Speyer
Lob und Widerspruch zu Plänen für Ludwigskirche
Für den Donnerstagnachmittag war Doris Grethen in den städtischen Gestaltungsbeirat eingeladen. Dessen Zuhörerraum war besser denn je gefüllt, als die Architekturexperten im Beirat, die im Auftrag der Stadt Empfehlungen zu großen Bauprojekten abgeben sollen, den Beratungspunkt frühere Ludwigskirche aufriefen. Grethen hatte auf den Termin hingefiebert, weil ihr Projekt zuletzt ins Stocken geraten war.
Ihr schwebt ein „Kulinarium“ im neugestalteten Innenraum vor: Ins Erdgeschoss könnten „Genussmanufakturen“ mit Marktständen einziehen, auf der deutlich verlängerten Empore könnten Gäste eines gehobenen Restaurants („eventuell Sterneküche“) dinieren. Die Nutzung von Innen- wie Außengelände solle dabei so flexibel wie möglich gehalten werden. Ein Freisitz des Lokals sei zur Korngasse und zum Wormser Gässchen hin geplant. Das bestehende Nebengebäude zur Predigergasse hin solle erweitert und ebenfalls für Veranstaltungen – etwa Kunstausstellungen – genutzt werden. Für letztgenannte Idee liege der Stadt schon ein Bauantrag vor, so Grethen. Sie hoffe auf einen baldigen Bescheid dazu.
„Große Chance“
Der Gestaltungsbeirat befasste sich am Donnerstag vor Ort und auf den Plänen mit dem Projekt. Sprecher Dietrich Gekeler nannte es eine „große Chance für die Stadt“, wenn die seit Jahren leerstehende Kirche durch die Umnutzung wieder öffentlich zugänglich würde. Im baurechtlichen Mischgebiet seien verschiedene Nutzungen zulässig. Es handle sich um ein „komplexes und anspruchsvolles Konzept“; in der Planung müssten „noch einige Hürden überwunden werden“.
Worin diese bestehen könnten, zeigte sich bei der folgenden Debatte. Der städtische Denkmalschützer Jürgen Alshuth sagte, dass ein Teil der Pläne nicht mit ihm abgesprochen sei und dass die Denkmalpflege etwa das von Grethen gewünschte Ausmaß der Kirchenöffnung zur Korngasse hin nicht mittrage: Grethens Argument, dass die geplanten Glaselemente für Licht im dunklen Seitenschiff sorgten, wies er zurück. Es dürfe drinnen nicht zu hell sein, damit Farbglasfenster von 1935 ihre volle Wirkung entfalteten. Beiratsmitglied Edda Kurz relativierte das: „Es ist künftig nicht mehr in erster Linie ein dunkler sakraler Raum. Für eine Nutzungsänderung sind auch gewisse Zugeständnisse nötig.“ Von den politischen Vertretern im Beirat gab es Lob (CDU), aber auch Kritik von der Linken, die einen „massiven Eingriff ins Stadtbild“ vermutete.
„Eine Kostenfrage“
Grethen sagte nach der Sitzung auf Anfrage, sie werde die Anregungen nun zusammen mit ihrem Architekten prüfen. Letztlich sei vieles eine Kostenfrage. Sie hoffe zunächst auf grünes Licht für das Nebengebäude, dann werde sie in die Detailplanung für die Kirche gehen. „Das dauert dann richtig lange.“
Enttäuscht hatte sich die Investorin Anfang der Woche über eine anonyme Aktion gezeigt: Am Lampenmast direkt neben dem Eingangstor zu St. Ludwig, aber auch an anderen Stellen in der Stadt sind Aufkleber aufgetaucht, auf denen über dem Stadtlogo steht: „Keine Gastro in der St. Ludwig Kirche“. Sie kenne die Urheber nicht und sei generell für Meinungsvielfalt, betonte Grethen. Sie verstehe jedoch weder die Anonymität („man sollte zu seiner Meinung stehen“), noch „dass sich diese Leute unerlaubt hinter dem offiziellen Logo der Stadt verstecken“.
Für Applaus sorgte am Ende der Beratung im Gestaltungsbeirat eine Ankündigung von Bauverwaltungschef Robin Nolasco: Die Anwohner sollten in den künftigen Planungsfortschritt einbezogen werden.