Speyer Lebenswerk auf vier Pfeilern

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„Aus Schatten und Bildern zur Wahrheit“: Unter diesem Titel erinnert die Städtische Galerie Speyer ab heute an Josef Doerr. Anlass der Retrospektive im Kulturhof Flachsgasse ist der 100. Geburtstag des vor 15 Jahren gestorbenen Speyerer Malers. Deshalb gibt es zu dieser Ausstellung auch keine Vernissage, sondern eine „Midissage“ an Doerrs Ehrentag, dem 2. Mai.

„Es ist eine stille, eher introvertierte Botschaft, die sich aus Josef Doerrs Oeuvre ergibt“, formulierte der frühere baden-württembergische Ministerialdirigent und Schriftsteller Manfred Zach 1989 in einer Festschrift des Speyerer Kunstvereins zum 75. Geburtstag des Malers. Dessen Botschaft erfordere mehr innere Sammlung und geistige Aufgeschlossenheit, als vielen Menschen in der heutigen informationsüberfluteten Zeit zur Verfügung stünden, so Zach weiter. Aber allein die Tatsache, dass es sie gebe, sie immer wieder gesehen und empfunden werde, habe etwas Erhabenes und Tröstliches. Die Ausstellungsmacher räumen Zachs Worten besonderen Stellenwert ein – und das ist gut so. Anderenfalls ginge Doerrs „stille, eher introvertierte Botschaft“ womöglich im zu erwartenden Trubel der Messe „Wein am Dom“ unter, zu deren Schauplätzen der Kulturhof ab morgen zählt. Das wäre schade, soll aber durch die Idee mit der „Midissage“ vermieden werden. Farbe, Form, Musik und Religion gelten als die vier Pfeiler von Doerrs künstlerischem Schaffen. Damit begonnen hatte er erst im Alter von 34 Jahren – einen Tag nach der Lektüre eines Artikels über Vincent van Gogh im Magazin „Reader’s Digest“. Gegenständlichkeit und Abstraktion gehen im Werk des Speyerers ohne nennenswerte Brüche ineinander über. Dem liegt eine Überzeugung zugrunde, die der Künstler selbst so ausgedrückt hatte: „Alles in der Natur tendiert zum Runden hin. Und ich kann nun einmal nur aus der Natur schöpfen.“ Schließlich sei doch der rechte Winkel nichts weiter als ein Zivilisationsprodukt.

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