LUDWIGSHAFEN / SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Lokführer lässt Fahrgäste auf dem Gleis stehen

Alles einsteigen: Genau das konnten einige S-Bahn-Passagiere in Ludwigshafen nicht.
Alles einsteigen: Genau das konnten einige S-Bahn-Passagiere in Ludwigshafen nicht.

Nicht nur der Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL kann eine Bahnfahrt verhindern. Der Speyerer Winfried Flügge berichtet von einem besonders ärgerlichen Fall in der vergangenen Woche: Gerade hat die Bahn zum Umsteigen aufgefordert, schon ist der Zug einfach weg – ohne die erzürnten Fahrgäste.

Ludwigshafener Hauptbahnhof, 30. August, 10.36 Uhr: Der Zug der S-Bahn-Linie 3 Richtung Speyer-Germersheim hält an. Für einige Fahrgäste heißt es umsteigen. Sie sind aufgefordert worden, vom hinteren in den vorderen Zugteil zu wechseln. Denn in Ludwigshafen werde der hintere Teil abgehängt.

Gut zehn Bahnkunden steigen also aus, laufen über den Bahnsteig und drücken auf die Türöffner an den vorderen Wagen. Doch es tut sich – nichts. Stattdessen rollt der vordere Zugteil langsam wieder an, fährt weiter und lässt die Fahrgäste fassungslos zurück.

Mitarbeiter empfiehlt Regionalzug

So schildert es Winfried Flügge aus Speyer, dessen 71-jähriger Freund einer der Betroffenen war. Immerhin: Ein zufällig anwesender Bahnmitarbeiter habe sich um die Zurückgelassenen gekümmert. Er sei über die plötzliche Abfahrt ohne die Passagiere selbst verwundert gewesen.

Den Fahrgästen habe er den nächsten Regionalzug empfohlen, der Ludwigshafen um 10.57 Uhr verlassen habe – etwa 20 Minuten später. Am Bahnhof Speyer Nord-West, wo Flügge seinen Freund abholen wollte, hält dieser Zug allerdings gar nicht. „Warum ist der Lokführer ohne die aus dem hinteren Zugteil kommenden Fahrgäste abgefahren?“, fragt der Speyerer.

„Keinen Fahrgast mehr gesehen“

Eine Sprecherin der Bahn erklärt auf Anfrage, der Lokführer habe vor der Ankunft in Ludwigshafen durchgesagt, dass der hintere Zugteil dort ende. Die Passagiere sollten in den vorderen Teil des Zuges umsteigen. „Unser Lokführer hat keinen Fahrgast mehr gesehen, der einsteigen wollte“, so die Sprecherin. Deshalb habe er die Fahrt fortgesetzt.

Laut Bahn läuft dieser Vorgang mehrmals täglich problemlos ab. „Wir bedauern es sehr, dass es in diesem einen Fall Fahrgäste gab, die das Umsteigen verpasst haben.“ Womöglich habe der Lokführer die Türfreigabe sehr schnell zurückgenommen, sodass die Bahnkunden erst umsteigen wollten, als der hintere Zugteil abgehängt war und die Türen freigegeben waren. „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten, die dadurch entstanden sind“, erklärt die Bahn.

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