Speyer Lockerer und bestimmender Rasta-Man
SPEYER. „Ich weiß nicht, wie ich das mache. Ich bin halt so.“ Mit diesen Sätzen versuchte Bruno Tsafack, die folgende Feststellung des Deutschen Judo-Bundes (DJB) zu erklären: „Zu seinen besonderen Fähigkeiten gehört vor allem, Kinder und Jugendliche jeden Alters begeistern und motivieren zu können.“
Der in Mühlacker bei Karlsruhe verheiratete Afrikaner ist hauptamtlicher Bundestrainer für den männlichen Nachwuchs der Unter-18-Jährigen und derzeit im Speyerer Judo-Landesleistungszentrum tätig. Im Judomaxx unterweist er monatlich mehrmals auch Mädchen dieses Altersbereiches. „Ich habe mir gesagt, wenn ich schon da bin, dann mache ich das mit“, sagt der Mann mit den Rasta-zöpfchen und lacht: „Das ist mit DJB-Sportdirektor Mark Borchert und meiner Bundestrainer-Kollegin Lena Göldi aus Köln so abgesprochen.“ Offensichtlich haben auch die jungen Damen nichts dagegen. Judo der Marke Bruno ist halt nicht nur für Jungs. Locker und gleichermaßen bestimmend wie auf der Judomatte begegnet einem der 36-Jährige aus der Kamerun-Hauptstadt Yaoundé auch im RHEINPFALZ-Gespräch. Er habe erst mit 13, 14 Jahren zu seinem Sport gefunden, vorher Karate und Turnen probiert. Er sei zum Bauingenieur-Studium nach Kaiserslautern und Karlsruhe gekommen, aber mit der Zeit feststellen müssen, „dass das eigentlich nicht zu mir passt“. Als er nach dem Tod seines Vaters nicht mehr finanziell unterstützt werden konnte, habe ihm der Deutsche Judobund einen Berufsweg aufgezeigt. Auf dem startete der Ex-Student und Bundesliga-Kämpfer des JC Ettlingen zu seiner Laufbahn: Vereins-, Bezirks- und Landescoach in Baden-Württemberg, Honorartrainer beim Deutschen Judobund und seit 2013 hauptamtlicher Nachwuchs-Bundestrainer. „Seine fachliche Kompetenz bewies er an der Trainerakademie in Köln, die er mit einem Diplomabschluss absolvierte“, lässt der Dachverband wissen. Sein Fachkönnen zeigt Tsafack nicht nur in der Praxis. Auch Theoretisch hat er einiges drauf. Er ist Autor des Buches „Das Wertesystem im Judo und seine Erziehungsaufgabe“. In dem Werk setzt er sich „mit der untrennbaren Einheit von körperlicher und geistiger Entwicklung im Judo“ auseinander und beschäftigt sich mit dem „Ist-Zustand des Judo in Deutschland“. Der Mann aus Kamerun, dessen Muttersprache das Französische ist, führt das RHEINPFALZ-Gespräch in fast fließendem Deutsch. Wieso kann er das so gut? Da sagt Bruno Tsafack zwei Sätze, wie sie in der derzeitigen Situation in Deutschland nicht passender sein könnten. Nämlich: „Der erste Schritt, sich zu integrieren, ist der feste Wille, es überhaupt zu tun. Der zweite Schritt ist, die Sprache des neuen Landes zu lernen.“