Speyer Lebensaufgabe und neues Hobby
Als Manfred Ball (81) mit dem Musizieren begann, waren Walzer und Marsch die Hauptstücke. Die gibt es heute immer noch beim Musikverein (MV) Berghausen 1925/58. Deutlich zugenommen hat die Anzahl moderner Melodien. Das gefällt Esther Nett (13). Beide sind beispielhaft für viele Generationen, die mit Leidenschaft ihrem Hobby nachgehen. 2018 wird der MV 60 Jahre. Gefeiert wird mit einem Open-Air-Konzert am morgigen Samstag.
Ball ist ein Mitglied der ersten Stunde. „Kurz nach dem Gründungstag bin ich eingetreten“, erzählt er. Initiator des Vereins war 1926 Albert Zimpelmann gewesen. Mit Musik war es damals noch nicht so weit her bei Ball. „Erst war ich passives Mitglied, dann habe ich irgendwann angefangen, ein Instrument zu lernen“, berichtet Ball. Die Tuba war das gewesen. Die Posaune ist es auf Dauer geworden. „Das Instrument wurde gebraucht“, begründet er den Umstieg. Esther Nett kam durch ihre Mutter zur Querflöte – die Trompete, die der Vater im MV bläst, zog nicht so. Unterrichtet wird Nett von Flötistin Regina Kaufmann. „Im vergangenen Jahr habe ich beim Musikverein angefangen“, sagt sie. Die Jüngste in der Gruppe zu sein, das sei „schon komisch“, gibt Nett zu. Probleme mache das aber nicht. Für Manfred Ball steht fest: „Es ist wichtig, dass es den Nachwuchs gibt, und wir sind gerade aktiv dabei, die Jungen zu integrieren.“ Früher, ergänzt er, seien die Musiker für die Kapelle vom Verein selbst ausgebildet worden. Heute übernehme das die Kreismusikschule. Ball ist nicht nur im Ensemble ein Urgestein. Er war Kassier des Vereins, stellvertretender Vorsitzender und zehn Jahre lang Vorsitzender. „Jetzt bin ich Ehrenvorsitzender“, sagt Ball. Stolz ist er auf eine Leistung, die nicht allzu lange zurück liegt. „Die Musikerdecke ist mein Werk“, stellt er fest und richtet die Augen im Musikheim nach oben. Das Gebäude hat der Verein vom Rauch- und Schießclub übernommen und renoviert. Daran erinnert sich Esther Nett nicht mehr. Für sie ist das Heim ein Platz, an dem sie Spaß beim gemeinsamen Musizieren mit den anderen haben kann, familiäre Atmosphäre eingeschlossen. Zugegebenermaßen: Es gibt Stücke, die der Schülerin des Edith-Stein-Gymnasiums in Speyer nicht so gut ins Ohr gehen. „Zuhause höre ich komplett andere Musik“, verrät Nett. Trotzdem macht ihr es Freude, aktives MV-Mitglied zu sein. Manfred Ball sagt, er spiele fast alle Stücke gerne. Der Verein, der früher ein Streich- und ein Blasorchester unterhielt, hat schon immer positiv von sich reden gemacht. „Wir haben 20 Jahre im Dom bei Fronleichnam oder an Himmelfahrt gespielt – bis in die 1990er Jahre“, blickt Manfred Ball zurück. Heute noch bestreitet die Kapelle kirchliche Einsätze, zum Beispiel bei der Wallfahrt nach Waghäusel. Esther Nett freut sich auf die Auftritte mit ihren Musikerkollegen, denen Dirigent Werner Spranz Bestleistungen entlockt. Was die Zukunft des Vereins angeht, ist Ball optimistisch: „Es gibt immer ein Auf und Ab, aber man muss sich an der Zeit orientieren.“ Optimismus bescheren ihm seine Enkel: Fünf von sechs machen Musik. Was Ball der MVB bedeutet, sagt er ganz deutlich: „Das war meine Lebensaufgabe.“ Und sie ist es bis ins hohe Alter geblieben. Das Konzert Anlässlich des 60-jährigen Bestehens lädt der Musikverein Berghausen für morgen, Samstag, zum Konzert ein. Um 18.30 Uhr startet ein musikalischer Zug von der katholischen Kirche St. Pankratius zum Vereinsgelände in der Hohl. Begleitet werden die Musiker vom Fanfarenzug Weiher, der auch den Auftakt des Open-Air-Konzerts um 19 Uhr bestreitet. Danach gibt es zunächst konzertant-klassische Klänge und Filmmusik, bevor moderne Melodien erklingen. Der Eintritt ist frei, für Spenden ist der MV Berghausen dankbar.