Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Langjährige Kinderärzte: „Einzelkämpfer wie wir sterben aus“

In ihren neuen Räumen: die Kinderärzte (von links) Naim Khabirpour, Teresina Steiger, Furi Khabirpour und Michael Dünkel.
In ihren neuen Räumen: die Kinderärzte (von links) Naim Khabirpour, Teresina Steiger, Furi Khabirpour und Michael Dünkel.

Die Kinderärzte Teresina Steiger, Michael Dünckel sowie Furi und Naim Khabirpour haben in Speyer den Standort gewechselt. Ellen Korelus-Bruder hat sie zu den Auswirkungen befragt.

Herr Khabirpour, acht Behandlungsräume, 300 Quadratmeter in direkter Nachbarschaft zum Feuerbachpark: Geht noch mehr nach Ihrem Umzug von Speyer-Nord nach -Süd?
Furi Khabirpour: Wahrscheinlich nicht. Wir sind wirklich sehr froh an der neuen Adresse Diakonissenstraße 29.

Keine Abschiedstränen beim Umzug am 1. April?
Doch. Wie gerne wären wir im Weißdornweg 6 geblieben, wo ich die Praxis 1993 eröffnet habe. Dr. Dünckel ist zwei Jahre später eingestiegen. Allerdings hat mir die Kassenärztliche Vereinigung damals davon abgeraten, nach Speyer-Nord zu gehen. Grund: Da gebe es zu wenig Patienten.

Und?
Das Gegenteil war schon vor 32 Jahren der Fall. Es gab kleine Siedler, aus Russland, Türkei, später aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern, die medizinisch betreut werden mussten. Zudem war es mir wichtig, Kinderarzt im Brennpunkt-Stadtteil zu sein. Im Laufe der Zeit wuchs das Einzugsgebiet auf ganz Speyer und Umland bis ins Badische an. Die Patientenzahl hat sich inzwischen verdoppelt. Mittlerweile bringen frühere Patienten ihre eigenen Kinder zu uns.

Warum dann der Umzug?
Wir mussten uns zu viert 180 Quadratmeter teilen. Nach dem plötzlichen Tod des Kollegen Wolf-Dieter Apitz kamen noch mehr Patienten hinzu, die versorgt werden mussten.

Dünckel: Wir waren auf Kante genäht. Wenn ich an die jüngste Grippewelle denke: Das war schlimm.

Naim Khabirpour: Wir konnten so nicht weitermachen. Wären wir geblieben, hätten wir Patientenstopp einführen müssen, was wir wirklich niemals machen wollen.

Haben Sie nach Alternativen in Speyer-Nord gesucht?
Steiger: Ja, schon 2023 haben wir deshalb Kontakt mit der Stadt aufgenommen. Ein konkreter Plan, auf dem Gelände der Kita Regenbogen im Ginsterweg nach deren Umzug in den Kastanienweg zu bauen, wurde uns leider abgesagt. Als uns die Räume in der Diakonissenstraße in Süd angeboten wurden, haben wir gekauft, umgebaut und Wände eingezogen. Der Abschied aus der Siedlung ist uns allen schwergefallen, aber inzwischen sind wir und unsere Patienten gut im neuen Haus angekommen. Wir wissen nun: Entscheidend ist für uns und unsere Patienten unser Zusammenhalt im Team, der Ort spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Also haben Sie schon lange über einen neuen Standort nachgedacht?
Dünckel: Vor allem denken wir über Nachfolge nach. Noch sind wir da, aber nicht ewig. Mit der Praxis soll es gut weitergehen, wenn wir beiden Alten uns zurückziehen. Derzeit arbeiten wir weniger, die jungen Kollegen sind in Vollzeit beschäftigt.

Der Generationenwechsel klappt gut?
Furi Khabirpour: Absolut. Die Jungen bringen neue Dynamik mit, wir stehen mit unserer Erfahrung dabei.

Naim Khabirpour: Es ist sehr wertvoll, von der Erfahrung zu lernen.

Wie steht es um die Zukunft von Kinderarztpraxen?
Dünckel: Die Tendenz geht eindeutig zu Zentren. Einzelkämpfer wie wir sterben nach und nach aus. Junge Kollegen wollen Sicherheit, die sie in einer Anstellung finden. Dabei ist die Angst vor dem Risiko Niederlassung und damit Selbständigkeit unbegründet. Von Insolvenzen hört man nichts.

Aber bei Ihnen bleibt der Kinderarzt-Besuch so wie seit gut 30 Jahren ...
Naim Khabirpour: Ja. Dafür planen wir schon jetzt einen geordneten Generationenwechsel, der jedem Kind eine fachärztliche Betreuung ermöglicht. Speyer befindet sich mit zwei Kinderarztpraxen ohnehin in einer glücklichen Lage. Wir wollen alles daran setzen, dass es so bleibt. Denn wir lieben unseren Beruf und auch den neuen Standort.

Zur Person

Dr. Teresina Steiger (44), Dr. Michael Dünckel (67), Dr. Furi Khabirpour (70) und Dr. Naim Khabirpour (37) sind Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin in gemeinsamer Praxis in Speyer.

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag, 8 bis 18 Uhr, Freitag, 8 bis 15 Uhr.

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