Speyer
Landauer Straße: So geht es weiter im früheren Haus Edelberg
Seit 1. Juni ist die STZ Sozialtherapeutischen Zentren Heide GmbH aus Landau neuer Mieter im Gebäudekomplex in der Landauer Straße, in dem früher unter den Namen „Haus Edelberg“ und zuvor „Bernhardinum“ Pflegebedürftige betreut wurden. Speyers kleinstes Seniorenheim hatte im Juni 2025 seine Pforten geschlossen. Der Betreiber verwies damals auf unternehmerische Gründe. Auch die für diese Einrichtungsform vergleichsweise geringe Anzahl von 35 Plätzen habe es wohl erschwert, rentabel zu arbeiten.
Für STZ Heide hingegen sind die 28 Zimmer „ein Glücksfall“, wie Geschäftsführer Jürgen Hörschläger betont. Er leitet ein Therapiezentrum, das suchtkranke Menschen bei der Wiedereingliederung in Beruf und Gesellschaft unterstützt. Die sogenannte Adaptionseinrichtung nimmt Personen im Anschluss an eine Entwöhnungs-Reha stationär auf und begleitet sie in der Regel zwölf Wochen lang engmaschig auf ihrem Weg zurück in die Normalität. In Speyer ist sie seit rund 30 Jahren schon in der Wormser Landstraße 1 vertreten und hält dort 24 Plätze vor.
Hoher Bedarf
Die Landauer Straße 33 werde als zweiter, eigenständiger Standort hinzukommen, so Hörschläger, der Synergieeffekte erwartet. Der Firmenchef spricht von Wartelisten und einem „seit Jahren steigenden Bedarf an unseren Angeboten“. Er kann die genaue Anzahl der zusätzlichen Plätze noch nicht beziffern. So viele wie im Seniorenheim seien es sicher nicht, weil die Anzahl der Mitarbeiter höher sei und zusätzliche Büro- oder Werkstatträume benötigt würden. Nach all den Jahren stünden in der Wormser Landstraße auch Renovierungen an, sodass es zumindest zeitweise zu einer Verlagerung von Plätzen kommen könne.
Mit der Deutschen Rentenversicherung (DRV) als wichtigstem Leistungsträger sei alles geklärt. Sie erachte die neuen Räume als geeignet und sei mit der Expansion einverstanden. STZ Heide wertet damit laut Hörschläger Speyer als seinen bisher kleinsten Standort auf. Größere Einrichtungen hat das Unternehmen in Wartenberg (Oberbayern) sowie in Darmstadt. Aktuell gebe es gut 150 Mitarbeiter, die Anzahl werde sich mit Inbetriebnahme der neuen Einrichtung noch erhöhen.
Mitarbeiter gesucht
Für diese läuft laut Hörschläger aktuell die Rekrutierung. Erste „Neue“ würden in der Wormser Landstraße schon eingearbeitet. Zur STZ-Arbeitsweise gehörten multiprofessionelle Teams etwa mit Sucht- und Arbeitstherapeuten, Psychologen, Psychotherapeuten, Sozialarbeitern und Hauswirtschaftern. Sie kümmerten sich intensiv um ihre Klienten, die tagsüber in der Regel einer Arbeit nachgingen, in Praktika oder Bewerbungsverfahren seien und abends in die Adaptionseinrichtung zurückkämen. Rauschmittel seien auf dem Gelände verboten. Auch Nachtdienste seien vor Ort. Hörschläger vergleicht das Prinzip mit einem „Boarding House“.
Die zuständige Hausverwaltung HWG (Speyer) kündigt einen „ruhigen Mieter“ an, der ideal in die 2007 von der Schifferstadter Firma Römerhaus errichteten und dann an verschiedene Kapitalanleger verkauften Räumlichkeiten passe. Die Chance für STZ Heide hatte sich ergeben, nachdem laut HWG ein Mietvertrag mit einem anderen Interessenten nicht zustandekam, weil dieser in die Insolvenz gerutscht war.
Maler rücken an
Die Rollläden sind noch unten, aber in den nächsten Wochen sollen die Handwerker das Regiment übernehmen in der Landauer Straße. Laut Hörschläger stehen Renovierungen an, unter anderem für eine hellere, freundlichere Gestaltung der Räume. Der Eröffnungstermin stehe noch nicht fest, werde aber bestenfalls im August liegen. Später könnte als weitere Sparte ein Bereich der sogenannten Wohnassistenz hinzukommen, in dem auch Menschen auf dem Weg zurück zur sozialen Teilhabe geholfen werde, die noch nicht direkt wieder in den ersten Arbeitsmarkt einsteigen könnten.
In der Regel gehe es aber um die „berufliche Rehabilitation“, erklärt Hörschläger das Konzept. „Wir begleiten Menschen, die gerade aus einer erfolgreichen Entwöhnung kommen.“ Mit der Quote von 22 Prozent, die zum Entlasstermin wieder erwerbstätig seien, könne man zufrieden sein, zumal viele weitere Klienten kurz davor stünden. Dazu komme das Ziel eines dauerhaft suchtmittelfreien Lebens nach teilweise langen Suchtkarrieren mit Drogen, Glücksspiel oder Medien.