kommt der Demolition-Bagger erst richtig zum Einsatz.

„Dran glauben“ muss der Gebäudeteil des „Seppelskastens“ entlang der Oberen Langgasse. Hier entsteht ein Neubau in ähnlicher Optik für das Gemeinnützige Siedlungswerk (GSW) des Bistums. Der Bereich an der Bahnhofstraße plus der Eckturm bleiben erhalten und werden renoviert. Der Abriss erfolgt vom Dach her, erklärt Dilk. Der Bagger werde stets vom Innenhof des Seppelskastens aus arbeiten. Außerhalb ist die Obere Langgasse gesperrt, soll aber nicht groß in Mitleidenschaft gezogen werden. Vorsichtshalber werde ein Sandbett angelegt, falls Kleinteile dort herunterfallen, so Dilk.

Vier bis fünf Wochen Arbeit

Abgerissen wird bis zur Fuge zum Turm. Der Polier ist zuversichtlich, dass nicht zu viel kaputtgeht: „Wir schaffen uns ganz langsam vor, dann wird man sehen, ob wir schneiden müssen.“ Vier bis fünf Wochen müsse ungefähr gearbeitet werden. Die Weihnachtspause eingepreist, könne es also Mitte Januar werden, bis zeitweise der Durchblick in die Obere Langgasse möglich ist, so GSW-Geschäftsführer Christian Rohatyn.

Für die katholische Wohnungsbaugesellschaft ist es ein Zwölf-Millionen-Euro-Projekt mit rund zwei Jahren Bauzeit. In den Gebäudeteil, der erhalten wird, kommen sechs Mietwohnungen plus eine Zwölfer-Wohngruppe des Jugendwerks St. Josef, dazu drei kleinere Appartements und ein großes in den Turm. Dessen obere beiden Etagen mit tollem Speyer-Blick sollen zu einer Einheit mit 150 Quadratmeter Wohnfläche und Dachterrasse werden.

Großes Interesse an Wohnungen

Der Neubau, den die Firma Weisenburger (Karlsruhe) als Generalunternehmer erstellen wird, ist für 21 Wohnungen zwischen 65 und 120 Quadratmetern und zwei Gewerbeeinheiten konzipiert. Diese sollen ebenso wie die Wohnungen im Turm verkauft werden. Für die Gewerberäume gebe es vier Interessenten, erklärt Thomas Andres, Prokurist des GSW, für die Wohnungen seien es 300. Dabei gehe die Vermarktungshomepage erst zum Jahresende online. Ab Ende Januar werde mit Interessenten gesprochen.

Für Rainer Dilk und seine derzeit drei in Speyer eingesetzten Kollegen von der Firma Grathwohl geht es in die Tiefe, wenn sie den Altbau niedergelegt haben: Sie bereiten auch den Bau der Tiefgarage mit 35 Plätzen vor. „Der Hof wird begrünt, und das ist dann in der Summe eine Entsiegelung“, betont Andres. Die heutigen Gebäude sind überwiegend in den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden, aber nach dem Krieg mehrfach verändert worden, sodass trotz der Pläne des renommierten Architekten Albert Bosslet kein Denkmalschutz besteht. Auf dem Areal waren zuvor Maschinenbau- und Tabakfabriken ansässig gewesen, bevor das Bistumshaus ab 1922 wechselvolle Jahrzehnte als Internat, Orgelschule und Caritas-Sitz erlebte.

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