Speyer
Ludwigscarrée: Neue Bewohner ab September
Die Bauarbeiten an den einzelnen Gebäuden zwischen Korngasse und Johannesstraße waren weit fortschritten, als Ende Februar der Schock kam. Mehrere Farbbeutelwürfe gegen die frische Fassade und anonyme Drohmails, in denen Wilhelm Kuttler, Geschäftsführer der Investorengesellschaft Project Bisping (Neuburg), nach eigener Mitteilung aufgefordert wurde, ausländische Bauarbeiter abzuziehen. Angedrohte weitere Taten blieben aus, nachdem er ein Netz um Gebäudeteile in Auftrag gegeben hatte.
„Die Polizei hat ermittelt, aber es wurde kein Täter gefunden und das Verfahren eingestellt“, sagt Kuttler auf Anfrage. Er hofft, dass nun der Feinschliff ohne Störungen über die Bühne gehen kann. Zwei der sechs Gebäude zwischen Korngasse und Johannesstraße würden im September fertig und in der zweiten Monatshälfte bezogen. Es handle sich um das Haus neben der Kirche und das zu Korn- und Predigergasse hin. Im Oktober und November würden jeweils zwei weitere Gebäude übergeben. Die 55 Wohneinheiten im Ludwigscarrée waren laut dem Geschäftsführer schon im vergangenen Jahr komplett vermarktet.
16 Millionen Euro Baukosten
16 Millionen Euro allein an Baukosten werde die GmbH am Ende aufgewendet haben, so Kuttler. Materialkosten hätten sich dem weltweiten Trend entsprechend erhöht, seien aber „noch erträglich“. Dass die Lieferketten in der Corona-Pandemie phasenweise stockten, habe zu Verzögerungen geführt. Aktuell laufen dem Investor zufolge vor allem noch der Innenausbau und die Gestaltung der Außenanlagen, die zu 40 Prozent fertig seien.
Von den Innenstadt-Straßen aus, die das historische Ensemble umgeben, sind die Bauarbeiten gut sichtbar. Das frühere Bistumshaus war um die Kirche St. Ludwig herum entstanden. Kirchenstandort ist das Gelände seit dem 13. Jahrhundert. Bis 2009 hatte das Bistum dort ein Tagungshaus betrieben. Es sollte zunächst saniert und um das Priesterseminar beziehungsweise die Caritas-Zentrale ergänzt werden. Dann entschied sich das Bistum doch anders und verkaufte das Ensemble an die Mannheimer Firma Diringer & Scheidel, die es 2017 an Kuttler weiterreichte. Dessen Firma veräußerte die Kirche wiederum an Privatinvestorin Doris Grethen (Speyer), die sich nach Beratungen mit dem Denkmalschutz in Kürze zur künftigen Nutzung äußern will.