Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Lisa Wittemer neu am Zimmertheater

Von Speyer nach München - und zeitweitig wieder zurück.
Von Speyer nach München - und zeitweitig wieder zurück.

In „Blackbird“, der laufenden Eigenproduktion des Speyerer Zimmertheaters, spielt Lisa Wittemer die weibliche Hauptrolle. Lange hat sich die Schauspielerin gewünscht, mit Regisseur Timo Effler zusammen zu arbeiten. Jetzt endlich hat es geklappt.

Sie kenne Effler schon aus der Schulzeit am Gymnasium am Kaiserdom, erzählt die 29-jährige gebürtige Speyererin. Seit elf Jahren lebt sie nicht mehr in ihrer Heimatstadt, verfolgt aber nach wie vor die kulturellen Ereignisse in der Domstadt. Besonders die im Zimmer- und am Kinder- und Jugendtheater. „Da habe ich mich schon als Schülerin im Jugendclub engagiert“, sagt Wittemer. Dieses Theater habe sie geprägt. „Ich habe zum ersten Mal begriffen, das Schauspielerei ein Beruf ist“, erinnert sie sich an den Moment, als ihr klar wurde, dass sie sich in diesem Bereich unbedingt ausprobieren will. Ohne lange an verschiedenen Schauspielschulen vorsprechen zu müssen, sei sie an der Passauer Athanor Akademie für Darstellende Kunst angenommen worden, berichtet Wittemer von „viel Glück von Anfang an“.

Vier Jahre habe die Ausbildung gedauert, danach habe sie ein kurzes Gastspiel am Mannheimer Theater gegeben. „Dann ging es zurück in den Süden, zuerst nach München und dann mit einem Tournee-Theater quer durch Bayern“, beschreibt die Schauspielerin ihren kreativen Werdegang. Für sie seien Theater und Film gleichermaßen reizvoll, betont sie. Damit und mit Aufträgen als Sprecherin sei sie gut durch die Corona-Krise gekommen. Kurz vor Ausbruch der Pandemie habe sie ein Sprachtherapie-Studium aufgenommen, sagt sie. „Das war gut gegen Zwangspause-Depression und gut für den Geist.“ Die meisten geplanten Film- und Bühnenprojekte hätten – wenn auch unter erschwerten Bedingungen - stattgefunden, sagt Wittemer.

Im Moment München

Bis unmittelbar vor dem ersten Lockdown habe sie gedreht, im Juni seien die Arbeiten für den Kinofilm „Weißbier im Blut“ wieder aufgenommen worden. „Das war nicht ganz einfach, weil vorher Winter und dann Sommer war“, schildert sie Wetter bedingte Probleme am Set. Inzwischen sei der Film in vielen Kinos gelaufen, sagt Wittemer. „Aber nicht in Speyer.“

Während der Proben für „Blackbird“ ist die Schauspielerin noch einmal bei den Eltern eingezogen. Nach der Premiere ging es zurück nach München. „Seitdem bin ich Pendler“, lacht Wittemer. Die Aufführungs-Wochenenden verbringt sie in Speyer, die restliche Zeit in ihrer Interims-Heimatstadt. „Für immer werde ich nicht da wohnen“, ist sie sicher. „Aber im Moment ist München für mich der ideale Standort.“

Der Rolle Stärke gegeben

„Blackbird“, die Geschichte einer verbotenen Liebe, eines Missbrauchs, eines Täters und eines Opfers, hat auch die Schauspielerin ergriffen. Vor Jahren habe sie David Harrowers gleichnamiges Drama gelesen und es kaum zu Ende gebracht, berichtet Wittemer von ihrem emotionalen Kampf mit der Lektüre. „Der Schritt aus der Komfortzone war auch bei mancher Probe schwierig“, räumt sie ein. „Ich musste mich am Anfang oft überwinden, den Text zu lernen“, beschreibt sie ihre intensive Auseinandersetzung mit der Rolle. Vor Efflers Mut und dem seines Teams zu einem etwas anderen Theaterabend ziehe sie den Hut, sagt Wittemer, die die Arbeit am Stück und sein Ergebnis keinesfalls missen möchte. „Ich bin froh, dass das Zimmertheater einen eigenen Schluss gefunden hat“, betont sie. „Er gibt meiner Rolle viel Stärke.“ Wittemer hofft, dass sich Viele dem vielschichtigen Thema aussetzen, das mit der „Me-Too“-Bewegung neue Brisanz erlangt hat. „Wenn ich nicht mitspielen würde, ginge ich ganz sicher in Blackbird“, sagt sie.

Noch auf der Bühne in Speyer, ist Wittemer fast schon auf dem Weg nach Oberbayern. In Murnau stehen Proben für die Theaterfassung des 1932 von Irmgard Keun geschriebenen Romans „Das kunstseidene Mädchen“ an.

Aufführungen

19., 20., 26. und 27. November, jeweils 20 Uhr in der Speyerer Heiliggeistkirche, Johannesstraße 6. Karten gibt es unter tickets@zimmertheater-speyer.de und im Spei’rer Buchladen, Korngasse 17, Speyer, Telefon 06232 72018.

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