Speyer Kyrillisch mühsam neu gelernt

Placeholder-Image
Landau

/Trier. „Hallo“ sagt Alexandra mit einem strahlenden Lächeln. Groß ist sie geworden, wie sie da in der Wohnungstür des Trierer Wohnblocks steht. Der offene Blick, das freundliche Lächeln, die sind geblieben. Auch ihrem Deutsch ist nicht anzumerken, dass es zwei Jahre lang wenig trainiert wurde. Am Sonntag ist sie zusammen mit ihrer Mutter gelandet. In Frankfurt, dort, von wo sie vor zwei Jahren nach Moskau abgeschoben wurden. Schrecklich sei es gewesen, erinnert sich die heute 15-Jährige an jenen Tag im August, als die Polizei in aller Frühe klingelte. Schnell ein paar Sachen packen. Was nimmt man mit, wenn man sein bisheriges Leben hinter sich lässt und mit kleinem Gepäck reisen muss? „Ich weiß nicht mehr“, sagt sie. Nur, dass sie ihren Schulranzen ausgekippt und irgendetwas hineingestopft habe, was ihr wichtig erschien. Darunter auch ein knallrotes T-Shirt mit dem Bild der Klasse 6 b der Integrierten Gesamtschule (IGS) Landau. Erst im Nachhinein habe sie erfahren, was Schüler, Lehrer und vor allem auch Schulleiter Ralf Haug für sie taten. „Unterschriften sammeln und so. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich will meine alte Schule unbedingt besuchen.“ Auch Dmitrij, ihrem heute 22-jährigen Bruder, haben sich die Ereignisse ins Gedächtnis gebrannt. Am Morgen der Abschiebung werden ihm Handschellen angelegt, Zeit zum Packen bleibt keine. In zwei Kleinbussen der Polizei wird die Familie zum Flughafen gebracht, später bis ans Flugzeug. Bis die Papiere fertig sind, werden sie von einer Psychologin betreut. „Wie geht es Ihnen mit der Abschiebung, hat sie mich gefragt“, erinnert er sich. „Was will man da sagen?“ Glücklicherweise habe man das Geld, das die Familie im Geldbeutel hatte, doch behalten dürfen. „Das hat uns gerettet. Denn dafür konnten wir uns in Moskau Bahntickets kaufen, um zu meiner Schwester zu fahren, die etwa 500 Kilometer von der Hauptstadt entfernt wohnt. Wir wären sonst in Moskau hängen geblieben, ohne Geld und ohne Papiere.“ Mit einem geliehenen Handy habe er seiner schwangeren Freundin noch mitteilen können, dass er abgeschoben werde. „Sie war natürlich total verzweifelt“, wirft Alexandra ein. Hegt er Groll? Dmitrijs Antwort kommt nach kurzem Zögern. „Wir sind froh, dass wir wieder nach Deutschland kommen durften.“ Über Freunde hat Dmitrij in Russland eine Arbeit als Fensterbauer bekommen. „Meine Mutter hatte zwei Jobs, als Zimmermädchen und als Bedienung, damit wir die Miete bezahlen konnten. Ich habe sie ganz selten gesehen“, sagt Alexandra. Für sie selbst sei der Start in der Schule nicht leicht gewesen. „Ich musste die Sprache erst lernen, ich konnte nicht mehr kyrillisch schreiben.“ Die Beziehung habe nicht gehalten, aber seinen eineinhalbjährigen Sohn sehe er recht regelmäßig, zahle Unterhalt, erzählt Dmitrij, der in Trier für einen Paketdienst arbeitet. Alexandra ist startklar. „Ich will in Landau meine Freunde besuchen, es soll eine Überraschung werden“, geht sie mit einem Strahlen aus der Tür.

Mehr zum Thema
x