Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Landstrom für Kreuzfahrtschiffe: Warum stockt die Planung?

Kreuzfahrtschiff am modernsten, städtischen Steiger: hier gibt’s schon Landstrom.
Kreuzfahrtschiff am modernsten, städtischen Steiger: hier gibt’s schon Landstrom.

Der Kreuzfahrttourismus boomt. Der Wunsch nach Landstrom für private Anlegestellen stockt jedoch.

Der Kreuzfahrttourismus boomt. In Speyer verzeichnen sowohl die städtischen Verkehrsbetriebe VBS als auch die Reederei Viking steigende Nachfrage an ihren je zwei Anlegestellen. Die VBS haben ihr Angebot 2017 um eine fast ein Million Euro teure Anlage am Ölhafen ausgeweitet. Viking, weiter in Richtung Flaggenmast vertreten, wäre an einer dritten Anlegestelle interessiert.

Vorrangig konzentriert sich das Unternehmen aber auf die Ausstattung des Bestands mit Landstrom. Der fehlt – im Gegensatz zur jüngsten städtischen Anlage – noch. Folge: Wenn Kreuzfahrtschiffe in Speyer anlegen, müssen zum Teil Dieselaggregate angeworfen werden. Für die Reedereien ist deren Betrieb ein großer Kostenfaktor, für die Leinpfad-Anlieger eine nicht sonderlich beliebte Abgas- und Geräuschquelle.

„Wir sind sofort bereit, auf Strom auszubauen“, sagt auf RHEINPFALZ-Anfrage Patricia Findl, zuständige Direktorin der für die Infrastruktur der Reederei zuständigen Firma Viking Technical. Aus ihrer Sicht fehle jedoch ein Kontakt zur VBS-Mutter Stadtwerke Speyer (SWS) für einen gemeinsamen Vor-Ort-Termin. Die SWS verweisen hingegen auf Gespräche in den Jahren 2020 und 2022, bei denen sie „die technische Möglichkeit und Bereitschaft zur Errichtung und Anschluss an Trafostationen und Leitungsverlegung signalisiert hätten“. Es sei jedoch zu keiner Einigung gekommen: „Die Viking Technical wollte sich eines anderen Energieversorgers zur Errichtung von Landstromversorgungen – gleichzeitig für zahlreiche ihrer Anlegestellen – bedienen.“

Bereit zu Investitionen

Das Unternehmen besitzt insgesamt 65 Anlegestellen am Rhein und seinen Nebenflüssen. Findl berichtet von einem großen Programm, in dem sich Viking um Landstrom-Anschlüsse bemühe und dabei in vielen Fällen leichter zu Einigungen mit den Kommunen gekommen sei als in Speyer. Die Bereitschaft sei da, eine nicht vollständig refinanzierbare Geldsumme aufzubringen. Grund und Boden für eine Trafostation sollten erworben werden. Dem Unternehmen sei bewusst, dass es dafür nicht alleine einen privaten Dienstleister beauftragen könne, sondern auch auf die Zusammenarbeit mit den lokalen Netzbetreiber angewiesen sei.

Warum genau die bisherigen Gespräche gescheitert sind, wird aus den Äußerungen der beiden Seiten nicht klar. Die SWS jedenfalls betonen, dass sie sich unter anderem bei einem Besuch in der Viking-Technical-Zentrale in Wiebelsheim bei Koblenz mit dem Thema auseinandergesetzt hätten. Aufgrund des hohen Stromverbrauchs der Schiffe würde es nicht ohne Trafostationen und neue hochspannungsführende Leitungen an der Rheinpromenade gehen. Sprecherin Sonja Daum mit Bezug auf Viking: „Der letzte Stand war, dass ein Vertreter des Unternehmens alle Kosten für die Stromversorgung zusammenstellen wollte.“ Auf dieser Basis könnten die SWS dann einen Stromanschluss kalkulieren, wobei sich Viking gegebenenfalls um Fördermittel bemühen könnte.

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