Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Langjährige Stadträtin wird 103: „Die vergessen mich nicht“

Vor wenigen Wochen als damals noch 102-Jährige mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer: Margarete Boiselle-Vogler.
Vor wenigen Wochen als damals noch 102-Jährige mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer: Margarete Boiselle-Vogler.

Die Frau ist ein Phänomen. Auch kurz vor ihrem 103. Geburtstag ist Ex-Stadträtin und Unternehmerin Margarete Boiselle-Vogler bestens informiert – vor allem über „ihr“ Speyer.

Margarete Boiselle-Vogler war gerade mit Tochter Gabriele in der Stadt, bevor sie zum Telefonat mit der RHEINPFALZ bereitsteht. Die Hitze der vergangenen Woche? Kein Problem: „Bin ich gewöhnt, ich war immer draußen.“ Sie hätten ein neues Lesegerät angeschafft, damit die Mutter weiterhin die Tageszeitung lesen kann, erzählen die Frauen. „Ich will mich über die örtlichen Gegebenheiten informieren“, betont Boiselle-Vogler. Sie ist aktiv, geistig rege, gut gekleidet wie eh und je und freut sich auf ihren 103. Geburtstag am Donnerstag. Eine Bitte der Familie: auf Besuche zum Ehrentag zu verzichten. Die langjährige Stammtisch-Schwester Boiselle-Vogler kennt Gott und die Welt, da könne der Trubel schnell zu viel für sie werden. Briefe und Anrufe seien besser.

Die Speyererin wurde 1922 als Tochter eines Landwirts und Kiesfabrikanten geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm sie als 26-Jährige das Kieswerk Vogler. Es würde 2025 sein 100-jähriges Bestehen feiern, wenn es nicht vor drei Jahren geschlossen worden wäre. „Mangels neuem Gelände zur Auskiesung“, erklärt Boiselle-Vogler, die bis zuletzt als Geschäftsführerin tätig war. „Ich denke mit Stolz daran, was ich geleistet habe“, sagt sie über ihr arbeitsreiches Leben und bezieht das auch auf ihre Zeit als Kommunalpolitikerin. Von 1964 bis 2014 gehörte sie dem Stadtrat an. Sie nennt den Verdienstorden des Landes, eine Würdigung der SPD für 70 Jahre Mitgliedschaft und viele weitere Auszeichnungen ihr Eigen.

Zweitälteste Speyererin

„Ich war in so vielen Vereinen aktiv, die vergessen mich nicht“, sagt die Jubilarin, die inzwischen die zweitälteste Speyererin ist – zwei weitere Frauen sind 1922 geboren, eine davon vier Monate vor ihr. „Ich bin nirgends ausgetreten, überall dabei geblieben.“ Der TC Weiss-Rot Speyer hat die begeisterte Sportlerin im vergangenen Jahr mit der Taufe eines Tennisplatzes auf ihren Namen geehrt. Im Frühjahr 2025 hat sie sich als Ehrengast bei einem Empfang ihrer Partei mit dem neuen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (SPD) unterhalten. „Ich bin körperlich und geistig anwesend“, sagt sie. Eines ist ihr im RHEINPFALZ-Gespräch sehr wichtig: „Ich wünsche meiner Stadt alles Gute.“

Boiselle-Vogler ist stolz darauf, wie sich Speyer entwickelt hat und dass sie vieles politisch mitentscheiden durfte. Sie macht keinen Hehl daraus, dass Weichenstellungen in früheren Zeiten einfacher gewesen seien. Heute sitzen nach ihrem Empfinden zu viele Gruppierungen im Stadtrat: „Ich finde nicht gut, wie viele das inzwischen sind.“ Neun Fraktionen? „Da kann nichts Gescheites dabei herauskommen.“ Auch die Bundestagswahl im Februar hat die Jahrhundert-Frau kritisch beobachtet. Natürlich war sie nicht zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Sozialdemokraten, aber auch nicht verwundert, wie Tochter Gabriele, die renommierte Pferdefotografin, verrät: „Selbst schuld“, habe ihre Mutter geurteilt und auf die Probleme der Ampelregierung verwiesen. Entsetzt habe sie zuletzt, dass Friedrich Merz bei der Kanzlerwahl im ersten Wahlgang keine Mehrheit seiner CDU/SPD-Koalition erhielt.

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