Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Lufa: Finanzsorgen belasten auch im Jubiläumsjahr

Sitz der Forschungsanstalt: oben der Altbau an der Oberen Langgasse, darunter die Erweiterungsgebäude.
Sitz der Forschungsanstalt: oben der Altbau an der Oberen Langgasse, darunter die Erweiterungsgebäude.

Bei ihrer Gründung ging es darum, die Ernährung zu sichern. 150 Jahre später ist die Lufa Speyer vielseitiger. Im Jubiläumsjahr kommt neuer Schwung zu altbekannten Problemen.

„Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt“ ist der komplette Name der Einrichtung des Bezirksverbands Pfalz. Für die meisten Speyerer ist es einfach die „Lufa“, die auf dem Areal an der Oberen Langgasse untersucht und forscht. Bei der Gründung im Jahr 1875 war es noch die „Landwirtschaftliche Kreisversuchsstation“, die in Zeiten von Hungersnöten und Mangelernährung dazu beitragen sollte, dass mehr herausgeholt werden konnte aus den ausgelaugten Böden und dass Krankheiten sowie Schädlinge bei den Kulturpflanzen nicht mehr so leichtes Spiel hatten.

Die Lufa hat nicht nur das geschafft. Sie hat sich auch immer wieder weiterentwickelt, ihr Dienstleistungsspektrum erweitert und sich räumlich vergrößert. Zum Hauptgebäude von 1915 kommen große Laborgebäude, die 1980 und 2002 eingeweiht wurden. Die heute rund 100 Mitarbeiter werden von Diana Bunzel als wissenschaftlich-technischer Direktorin (46, seit 2022) und dem für das Kaufmännische zuständigen Jan Jungkind (45, seit 2017) geführt. Die Aufgabe: Sicherung einer ökonomischen, umweltverträglichen und auf eine hohe Qualität ausgerichteten Produktion von Nahrungsmitteln, Futtermitteln und nachwachsenden Rohstoffen.

Wirtschaftlichkeit fordert heraus

Der Blick auf die Wirtschaftlichkeit ist spätestens 1993 in den Vordergrund gerückt, als die Lufa zum Eigenbetrieb des Bezirksverbands wurde. Sie hat zu kämpfen. Ungefähr 50 zu 50 beträgt heute laut Jungkind die Aufteilung zwischen amtlichen Aufgaben etwa in der Futter- und Düngemittel- sowie Saatgutkontrolle und privaten Aufträgen. Wenn man davon ausgeht, dass die Erstattungen des Landes für den amtlichen Anteil nicht reich machen, wird die Bedeutung der Aufträge vom freien Markt schnell klar. Dabei sind die Rahmenbedingungen laut Bunzel schwieriger geworden. Immer wieder muss der Bezirksverband Geld zuschießen.

Die Kosten seien hoch für das Know-how und die Infrastruktur im Forschungs- und Laborbereich. Die Bilanzsumme liegt laut Finanzchef Jungkind insgesamt bei rund 10 Millionen Euro. „Es ist eine herausfordernde Zeit“, sagt Bunzel. Es begeistere sie immer wieder, „wie viel Expertise und Fachlichkeit“ in der Lufa stecke, so die Direktorin. Auf der Einnahmeseite fehlten jedoch teilweise die entsprechenden Aufträge. Das habe mit dem Betriebssterben in der Landwirtschaft zu tun, aber auch mit der veränderten Laborlandschaft: Einfachere analytische Aufträge wanderten oft zu großen privaten Laborketten, die zum Beispiel nicht die Personalkosten wie der öffentliche Dienst hätten.

„Wir müssen uns weiterentwickeln im Dienstleistungsportfolio, in der Effizienz und in den Prozessen“, betont den Chefin. Die Lufa stecke seit 2023 in einem Strategie- und Transformationsprozess, der in diesem Jahr in Entscheidungen münden solle. Die Energiekosten-Steigerungen der Inflationsjahre hätten es nicht einfacher gemacht. Am Laufen sei schon die Erneuerung des IT-Systems, klar sei auch, dass in das Labormanagementsystem investiert werden müsse. Vorsichtig ist sie mit Aussagen dazu, welche Dienstleistungen wegfallen oder hinzukommen werden: Dafür werde die Datenbasis noch erweitert. An Bedeutung gewinnen können Aufträge, die das Qualitätssicherungssystem Gute Laborpraxis (GLP) erfordern, mit dem die Lufa ein gewisses Alleinstellungsmerkmal habe. „Wir sind zudem da besonders stark, wo viel Expertise und Beratung nötig ist.“

418 Untersuchungsmethoden

Zum Beispiel setzt der Gemüsebau in der Vorderpfalz seit eh und je auf die Lufa. Eine klassische Aufgabe ist die Untersuchung von Feldprodukten auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Bis zu 500 verschiedene Stoffe könnten dabei mit vor allem chemischen Verfahren erkannt werden. 418 Untersuchungsmethoden werden eingesetzt. Oft gehe es um Vor-Ernte-Untersuchungen, mit denen ermittelt werde, wann Gemüse in den Handel gebracht werden kann. Die Handelskonzerne stellten an die Landwirte höchste Anforderungen, und diese holten sich vor der Vermarktung das Okay der Lufa. Viele Produkte müssten danach nicht aus dem Verkehr gezogen werden, betont Bunzel. Wenn einmal zu viel Pflanzenschutz nachgewiesen werde, habe das in der Regel damit zu tun, dass Stoffe vom Nachbaracker durchgesickert seien, für dessen Kulturen sie erlaubt waren.

Für die enge Verbindung der Lufa mit der Landwirtschaft steht die Feldversuchsstation Rinkenbergerhof in Speyer-Nord, für dessen 15 Hektar vier Mitarbeiter zuständig sind. Beim gesamten Personalbestand waren seit 2018 aus Spargründen 11,5 Stellen abgebaut worden. Inzwischen geht Bunzel aber davon aus, dass es keine weiteren Reduzierungen geben kann, um die satzungsgemäßen Aufgaben zu erfüllen. Sie weiß, dass dafür Erfolg gerade auf dem freien Markt erforderlich ist. „Der Spagat wird zunehmend schwieriger“, gibt sie zu.

Termine

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Lufa plant die Einrichtung des Bezirksverbands einen Tag der offenen Tür mit Bauernmarkt am Sonntag, 28. September, 10 bis 16 Uhr, auf dem Betriebsgelände in der Oberen Langgasse 40. Für 1. September ist zudem ein Festakt angesetzt und zuvor schon eine öffentliche Vortragsreihe im Landesbibliothekszentrum, Otto-Mayer-Straße 9. Nächster Termin ist am Mittwoch, 21. Mai, 18 Uhr, mit dem Vortrag „Saurer Regen – Relikt aus der Vergangenheit oder aktuelles Problem für unseren Wald?“ (Martin Greve). Weitere Termine: 18. Juni, 1. Oktober, 29. Oktober, 26. November.

Leitungsteam der Lufa: Diana Bunzel und Jan Jungkind.
Leitungsteam der Lufa: Diana Bunzel und Jan Jungkind.
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