Speyer Letzter Ritt nach 30 Jahren

Der scheidende und der neue St. Martin: Michael Kuhnlein (rechts) und seine Nachfolgerin Selina Joos.
Der scheidende und der neue St. Martin: Michael Kuhnlein (rechts) und seine Nachfolgerin Selina Joos.

Laternen im Feuerschein, hoch zu Ross der Heilige Martin: Am 11. November wird seit Jahrzehnten in Speyer das St.-Martinsfest gefeiert. Der 1960 gegründete Verein der Freunde des Martinszugs sorgt dafür, dass die Botschaft von Teilen und Nächstenliebe nicht in Vergessenheit gerät. Am Sonntag war es wieder soweit.

Auf dem Fischmarkt warten Kinder und Erwachsene auf das Eintreffen der Reiter und Pferde, die den Zug zum Heidentürmchen anführen. Rechtsanwalt Alfred Bolz schenkt vor seiner Kanzlei mit Ehefrau Ingrid, Ursula und Manfred Ruhl sowie Paul Zinser Glühwein für kleines Geld und kostenlosen Kinderpunsch aus. Dazu gibt es Stollen, auch umsonst. Clemens Kühner, vierfacher Familienvater, repariert die Laterne seines Siebenjährigen mit Klebestreifen, die Bolz zur Verfügung stellt. Er sei schon als Kind hinter St. Martin gelaufen, erzählt Kühner. „Es dreht sich um die Botschaft“, betont er. „Bei vier Kindern ist Teilen täglich Thema.“ Gegenüber versammeln sich immer mehr Instrumentalisten des Musikvereins Berghausen. Seit 1970 spielten sie die Martinslieder in Speyer, erzählt Vorsitzender Helmut Kögel. Es freue ihn, dass immer genügend Musikanten dabei seien, es wundere ihn aber nicht. „Die Speyerer Kulisse ist einzigartig.“ Das empfindet auch Zugführer Simon Dennhardt so. „Läuft“, weist er kurz vor dem Start auf ordnungsgemäßen Ablauf hin. Mitglieder des Technischen Hilfswerks, des Deutschen Roten Kreuzes, von Feuerwehr und Polizei unterstützten wie immer großartig, betont Dennhardt. „Am Heidentürmchen haben wir heute Mittag schon aufgebaut“, berichtet er von Vorbereitungen für den Höhepunkt des Martinstages. Rund 25 Freunde des Martinszugs sind nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Günther Fleischmann als Schauspieler, Ordner und für den Ausschank eingesetzt. Zahlreiche Kinder warten mit selbst gebastelten Laternen an der Zugstrecke auf Reiter und Chorgesang. „Ich geh` mit meiner Laterne“ singen sie mit und schließen sich der wachsenden Gruppe an. Noch ist das Feuer vor dem Heidentürmchen nicht entzündet. Nadine Fleischmann begrüßt Mitwirkende sowie Besucher und erzählt die Legende, die den Heiligen Martin umgibt. Zum letzten Mal reitet Michael Kuhnlein in dieser Rolle durch akustisch eindrucksvoll erzeugten Schneesturm zum Bettler und teilt den Mantel mit ihm. „Sankt Martin“, spielt der MV Berghausen. Vor lauter Begeisterung knöpfen die Umstehenden trotz des milden Herbstwetters ihre Jacken zu. Kuhnlein und seine Nachfolgerin Selina Joos lassen sich mit Kindern und Pferden fotografieren. Dem scheidenden Heiligen Martin spenden Tausende Beifall für 30 Jahre Einsatz in Speyer. Fleischmann schätzt weit mehr als 3500 Teilnehmer am Umzug. „Mehr als seit vielen Jahren“. Die Serie Für diese Serie, eine Momentaufnahme aus dem Alltag, sind wir jede Woche gezielt in der Stadt unterwegs.

Auf zum Heidetürmchen: Rund 3500 Teilnehmer zählten die Veranstalter des Martinsumzugs.
Auf zum Heidetürmchen: Rund 3500 Teilnehmer zählten die Veranstalter des Martinsumzugs.
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