Dudenhofen / Harthausen / Hanhofen / Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Linienbus zwischen Neustadt und Speyer: Unterwegs mit einem Busfahrer

Hat Spaß am Busfahren, auch wenn er sich oftmals über die Verkehrsbedingungen ärgert: Dennis Lischer.
Hat Spaß am Busfahren, auch wenn er sich oftmals über die Verkehrsbedingungen ärgert: Dennis Lischer.

Alternierendes Parken, enge Straßen: Dennis Lischer ist seit 30 Jahren Busfahrer und stößt täglich auf Hindernisse. Er zeigt, wo es im Verkehr klemmt und macht Vorschläge.

„Das sind die fünf Meter, die fehlen.“ Dennis Lischer ist beim Busunternehmen Hetzler & Pfadt (Herxheim) beschäftigt und fährt Linienbusse zwischen Speyer, Neustadt und Landau. Dabei ist der 52-Jährige aus Schwegenheim auf der einen Seite Mentor und Erzieher für Kinder und Jugendliche sowie auf der anderen Seite Kritiker der Gesellschaft und Kommunalpolitik, wenn es um Straßenverkehrsbelange geht.

Aber der Reihe nach: Lischers Arbeitstag beginnt um 6 Uhr im Betriebshof in der Rheinsheimer Straße in Germersheim. Heute fährt er den Linienbus 507 zwischen Neustadt und Speyer. Um 7.10 Uhr steigt in der Dudenhofer Straße in Speyer ein junger Schüler zu. Lischer begrüßt ihn, der Junge grüßt zurück und setzt sich auf den Platz hinter die Fahrerkabine. Die beiden kennen sich, erzählen während der Fahrt immer wieder miteinander. An der Haltestelle Harthausen Ost steigen vier junge Schüler zu. Lischer will deren Fahrkarten sehen und ermahnt einen Jungen, nicht mehr ohne zu schauen über die Straße zu rennen. Der Busfahrer hatte einige Tage zuvor beobachtet, wie es zu einer gefährlichen Situation mit dem Jungen und einem heranfahrenden Kastenwagen gekommen war.

„Ich bin nicht Mutter Theresa“ – aber irgendwie doch

Lischer kontrolliert die Tickets und lässt sich auch noch die Fahrkarte des jungen Schülers zeigen, der in der Dudenhofer Straße in Speyer eingestiegen war. „Du hast ja heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, 14 Jahre alt wirst du. Jetzt bist du strafmündig“, sagt Lischer und lacht. Der Schwegenheimer ist um keinen Spruch verlegen, wobei häufig auch eine gewisse Ernsthaftigkeit mitschwingt. Er erzählt später, dass es der Junge „daheim nicht so einfach“ habe und er ihm schon Hilfe beim Bewerbungenschreiben angeboten habe. „Ich bin aber nicht Mutter Theresa“, schiebt Lischer noch schnell hinterher.

Der Busfahrer gefällt sich eher in seiner Rolle als Kritiker und da fallen ihm in seinem Arbeitsalltag im Straßenverkehr zahlreiche Dinge auf. Los geht’s in Dudenhofen: Gegenüber der Haltestelle im Boligweg parken am Fahrbahnrand zwei Autos. „Eigentlich müsste ich laut Fahrplan hier noch eine Minute halten. Wenn ich hier jetzt aber stehen bleibe, kommt wegen der geparkten Autos kein Fahrzeug mehr durch“, sagt Lischer und schimpft über die „Bequemlichkeit“, wenn Menschen ihr Hoftor nicht öffnen wollten, um ihr Auto aufs eigene Grundstück zu fahren, oder darüber, dass die Garage zweckentfremdet werde und keinen Platz mehr fürs eigene Fahrzeug biete. Ähnliches passiert später in Hanhofen, wo gegenüber einer Ersatzhaltestelle ein Auto geparkt ist und Lischer beim Um-die-Kurve-Fahren darauf achten muss, dass das Fahrzeug nicht beschädigt wird. Er schimpft kurz auf die Kommunalpolitik, die es ihren Wählern dort erlaube zu parken, und hält dann an der Haltestelle, an der noch mehr Kinder einsteigen.

Alternierendes Parken in der Iggelheimer Straße in Dudenhofen: Für den Busfahrer heißt das immer wieder Ausweichen mit seinem 12
Alternierendes Parken in der Iggelheimer Straße in Dudenhofen: Für den Busfahrer heißt das immer wieder Ausweichen mit seinem 12 Meter langen Fahrzeug.

