Speyer „Max bleibt ein Sprinter“

Antreiber: Heiko Salzwedel und seine jungen Brandenburger Mannschafts-Verfolger.
Antreiber: Heiko Salzwedel und seine jungen Brandenburger Mannschafts-Verfolger.

Heiko Salzwedel gilt als einer der ganz Großen im internationalen Bahnradsport. Der inzwischen 61 Jahre alte Diplom-Sportwissenschaftler erlebt bei den 132. deutschen Bahnradmeisterschaften in Dudenhofen seine Premiere. Der zweifache Familienvater ist erstmals nach der Wende bei den nationalen Titelkämpfen im Einsatz – als Trainer des Unter-23-Jährigen-Teams des Landesverbandes Brandenburg.

Zuvor holte Salzwedel, der bis zum Fall der Mauer die Bahnradsportler der ehemaligen DDR führte und dann seine Jahre in Australien, Großbritannien, Russland, Dänemark und in der Schweiz verbrachte, bei den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften mit seinen Athleten regelmäßig Edelmetall. Jochen Willner hat sich mit ihm am Mittwochabend unterhalten. Herr Salzwedel, die deutschen Meisterschaften in Dudenhofen sind für Sie doch etwas Besonderes? Jede Meisterschaft ist etwas Besonderes. Bei der deutschen Bahnrad-Meisterschaft war ich seit meinem Wechsel 1990 nach Australien noch nicht dabei. Ich bin aber froh, dass ich jetzt mit dem U23-Team Brandenburg hier sein kann und den Weg der jungen Leute begleiten darf. Es ist ja auch die Rückkehr in die frühere Heimat. Irgendwann kommt jeder nach Hause. Ich habe mich nach fast 30 Jahren in verschiedensten Ländern zu diesem Schritt entschieden. Ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Das bin ich meiner Familie und meinen beiden Söhnen schuldig. Aber ich freue mich auch auf viele meiner einstigen Weggefährten, die ich über 30 Jahre nicht mehr gesehen habe. Ihre größten Momente als Bahn-Nationaltrainer erlebten Sie bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, wo der britische Bahnvierer mit Bradley Wiggins, dem Sieger der Tour de France, in der 4000 Meter Mannschafts-Verfolgung die Goldmedaille in neuer Weltrekordzeit von 3:50,265 Minuten holte. Haben Sie in den vergangenen Jahren den deutschen Bahnradsport noch mitverfolgt? Nur aus der Ferne, egal, in welchen Ländern ich als Trainer oder Manager tätig war, da habe ich mich stets auf die Arbeit vor Ort konzentriert und dafür meine ganze Energie investiert. Das war stets meine Philosophie, und damit bin ich gut gefahren. Wurden Sie deshalb von Bradley Wiggins mit „Heiko ist wie Louis van Gaal oder einer dieser anderen erfahrenen europäischen Manager. Er hat seine Philosophie, und er hält sich daran“ umschrieben? Da muss man Bradley fragen, wie er auf diese Idee kam. Kann der deutsche Bahnradsport von Ihrer Erfahrung als Nationaltrainer und Sportmanager in den verschiedensten Ländern profitieren? Mein Ziel ist es, den jungen Fahrern in Brandenburg die Werte und Dinge zu vermitteln, um sie professionell dem Bahnradsport zu widmen. Ich mache meine jetzige Arbeit, die ich vor sechs Monaten begonnen habe, nicht an einer Medaillen-Vorgabe fest. Ich bin nicht nach Hause gekommen, um Vollgas zu geben. Die Prioritäten haben sich etwas verschoben. Die Arbeit mit den jungen Fahrern ist ganz anderes. Aber sie macht sehr viel Freude. Kaum sind Sie in Deutschland zurück, sorgen Sie mit dem Einsatz von Sprinter Maximilian Levy in der 4000 Meter-Mannschaftsverfolgung des Teams Brandenburg für eine Überraschung. Das mag sicherlich überraschen. Aber die ganz spezielle private Verbindung zwischen Max und mir hat uns auf diesen Weg gebracht. Es war ohnehin Max’ großer Wunsch, mal im Vierer an den Start gehen zu dürfen. Max wird aber definitiv Sprinter bleiben. Da wird sich nichts ändern. Er wird sich aber seiner Sache maximal annehmen. Dann schauen wir mal, was dabei herauskommt. Sport

x