Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Landtagswahl: Ansgar Parzich will mehr Grün und hat ein „Herzensthema“

Herzensthema Ehrenamt: Grünen-Landtagskandidat Ansgar Parzich.
Herzensthema Ehrenamt: Grünen-Landtagskandidat Ansgar Parzich.

Ansgar Parzich will für die Grünen in den Landtag einziehen. Er setzt auf Haustürgespräche, Firmenbesuche und klare Prioritäten.

„Ich bin von Herzen progessiv“, sagt Ansgar Parzich. Seit 2019 ist der 28-Jährige Mitglied der Grünen und inzwischen vielfältig engagiert: Er war schon Vorstandsmitglied im Speyerer Kreisverband, Mitglied im städtischen Werkausschuss und sitzt aktuell im Sportausschuss. Jetzt will er als Direktkandidat in den Landtag. Vor rund einem Monat haben Parzich und die grünen Kollegen ihren Haustürwahlkampf begonnen. „Das macht sehr viel Spaß“, erzählt der Kandidat. Negative Erfahrungen habe er bisher nicht machen müssen, die Menschen reagierten freundlich. Das ist eine Seite des Wahlkampfs, die in den kommenden Wochen intensiviert werde.

Aber nicht die einzige. Mit der grünen Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft will Ansgar Parzich mehrere Unternehmen besuchen: Der Martinshof in Dudenhofen oder Haltermann Carless standen schon auf der Liste. Was er an Eindrücken mitnimmt, teilt er seinen Followern auf Social Media mit. Seine „Learnings“ beim Martinshof: Wirtschaftlichkeit ist entscheidend, Direktvermarktung ist eine Chance, Bürokratie bleibt eine Herausforderung.

„Gesicht und Botschafter“

„Ich bin Gesicht und Botschafter“, sagt Parzich über seine Rolle im grünen Wahlkampf. Er nennt drei Themen, für die er sich stark machen will. Da wären erstens Klimaschutz und Klimaresilienz. Das bietet ihm einen großen Anknüpfungspunkt an seine Heimat Speyer, in der er mit Ausnahme von vier Jahren Studium durchgängig und sehr gern lebt: „Die recht hohe Flächenversiegelung ist das einzige, was mich hier stört.“ Es fehle an flächendeckender Begrünung und an Aufenthaltsräumen. „Davon sind wir weit entfernt“, findet der Grüne. „Wir wollen auch in 20 Jahren hier noch gut leben können“, ergänzt er. „Wir müssen unsere Gemeinden zu Parks machen“, hat Parzich plakativ auf dem grünen Neujahrsempfang gesagt. Ebenso wichtig sei der Ausbau der Erneuerbaren Energien, mit dem auch der Gewerbesteuerkasse etwas Gutes getan werden könne.

Der grüne Direktkandidat weiß: Klimaschutz geht nicht allein in Speyer und Mainz, aber eben auch nicht ohne Kommune und Land. Allerdings ist das ein Thema, mit dem wohl vor zehn Jahren leichter Begeisterung zu entfachen gewesen wäre als heutzutage. Haben es grüne Themen bei all den Krisen und Debatten über Kriege und Aufrüstung heute schwerer? „Wir haben andere Diskussionen“, sagt der 28-Jährige. Es dominiere häufig die Suche nach einfachen Lösungen.

Freundlich und klar

Die Grünen böten dagegen Wege an, die sich erst einmal schmerzhaft anhörten, am Ende aber zum besseren Ergebnis führten. „Die Maximilianstraße wurde auch mal befahren und erst in den 1990er-Jahren zur Fußgängerzone“, sagt er. „Rückblickend war das richtig.“ Parzich ist keiner, der anderen nach dem Mund redet, sondern zu seinen Positionen steht. Freundlich und umsichtig im Ton, klar in der Ansprache. „Veränderung erzeugt Reibung“, sagt er. Politik dürfe den Menschen ruhig etwas zutrauen.

Aber sie dürften auch etwas von Politik erwarten. Da knüpft Parzichs zweites Anliegen an: Die Digitalisierung der Verwaltung. Mit frisch erworbenem Master in Public Administration – also öffentlicher Verwaltung – ausgestattet , steckt er mitten drin im Thema. Dieses Studium hat er nach dem BWL-Bachelor in Mannheim an der Verwaltungsuniversität Speyer draufgesattelt. In seiner Masterarbeit hat er sich die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes in zwei Bundesländern angeschaut. Der Landtagskandidat spricht sich für zentrale Strukturen aus: „Eine Lösung für alle Kommunen“. Das müsse natürlich vergabekonform ablaufen, könne aber dann ein echter Mehrwert sein.

Parzich hat auch beruflich mit der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung zu tun – allerdings im Nachbarländle Baden-Württemberg, wo er im Heidelberger Landesrechenzentrum beschäftigt ist. Neben der Arbeit sei er Familienmensch, koche gern, sei aber auch auf Veranstaltungen unterwegs. Oder er ist im Hilfseinsatz. Seit mehr als 13 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk. Er ist Truppführer in der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen und war unter anderem im Ahrtal, um nach der Flutkatastrophe 2021 zu helfen. Das seien Bilder gewesen, „die ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte“, erzählt Parzich. „Da wurde es greifbar.“ Die Stärkung des Ehrenamts sei sein „absolutes Herzensthema“, sagt der 28-Jährige. „Das ist der Kitt der Gesellschaft.“

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