Speyer Malen mit der Violine

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„Er war mein Vater, mein Freund, er war alles“, sagt Dana Gwasalia über David Oistrach. Der sowjetische Geiger war Ende der 60er Jahre ihr Lehrer. Damals war die gebürtige Georgierin gerade mal 15 Jahre alt. Seit 1993 unterrichtet die Violinistin an der Städtischen Musikschule Speyer nicht nur Geige, sondern auch Bratsche, Cello und Klavier.

Gwasalia zählt viele Erwachsene zu ihren Schülern, unterrichtet aber auch ganz besonders gerne die Kleinen ab fünf Jahren bis zum Beginn der Pubertät. Virtuosen wolle sie aber nicht heranzüchten: „Das ist nicht meine Sache, auf Goldmedaille spielen.“ Denn als Kind habe sie selbst „den Druck, die Angst, die Forderungen“ erlebt und täglich zehn Stunden üben müssen. „Kein Kind will das, das möchten nur die Eltern“, unterstreicht sie. Ihr sei es dagegen in ihrem Unterricht wichtig, Freude an der Musik zu vermitteln. Mit fünf Jahren habe sie schon auf der Bühne gestanden, mit zehn dann Solokonzerte auf der Geige gegeben. Später sei sie „die letzte Schülerin von David Oistrach gewesen, die internationale Karriere gemacht hat“, erzählt die Geigerin. 1970 trat sie in seine Meisterklasse am staatlichen Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau ein. Oistrach prophezeite ihr aufgrund „ihres ungewöhnlichen Talents, gepaart mit Ausstrahlung, Aufrichtigkeit und Spontaneität“ eine große Zukunft. 1973 gewann sie den internationalen Wettbewerb „Marguerite Long et Jacques Thibaud“ in Paris. Im Jahr darauf belegte sie beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau Platz zwei, wobei keine Goldmedaille für den ersten Preis verliehen wurde. Die Presse habe damals geschrieben: „Rusudana Gwasalia brilliert mit großem musikalischem Talent und glänzender Artistik. Ihr Violinspiel ist dennoch warm.“ Gwasalia selbst, die sich auch im Jazz zuhause fühlt und Johann Sebastian Bach ganz besonders liebt, sieht das etwas selbstkritischer: „Am Anfang war ich eine sehr begabte Kopie von David Oistrach“, sagt sie. „Wenn ich heute meine frühen Aufnahmen höre, ging es da sehr viel um Technik“, stellt sie kritisch fest. Doch mit zunehmender Reife seien mehr und mehr tief empfundene Gefühle und Emotionen an die Stelle von bloßer Fingerfertigkeit getreten. „Sehr saftige, sehr farbige Töne“ entlocke sie heute ihrem Instrument. Sie verbinde Malerei und Musik, sagt die Frau mit der Doppelbegabung, die sich seit einigen Jahren hauptsächlich der Bildenden Kunst verschrieben hat und keine Konzerte mehr gibt. Ihre Liebe zu Kunst und Musik habe sie ihrem Vater, einem georgischen Architekten und Künstler, zu verdanken, der auch ihr erster Zeichenlehrer war. „Ich male das, was ich spiele“, erklärt Gwasalia: tief empfundene Geschichten. In der Musik habe sie „alles gesehen, alles gehört, alles gemacht“, stellt sie fest. „Ich wollte etwas, das mehr greifbar ist als der Klang“. Gefunden habe sie das nun in der Malerei, im Zeichnen und in der Grafik. „Das macht mich glücklich.“ Vor zwei Jahren stellte sie Grafik und Zeichnungen im Speyerer Altpörtel aus. Im kommenden Jahr möchte sie in die Domstadt übersiedeln und ihre Stundenzahl an der Städtischen Musikschule aufstocken.

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