Speyer
Ladeninhaberin will über ganze Hanfpflanze informieren
„Hanf ist eigentlich ein Unkraut“, erklärt Alexandra Gasch, die mit ihrem Partner Christoph den Laden betreibt. „Das heißt, der Anbau kann auf Düngemittel, Pestizide und auf künstliche Bewässerung verzichten. Die Wurzeln verbleiben im Boden und düngen, als Zwischenfrucht oder Gründüngung“, sagt sie. Außerdem könne man die ganze Pflanze verwerten, gebe es keine Abfallprodukte.
„Aus den Fasern lassen sich Stoffe herstellen, die ersten Jeans von Levi's waren zum Beispiel aus Hanf, da das Material viel haltbarer und strapazierfähiger als Baumwolle ist. Aus den Samen kann man Mehl herstellen, dabei fällt als Abfallprodukt hochwertiges Hanfprotein an, das sich für Sportlernahrung eignet“, teilt Gasch mit. Bisher allerdings seien diese Anwendungsbereiche vernachlässigt worden, sprich: Es gab wenige wirtschaftlich konkurrenzfähige Produkte außerhalb eines Nischenmarktes. „Ich hoffe, dass sich das durch die Legalisierung etwas ändert und der Anbau von Nutzhanf an Boden gewinnt“, so die Ladeninhaberin.
Als Speyer Handelsmetropole für Hanf war
„Bisher waren die Zertifizierungspflichten für die Bauern sehr aufwendig, sie mussten die Felder einzäunen, den Anbau überwachen, die Pflanzen prüfen lassen. Das macht natürlich keiner für einen Acker voller „Unkraut“, sagt die Hanf-Kennerin und lacht. Deshalb sind auch THC-freie Hanfprodukte noch relativ teuer, obwohl der Anbau selbst sowohl ökologisch als auch ökonomisch sehr günstig wäre.
Gerade in der Vorderpfalz wäre der Hanfanbau gut aufgehoben, meint Gasch. Denn wenig bekannt sei, dass Speyer die Hanfhandelsmetropole der Pfalz war. „Im 17./18. Jahrhundert war Speyer ein wichtiger Handelsplatz. Ich habe in alten Zollbüchern recherchiert und war selbst überrascht, wie viel gehandelt wurde, bis dann im 19. Jahrhundert das Volumen zurückging und mit der Verbotspolitik von Cannabis im frühen 20. Jahrhundert der Hanf von den Feldern verschwand.“
Linderung bei Morbus Crohn erfahren
Selbst als Bau- und Dämmmaterial lasse sich Hanf einsetzen. Mit Kalk behandelt sei das Kraut ein unbrennbares, schimmelhemmendes, umweltfreundliches und nachwachsendes Material mit Eigenschaften wie Glaswolle, nur mit wesentlich weniger Energieaufwand bei Herstellung, Entsorgung und Recycling. „Wir wollen da mit Herstellern zusammenarbeiten, so dass man die Produkte über unseren Laden bestellen kann, wir haben natürlich nicht die Fläche wie ein Baumarkt, aber Beratung und Vertrieb wollen wir anbieten“, so Gasch.
Neben den THC-freien Nutzanwendungen bietet Hanf auch Anwendungsbereiche für die Wirkstoffgruppe der Cannabinoide, die nicht zwingend zur Musik von Guru Guru geraucht werden müssen, denn sie seien nicht psychoaktiv, also rauscherzeugend. Alexandra Gasch: „Wir haben Badezusätze, Kosmetik, Salben, Öle, rauschfrei und medizinisch wirksam.“ Die Ladenbetreiberin hat eine sehr persönliche Geschichte mit Hanfprodukten. „Ich habe Morbus Crohn und Hanfprodukte haben mir sehr geholfen. Dadurch habe ich begonnen, mich mit Hanf und seinen Anwendungsbereichen intensiver zu beschäftigen, was mich dazu geführt hat, diesen Laden zu eröffnen.“
„Wacky Baccy“ bedeutet schlicht Hanf
Cannabidiol, besser bekannt als CBD ist eines von über hundert Cannabinoiden und in einer Vielzahl von Produkten erhältlich, so auch im „Wacky Baccy“ (ein anderes Wort für „Hanf“) genannten Laden von Alexandra Gasch. CBD sei nicht psychoaktiv, sondern es wirke in erster Linie entzündungshemmend, schmerzlindernd und krampflösend, was bei zahlreichen chronischen Beschwerden helfe. „Wer sich dafür interessiert, ist eingeladen bei unserer kleinen Eröffnung am 6. April nachmittags gegen 14 Uhr vorbeizuschauen“, sagt die frisch gebackene Hanfladeninhaberin.