Speyer Manche wollen „aufstocken“

Ab Oktober soll in den deutschen Standesämtern die „Ehe für alle“ geschlossen werden dürfen. Das ist jetzt mit den Entscheidungen von Bundestag und Bundesrat geklärt. Das Speyerer Standesamt sieht sich dafür gut vorbereitet. Einen Ansturm erwartet es nicht.
„Bisher gab es drei telefonische Anfragen von eingetragenen Lebenspartnern bezüglich Eheschließungen“, berichtete Barbara Fresenius von der Pressestelle der Stadtverwaltung vorige Woche über die Zeit seit dem Bundestagsvotum. Dass am 30. Juni die CDU-Fraktion nicht nach Fraktionsdisziplin, sondern jeder Abgeordnete nach seinem Gewissen abstimmte, bescherte der von vielen Gruppen schon lange angestrebten gesellschaftlichen Liberalisierung die Mehrheit: Die Ehe ist nicht mehr heterosexuellen Paaren vorbehalten, die seit dem Jahr 2001 mögliche eingetragene Lebenspartnerschaft somit ein Auslaufmodell. 60 Lebenspartnerschaften sind seit 2001 vor dem Speyerer Standesamt geschlossen worden, 6315 Ehen waren es im selben Zeitraum – wobei Amtsleiter Hartmut Jossé stets betonte, in der Zeremonie bei den beiden Formen keine großen Unterschiede zu machen. Anderswo war das lange nicht selbstverständlich. Seit 2009 gab es spürbare Zunahmen bei neuen Lebenspartnerschaften in Speyer, aber die absoluten Zahlen blieben gering (siehe Grafik). Bei rund 450 Ehen im Jahr sei es dabei nur um 1,5 bis zwei Prozent gegangen, so die Stadt. „Im Jahr 2017 haben wir bislang vier Lebenspartnerschaften in Speyer geschlossen, zwei weitere sind angemeldet“, so der Zwischenstand des Amtes. Ob sich daran nach dem politischen Votum etwas ändere, sei abzuwarten. Es reiche aus, wenn ein Paar in Lebenspartnerschaft eine gemeinsame Willenserklärung, die Ehe einzugehen, unterzeichne. Das werde wohl auch rückwirkend gelten. Jossé plant dafür keine große Zeremonie, aber doch einen „würdigen Rahmen“ im Trausaal: „Es geht um eine Unterschriftsleistung, nicht mehr um einen Ringtausch.“ Die Gebühren seien voraussichtlich gering. Das Standesamt sei für alles bereit, so die Stadt: Anfang Juli habe es eine Aufstockung auf fünf Standesbeamte gegeben, ab Oktober seien auch „noch ausreichend Trautermine für dieses und nächstes Jahr frei“. Auf wenig Begeisterung stößt die neue Möglichkeit in der Leitung des katholischen Bistums Speyer. Sie trägt die Stellungnahme des Berliner Bischofs Heiner Koch mit, wie ein Bistumssprecher auf Anfrage betont. Darin wird bedauert, „ dass der Gesetzgeber wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben hat, um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen“.