Lischers Vorschlag: Statt alternierendes Parken Tempo 40 und Blitzer

Ein weiteres Ärgernis für Lischer: alternierendes, also wechselseitiges Parken am Fahrbahnrand, das fast überall in den Hauptverkehrsstraßen in den Dörfern rund um Speyer erlaubt ist. In der Landauer Straße in Dudenhofen zeigt sich, welche Auswirkungen das auf den Busverkehr haben kann. Lischer muss mit seinem Bus erst einmal hinter den parkenden Autos warten, als ihm ein Roller und Radfahrer entgegenkommen. Das dauernde Stoppen und Anfahren trage nicht zur Lärmberuhigung bei, findet der Busfahrer. Dabei wurde gerade in der Landauer Straße aufgrund der Lärmgrenzwerte Tempo 30 eingeführt. Lischer hält nichts von Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen und alternierendem Parken, um den Verkehr auszubremsen. Er wünscht sich – wie in Baden-Württemberg – Tempo 40 und stationäre Blitzer sowie weniger parkende Fahrzeuge auf den Straßen. Dann könnte der Verkehr „harmonisch fließen“ und die Autofahrer wären weniger aggressiv, meint der Busfahrer. Er macht ebenso darauf aufmerksam, dass die Fahrpläne nicht an die vermehrten Hindernisse im Straßenverkehr angepasst seien und der Bus deswegen oftmals nicht pünktlich sein könne.

Lischer kostet es immer wieder Nerven, wenn es in Zonen mit wechselseitigem Parken zu Begegnungsverkehr mit anderen großen Fahrzeugen wie Lastwagen, Traktoren oder Bussen kommt – egal ob in Dudenhofen, Harthausen oder Geinsheim, wo es in der Duttweiler Straße aufgrund von parkenden Autos am Fahrbahnrand auf einer Länge von 100 Metern keine Möglichkeit zum Einscheren gebe. Auch in der Landauer Straße in Dudenhofen kommt es auf seiner Fahrt nachmittags zu Verzögerungen, weil ihm ein Traktor und ein anderer Bus entgegenkommen, während am Straßenrand Autos parken, und es ein langsames Aneinandervorbeitasten braucht, damit alle weiterfahren können. Das sind die angesprochenen „fünf Meter, die fehlen“. Lischer meint damit, mehr Platz zum Fahren für seinen 12 Meter langen und zweieinhalb Meter breiten Bus, der im Leerzustand rund 11,7 Tonnen wiegt.

Ist ein Grund, warum die im Fahrplan ausgewiesenen Abfahrtszeiten nicht eingehalten werden können: Verkehrsbehinderungen, wie hi
Ist ein Grund, warum die im Fahrplan ausgewiesenen Abfahrtszeiten nicht eingehalten werden können: Verkehrsbehinderungen, wie hier morgens auf der B39 bei Dudenhofen, wegen einer Baustelle.

Pfefferspray seit Vorfall immer dabei

Ausreichend Platz fehlt auch in der Oberen Langgasse in Speyer – und zwar für Busse und Radfahrer. Lischer fährt mit seinem Bus auf dem Fahrradstreifen. Radfahrer weichen auf den Gehweg aus. Ihm bleibe nichts anderes übrig, sagt der Busfahrer. Die Straße ist nicht breit genug, er müsse auf dem Fahrradstreifen fahren, damit er nicht mit entgegenkommenden Fahrzeugen kollidiere. Das sorge für Frust bei Radfahrern, manch einer habe ihm auch schon an den Bus geschlagen, erzählt Lischer.

Den 52-Jährigen beschäftigen solche Vorkommnisse. Er kann auch von körperlicher Gewalt gegen Kollegen berichten, die von Fahrgästen attackiert worden seien. Die Übergriffe seien angezeigt worden, die Täter hätten Fahrverbot, Fotos von ihnen hängen in den Räumen des Busunternehmens. Lischer hat vor zwei Jahren erlebt, wie im Otterstadter Weg in Speyer-Nord ein mutmaßlich unter Drogen stehender Mann seinen Bus an mehreren Stellen beschädigte, indem er unter anderem den Tankdeckel abtrat. „Seit dieser Zeit habe ich immer das Gesichtsdeo dabei“, sagt Lischer und meint damit sein Pfefferspray. Einsetzen musste er es bisher nicht.

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