Speyer Kumpeltyp mit Draht zum Nachwuchs

Seit Februar betreut Harry Kihl bei der Agentur für Arbeit in Ludwigshafen die Initiative „Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt“. Als Ausbildungsstellenakquisiteur greift der 42-Jährige Jugendlichen unter die Arme, die sich mit dem Start ins Arbeitsleben etwas schwer tun. Rund 70 von ihnen hat Kihl bereits beraten.
Kihl ist ein richtiger Kumpeltyp. Sein Lächeln ist ansteckend, so schnell bringt ihn nichts aus der Ruhe. Der Westpfälzer, der aus Kaiserslautern stammt und mit seiner Familie in Rutsweiler an der Lauter lebt, hat in seinem eigenen Berufsleben schon viele Erfahrungen mit Jugendlichen gesammelt. Zwölf Jahre lang war er im Ausbildungsregiment bei der Bundeswehr in Germersheim, später in der Jugendhilfe beschäftigt. Außerdem spiele er in seiner Freizeit gern Fußball und habe bereits Jugend- und aktive Mannschaften trainiert, erzählt er. Die neue Herausforderung bei der Arbeitsagentur in Ludwigshafen habe ihn gereizt, sagt er. Für den interessanten Job nimmt der gelernte Gas- und Wasserinstallateur nun die tägliche Pendelei aus der West- in die Vorderpfalz geduldig in Kauf. „Unsere Initiative richtet sich an Jugendliche, die besonderen Unterstützungsbedarf bei der Ausbildungsstellensuche benötigen“, beschreibt Peter Schmiedel, Teamleiter Arbeitgeberservice bei der Arbeitsagentur, das Aufgabenfeld von Kihl. Er spricht gezielt Unternehmen an, um geeignete Ausbildungsplätze für seine Schützlinge zu finden. Zudem arbeitet der Ausbildungsstellenakquisiteur eng mit den jeweiligen Fachleuten der Berufsberatung zusammen, um die individuellen Probleme der Jugendlichen besser zu verstehen. Durch den Einsatz von Harry Kihl will die Arbeitsagentur Schmiedel zufolge ein ganz grundlegendes Problem knacken: Auf der einen Seite gebe es immer noch relativ viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Andererseits blieben viele Ausbildungsstellen unbesetzt, weil die Betriebe keine geeigneten und motivierten jungen Leute fänden. Kihls Klienten sind in der Regel benachteiligte Jugendliche mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife, die den Anforderungen eines regulären Bewerbungsverfahrens allein nicht gewachsen sind. Mit einer Menge Fingerspitzengefühl und Überzeugungskraft sucht Kihl nach Unternehmen und Auszubildenden, die trotz der Defizite zueinander passen könnten. Schmiedel sieht im Hinblick auf den Fachkräftemangel in etlichen Branchen die Arbeitgeber in der Pflicht, sich deutlich stärker um Nachwuchs zu bemühen und mit den Investitionen in eine gute Ausbildung nicht zuletzt auch ihre eigene Zukunft zu sichern. Nicht immer sind die Berufswünsche der Jugendlichen mit den verfügbaren freien Ausbildungsstellen in Einklang zu bringen, hat Kihl bereits festgestellt. Besonders gefragt seien Jobs im Verkauf oder im Büro. Aber auch Berufe im medizinischen oder Kfz-Bereich seien sehr beliebt. Über 1200 Bewerber im Bereich der Arbeitsagentur sind nach Angaben der Behörde derzeit noch auf der Suche nach der passenden Lehrstelle. Demgegenüber stehen knapp 950 unbesetzte Lehrstellen im Lebensmittelhandwerk oder bei Friseuren. Dass sich die gezielte persönliche Ansprache von Unternehmen lohnt, um einzelnen Jugendlichen den Weg in den Job zu bahnen, zeigt nach Ansicht der Arbeitsagentur das Projekt „Coach für betriebliche Ausbildung“ – eine Kooperation der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz, der Agentur für Arbeit Ludwigshafen und des Mainzer Wirtschaftsministeriums, das 2014 ins Leben gerufen wurde. Ein Ausbildungscoach, der bei der Handwerkskammer angesiedelt ist, eröffnet jungen Menschen Perspektiven speziell im Handwerk. Eine Migrations-Netzwerkerin unterstützt dabei besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund. Beide Kräfte sollen vor allem verhindern, dass Ausbildungen abgebrochen werden. kontakt Telefon 0621 5993142 oder E-Mail Harry.Kihl@arbeitsagentur.de