Speyer
Mausbergweg: Wohnprojekt-Premiere rückt näher
Der Stadtrat hat bereits im September 2022 eine Direktvergabe an die Initiative beschlossen: Sie soll den Zuschlag für die bisher als Parkplatz genutzte Fläche der Bürgerhospitalstiftung am Mausbergweg erhalten, die vor Jahren auch schon einmal die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewo bebauen wollte, bevor sie einen Rückzieher machte. Auch die Initiative „Buntspecht“ hat schon ein Hin und Her erlebt. Die Fläche neben dem Haus Pannonia, die ihr die Stadt vor Jahren angeboten hatte, war aus ihrer Sicht nicht geeignet; beim Gelände des früheren Normand-Sportplatzes, auf das sie gerne zugegriffen hätte, wäre die Erschließung zu teuer geworden. Hier bereitet die Stadt nun eine Bebauung in anderer Form vor.
Für die „Buntspechte“ könnte es also der Mausbergweg werden. Peter Bauer, Wohnsoziologe und Sprecher der Gruppe, ist froh, dass es in diesen Tagen nach langer Wartezeit vorangehen könnte. Im Oktober habe es ein Gespräch mit der Stadt gegeben, in wenigen Wochen sei der nächste Termin angesetzt, bei dem der Gruppe erstens ein notarieller Grundstücksoptionsvertrag und zweitens ein städtebaulicher Rahmenvertrag vorgelegt werden solle. „Das ist wichtig für uns, weil der Beschluss des Stadtrats nur als rechtlich nicht bindende Absichtserklärung zu verstehen ist.“
Es geht ums liebe Geld
Es werde jetzt ums Geld gehen, deutet Bauer an. „Wenn wir es finanziert bekommen, kann im nächsten Jahr die Architektenplanung laufen“, erklärt er. Der Teufel stecke jedoch im Detail. Mit dem städtebaulichen Vertrag, in dem es um die Grundstücksdaten und den baulichen Rahmen gehe, seien mehrere Untersuchungen verbunden. So müssten etwa die geschützten Bäume und die Bodenqualität auf dem Grundstück im Speyerer Osten untersucht werden. Zum letztgenannten Aspekt gebe es zwar schon Daten, diese müssten aber noch erweitert werden, denn es bestehe der Verdacht, dass der Untergrund nicht perfekt für ein geplantes Gebäude mit vier Stockwerken geeignet sei. „Wir können aber nicht noch Mehrkosten von 800.000 bis einer Million Euro für eine zusätzliche Gründung aufbringen“, gibt Bauer zu bedenken.
Der Initiator rechnet schon jetzt mit einem Kostenvolumen von 16 Millionen Euro für die geplanten 35 bis 40 Wohneinheiten. Die Gruppe werde an ihre finanziellen Grenzen gehen müssen. Positiv sei, dass lokale Banken schon Interesse an einer Finanzierung gezeigt hätten. Die Entwicklung der Materialkosten und des Zinssatzes für Baukredite machten es aber schwierig. Die Kosten seien der Hauptgrund, warum voraussichtlich auf ein Gebäude, höchstens auf zwei gesetzt werde. „Die Außenhülle ist das Teure beim Bau“, erklärt Bauer. Geplant sei, dass auch ein großer Baukörper mit bis zu 40 Wohnungen in einer „ästhetisch anspruchsvollen Architektur“ zustande komme.
Gespräche laufen noch
Bauer verweist bei den Kostenfragen auf Gespräche mit der Stadt und dem Land. Mit den Vertretern der Bürgerhospitalstiftung im Rathaus gehe es unter anderem um die Art der Grundstücksüberlassung: Die Stadt will Flächen eigentlich nur noch im Erbbaurecht abgeben, aber dem Verein wäre ein Kauf lieber. „Wir würden das Grundstück selbst in eine Stiftung überführen und dem Markt entziehen“, betont Bauer. Mit der sogenannten Erbpacht hätten kreditgebende Banken in vielen Fällen Probleme. „Wenn sie hingegen ins Grundbuch eingetragen werden könnten, würde uns das die Sache erleichtern.“
Mit dem Land würden Möglichkeiten der Förderung besprochen. „Heute ist nur eine kleine Anschubfinanzierung möglich, die uns kaum helfen würde“, so Bauer. Er fordert neue Programme für gemeinschaftliche Wohnprojekte. Das Land müsse sich darauf einlassen, denn die Nachfrage werde steigen.
Mitstreiter sind gegangen
Im Speyerer Spezialfall war in den vergangenen Jahren jedoch ein Verlust an Mitstreitern zu beklagen, die sich schon zu einer Mitwirkung und Mitfinanzierung beim Wohnprojekt bereit erklärt hatten. Es seien einmal 40 „Buntspechte“ gewesen und heute nur noch 17. „Sie haben teilweise den Glauben verloren, dass die Stadtspitze unser Projekt wirklich will“, sagt Bauer über die Ehemaligen. Er hätte sich gewünscht, dass alles schneller geht, gesteht er ein. Gerne hören wird er die Aussage von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) in ihrer Haushaltsrede im Stadtrat, dass „hoffentlich auch das Wohnen am Mausbergweg“ bald zustande komme.
Wenn die nötigen Verträge abgeschlossen seien, könnte der Mitgliederkreis wieder wachsen. Bei Interessenten werde genau hingeschaut, so Bauer: „Wir machen es ihnen nicht so einfach, reinzukommen. Sie müssen wissen, worauf sie sich einlassen.“ Mitfinanzierung und Mitwirkung sei gefragt. Im Durchschnitt seien 25 Prozent Eigenkapital gefragt. Bewohner sollten einmal Miete oder ein genossenschaftliches Nutzungsentgelt zahlen; zu einem kleineren Teil werde es aber auch Wohneigentum geben.