Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Lingenfeld: Fritz Beisel hat Lingenfelder Ortspolitik mehr als drei Jahrzehnte geprägt

Fritz Beisel.
Fritz Beisel. Foto: Lenz

Wenn es ums Thema Bauen ging, dann war Fritz Beisel in den vergangenen fast vier Jahrzehnten derjenige, an dem in Lingenfeld niemand vorbeikam. Für sein Engagement in der Kommunalpolitik ist der 78-Jährige jetzt mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette ausgezeichnet worden. Dabei hat sich Beisel nie als Politiker begriffen.

Fritz Beisel ist niemand, der große Reden schwingt. Schon gar nicht, um sich selbst zu loben. Dementsprechend kurz und bescheiden ist so auch seine Antwort auf die Frage, was es ihm bedeutet, mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes ausgezeichnet worden zu sein: „Vielleicht ist meine Arbeit anerkannt worden“, meint er. Der Arbeit, für die er die Ehrung erhielt – also jene in der Kommunalpolitik –, ist Fritz Beisel 40 Jahre lang nachgegangen: angefangen von der ersten Wahl in den Lingenfelder Ortsgemeinderat 1979 für die Freien Wähler, über das Mandat im Verbandsgemeinderat, das er 33 Jahre lang innehatte, bis hin zur langjährigen Funktion als Verbands- und Ortsgemeinde-Beigeordneter. Letzteres war Beisel 35 Jahre lang bis zur Kommunalwahl in diesem Jahr. Vor allem mit dem Thema Bauen hatte der gebürtige Schwegenheimer dabei zu tun: „Jedes Gebäude, jede Straße der Ortsgemeinde Lingenfeld trägt die Handschrift von Fritz Beisel“, hatte Ortsbürgermeister Erwin Leuthner (CDU) in seiner letzten Ratssitzung, in der er Beisel verabschiedete, über den 78-Jährigen gesagt.

Jeden Tag im Rathaus

Das Beigeordnetenamt war für Beisel – insbesondere nach dem Ende seiner Berufslaufbahn als Chemielaborant bei der BASF – stets mehr als eine Tätigkeit, die man nebenbei erledigt. „Ich bin jeden Tag drei, vier Stunden im Rathaus gewesen“, erzählt er. Dazu seien noch zahllose Ortstermine auf Baustellen oder Rats- und Ausschusssitzungen gekommen. „Als Last habe ich es nie empfunden“, sagt Fritz Beisel. Im Gegenteil: „Wenn man eine Aufgabe hat, ist es besser, als wenn man in den Tag hineinlebt. Und man hat auch geistig etwas zu tun“, findet der Lingenfelder.

Dabei hat sich Fritz Beisel nie als Politiker empfunden. „Ich habe nie nach der Partei gefragt“, sagt er. Dieser Pragmatismus war es, der ihn zu den Freien Wählern geführt hat. Das Klima im Ortsgemeinderat sei stets kooperativ gewesen. Streitereien, wie sie in seiner Heimatgemeinde Schwegenheim in den vergangenen Jahren öfter vorkamen, habe es nicht gegeben. „So etwas hätte ich auch nicht mitgemacht. Das ist nicht mein Stil“, sagt Beisel. Mittlerweile sei die Eintracht auch in Lingenfeld auf dem Rückzug. „Durch den Einzug der Grünen in den Rat ist ein bisschen Unruhe reingekommen“, hat Beisel beobachtet.

Kampf mit der Bürokratie

Vier Baugebiete seien in seiner Zeit als Beigeordneter entwickelt worden, zählt Beisel auf, der selbst 1971 in der Schubertstraße gebaut hat, weil seine Frau aus Lingenfeld stammt. Zudem seien in etlichen Straßen neue Kanalrohre oder Stromleitungen verlegt worden. Mit Ende 70 habe er nun die Aufgabe in andere Hände geben wollen, sagt er. Sein Nachfolger ist Timo Freund. Manches hat Beisel in den vergangenen Jahren auch zunehmend gestört. „Die Bürokratie ist immer schlimmer geworden. Niemand traut sich mehr, etwas direkt zu entscheiden“, beklagt er. Manche Themen zögen sich so jahrelang hin. So hätte Beisel gerne noch als Beigeordneter die Ansiedlung eines Lebensmittelmarkts auf dem ehemaligen Penny-Gelände gesehen. Doch das rücke erst in greifbare Nähe, wenn ein Einzelhandelskonzept stehe. Und dann müssten ja noch die Nachbargemeinden zustimmen ...

Mit diesen Kämpfen muss sich der 78-Jährige nun nicht mehr auseinandersetzen. Die Umstellung auf das „echte“ Rentnerleben fällt dem dreifachen Vater dabei noch schwer. „Das ist noch ein Problem“, gesteht er. „Zweimal in der Woche gehe ich ins Sportstudio“, berichtet Beisel. Auch dem Singen im Männergesangverein widmet er sich weiterhin. Weitere Hobbys muss er sich erst noch suchen: „Dadurch dass ich in der Kommunalpolitik so aktiv war, habe ich vielleicht manches vernachlässigt“, meint Beisel rückblickend. „Aber ich war schon immer der Meinung: Wenn man etwas macht, dann soll man es zu hundert Prozent machen.“

Zur Person: Peter Goldschmidt

Die zweite Person aus dem Speyerer Umland, die in diesem Jahr mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette geehrt wurde, ist der ehemalige Schwegenheimer Ortsbürgermeister Peter Goldschmidt (SPD). 20 Jahre lang, bis zu den diesjährigen Kommunalwahlen, hat er die Geschicke des Orts gelenkt. Kommunalpolitisch war er von 1989 bis 2019 engagiert – zunächst im Ortsgemeinde-, dann auch im Verbandsgemeinderat.

„Die Auszeichnung mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette bedeutet mir viel“, sagt der 72-Jährige. „Das ist eine Würdigung meiner Arbeit. Auch wenn es politisch nicht immer ruhig war, habe ich meine Arbeit im Sinne der Bürger gemacht.“ Stolz ist Goldschmidt unter anderem auf die Einkaufsmärkte, die sich in Schwegenheim angesiedelt haben – zuletzt der DM-Drogeriemarkt, der am Samstag eröffnet hat. Aus der Kommunalpolitik habe er sich total zurückgezogen, berichtet Goldschmidt. Nur im Stiftungsbeirat der Bürgerstiftung sei er noch aktiv.

Seine neu gewonnene Freizeit verbringe er mit der Familie – Goldschmidt ist verheiratet, hat eine Tochter und zwei Enkelinnen. Außerdem seien in den vergangenen Jahren anstehen Arbeiten in Haus und Garten liegengeblieben. Und dann gibt es da noch das Ferienappartement in Spanien, in dem die Goldschmidts im September und Oktober sechs Wochen verbracht haben und das bald wieder angesteuert werden soll.

Peter Goldschmidt.
Peter Goldschmidt. Foto: Innenministerium RLP
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