Speyer Lebenslust im Altersheim

Dudenhofen. Die Pflegeheime in Speyer und Umland haben große soziale, medizinische und auch wirtschaftliche Bedeutung. Menschen kümmern sich um Menschen – und die werden in dieser Serie vorgestellt. Die RHEINPFALZ besucht in den Einrichtungen tragende Säulen aus verschiedenen Bereichen. Heute in der Senioren-Residenz Sankt Sebastian in Dudenhofen.
(59), Demenzbegleiterin: „Das ist was für mich. Vor sieben Jahren ist mir das klar geworden. Besonders die Freude der Bewohner an kleinen Dingen bedeutet mir viel. Ein vertrauensvolles Verhältnis mit Angehörigen, Senioren und Kollegen ist wichtig. In der Senioren-Residenz habe ich das alles gefunden. Deshalb will ich bleiben.“ Sonja Laubenstein (52), Hauswirtschafterin: „Fast von Anfang an arbeite ich im Haus. Würde es mir nicht gefallen, wäre ich nicht mehr hier. Aber so viel Zuneigung wie von unseren Senioren bekommt man in keinem anderen Beruf zurück. Wenn einer von ihnen gar nicht mehr kann, bin ich jedes Mal sehr traurig. Den Verfall der Bewohner mit anzusehen, ist nicht einfach. In den Wohnbereichen versuchen wir, unseren Bewohnern so viel Eigenständigkeit wie möglich zu lassen. Nur dem, der nicht mehr alleine essen kann, helfe ich. Mir sind die Senioren ans Herz gewachsen.“ Dieter Stein (57), Haustechniker: „Ich habe die Senioren-Residenz aufgeschlossen. Vom ersten Tag an bin ich für Instandhaltung zuständig und im Notfall immer da. In der Residenz bin ich öfter als bei meiner eigenen Frau. Das Haus ist für mich das zweite Zuhause. Wenn ich montagmorgens zur Tür hereinkomme, freue mich immer, die Kollegen endlich wieder zu sehen. Viele Bewohner wollen von mir Neuigkeiten aus dem Dorf erfahren. Ich bin so eine Art Zeitung im Heim.“ Thomas Metzger (47), Küchenleiter: „Ich sorge für das leibliche Wohl der 83 Bewohner. Und das seit fünfeinhalb Jahren. Bis zu 20 Gäste kommen zum Mittagessen in die Senioren-Residenz. Hinzu kommen 240 Schulessen für die Verbandsgemeinde aus meiner Küche. Meine Tochter isst auch, was ich koche. Weder sie noch die Senioren haben sich bisher beschwert. Auf dem Speiseplan steht bürgerliche Küche, die allen schmeckt. Auch den Kollegen. Renner sind Kartoffelsalat mit Fisch und Tafelspitz. Es ist wie zu Hause, nur mehr. Gekocht wird im Keller. Da möchte ich möglichst bis zur Rente hinter dem Herd stehen.“ Julia Schütz (52), Sozialbetreuerin: „Auch ich arbeite hier von Anfang an. Zuerst als Pflege-Aushilfe. Seit 13 Jahren bin ich für die Sozialbetreuung zuständig. Dazu gehören Veranstaltungen wie Tanz, Konzerte, Filmvorführungen, Ausflüge, Kunstausstellungen, Feiern und Gottesdienste. Viele Bewohner waren früher in der Landwirtschaft tätig. Deshalb besuchen sie Märkte besonders gerne. Für mich ist die familiäre Atmosphäre in dem vergleichsweise kleinen Haus ideal. Die Arbeit ist sehr vielfältig. Die meisten Bewohner und Mitarbeiter treffen hier auf alte Bekannte. Der gute Kontakt mit Schulen und Vereinen ist ein Glücksfall. Inzwischen lebt auch meine Mutter hier. Ich bin sicher: Auch ich werde hier alt.“ Dimitri Krüger (30), Pflegefachkraft: „Nach meinem Praktikum vor gut acht Jahren in der Senioren-Residenz wusste ich: Hier will ich hin. Inzwischen bin ich Wohnbereichsleiter und zuständig für Planung, Abläufe und Dokumentation. Das gute Betriebsklima motiviert mich bis heute. Die Bewohner erzählen viel von früher. Manches ist traurig, manches lustig. Ich erfahre viel über Dudenhofen, meine Heimat. Hier zu arbeiten ist mehr als nur ein Job.“ Lieselotte Gößling (83), Bewohnerin: „Weil etwa 75 der 83 Bewohner weiblich sind, bin ich zur Frauenbeauftragten ernannt worden. Bisher hat sich nur ein Mann an mich gewandt. Er wollte wissen, warum es keinen Männerbeauftragten gibt. Vor eineinhalb Jahren bin ich in die Senioren-Residenz gezogen. Ich fühle mich in meinem Einzelzimmer, umgeben von eigenen Möbeln, sehr wohl und gut aufgehoben. Die Atmosphäre ist schön, die Tage sind abwechslungsreich.“ Peter Häusler (71), Bewohnerbeirat: „Ich bin hierher gekommen, als meine Mutter 2009 in die Senioren-Residenz gezogen ist. Eigentlich bin ich für Bewohner-Beschwerden zuständig. Aber bisher gab es noch keine. Ich meide zu persönliche Bindungen zu den Bewohnern. Sonst fällt der Abschied zu schwer. Aber meinen Optimismus gebe ich weiter. Mein Ehrenamt erfüllt mich voll und ganz. Heute denke ich, dass mir das auch schon in jüngeren Jahren viel Spaß gemacht hätte.“ Herbert Vollmer (83), Ehrenamtlicher: „Den Anfang leichter machen, Trennungsschmerz lindern, Kontakt herstellen, Freude bereiten: Dafür bin ich 2006 mit der offenen Selbsthilfegruppe angetreten. Fast täglich kümmere ich mich um die Bewohner, die zum Teil viel jünger sind als ich selbst. Das Ehrenamt hält mich wahrscheinlich fit. Wenn die Bewohner Spaß haben, tut mir das auch gut. Natürlich würde ich auch selbst hier einziehen. Aber bis dahin sorge ich für Lebenslust im Altersheim.“