Speyer Lesung mit Thomas Melle

Thomas Melle liest am 19. Februar bei Speyer.Lit.
Thomas Melle liest am 19. Februar bei Speyer.Lit.

In einer Veranstaltung der Mack-Stiftung und des Bündnisses gegen Depression Vorderpfalz liest im Alten Stadtsaal bei Speyer.Lit Thomas Melle aus „Haus zur Sonne“.

Nach dem weltweit beachteten Buch „Die Welt im Rücken“, in dem er seine Bipolarität literarisch brillant verarbeitet hat, liegt von Thomas Melle nun ein Roman vor, der die Grenzbereiche zwischen Autobiografie und Fiktion sowie zwischen Sehnsucht, Depression und schließlich zwischen Leben und Tod weiter auslotet.

Wie viel Selbstbestimmung bleibt, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit gelenkt wird? Wonach sehnt sich jemand, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte das letzte Glück aussehen? Willkommen im „Haus zur Sonne“, einer Institution, die zugleich Wunscherfüllungsmaschine und Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen begeben sich in diese staatlich finanzierte Klinik, um jeden erdenklichen Wunsch erfüllt zu sehen und dann – ohne großes Aufsehen – aus dem Leben zu scheiden. Doch will der, der nicht mehr leben will, wirklich sterben? Thomas Melle erforscht unsere Sehnsüchte und Todeshaftungen und liefert eine schonungslose Skizze der conditio humana.

Vielfach ausgezeichnet

Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin/Texas und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte unter anderem Quentin Tarantino ins Deutsche. Sein Debütroman „Sickster“ (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman „3000 Euro“, 2016 „Die Welt im Rücken“, die beide auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis standen. „Die Welt im Rücken“ wurde zudem in 22 Sprachen übersetzt. Thomas Melle lebt in Berlin.

In der Buch-Beilage der RHEINPFALZ zur Frankfurter Buchmesse hat im vergangenen Herbst unser Kulturredakteur und -reporter Markus Clauer das Buch von Thomas Melle gelesen und rezensiert.

Er schreibt: „,Dickflüssig wie Honig, der sich dann verhärtet zu einer Art Harz, in den Adern, den Nerven, bis wieder die totale Lähmung eintritt’. Atemnot in absoluter Todesnähe, so beschreibt der namenlose Erzähler in Thomas Melles ,Haus zur Sonne’ die Depression, die auf ihm lastet, ein Kollaps der Neuronen, ein ,jahrelanges Warten auf nichts’ bei zugezogenen Vorhängen. Der Anfang vom Ende einer schier endlosen Manie.

,Ich habe mich in eine Fiktion verpflanzt’

,Alle Freundschaften weg, das Geld verloren, der Ruf ruiniert. Melle weiß sehr genau, von was er da spricht. Wie sein ,Held’ ist der im März 50 Jahre alt gewordene Dramatiker, Schriftsteller und Übersetzter bipolar. Eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die ihn mehrfach schon aus der Fassung und in die Psychiatrie gebracht hat – und die seine jüngste Literatur bestimmt. ,Ich habe mich in eine Fiktion verpflanzt’, sagte er vor kurzem im ,Spiegel’ zu seiner Autorenrolle in seinem neuen Roman, es ,sollte nicht so unseriös schillern, was ist echt, was nicht, nein das bin ich.’ Ist es also Melle selbst, der wie der Erzähler nur noch sterben will?

Es ist bedrückend. Es ist sehr schwierig. Auch eine Art lesender Voyeurismus. ,Die Leute lieben Schicksale wie das meine, wenn sie aufbereitet und zu Literatur geworden sind, zu Kunst, zu Geschichte hinter Glas gesetzt; mit dem wirklichen Geschehen will, verständlicherweise, niemand etwas zu tun haben’, heißt es dazu in dem oben zitierten Interview. Melle hat das alles gerade schon wieder hinter sich.“

Viele Fragen

Markus Clauer resümiert am Ende seines Beitrags zu Melles Buch: „Zum Schluss bleiben viele Fragen, wenn der Held, ,ein Kind im Dunkeln’ eigentlich, einem hellen, ungewissen Horizont entgegenrennt. Fast notgedrungen stellt sie sich der Leser am Ende selbst. Ein existenzieller Roman, entlang des Abgrunds geschrieben, der sich auftut – kann sein, vielleicht sogar vor uns allen.“

Termin

Die Lesung ist am 19. Februar um 19.30 Uhr im Alten Stadtsaal. Karten sind bei der Tourist-Information Speyer, der Buchhandlung Fröhlich – Ihr Spei’rer Buchladen, an allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie online unter www.reservix.de erhältlich.

Lesezeichen

Thomas Melle: „Haus zur Sonne“; Roman; Kiepenheuer & Witsch, Köln; 315 Seiten, 24 Euro.

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