Speyer „Konzerte sind das Wichtigste“
Zusammen mit der Jazzsängerin Anna-Lucia Rupp eröffnet der 26-jährige Sönke Meinen am Mittwoch, 13. September, 20.30 Uhr, das 22. Festival „Speyerer Gitarrensommer“ im Alten Stadtsaal. Unsere Mitarbeiterin Ute Günther hat vorab mit Meinen gesprochen.
Ein Soloalbum herauszubringen ist ein großer Schritt und nach vier Jahren Komponieren, Studieren und Spielen eine tolle Sache. Ich bin in verschiedenen Projekten, doch auf der Gitarre ist das Solospiel die Königsdisziplin. Das Album „Perpetuum Mobile“ hat dann auch einige Türen geöffnet: Ich komme gerade erst von einer Tour durch China zurück, habe in Norwegen, Österreich, Deutschland, Holland – quer durch Europa – gespielt. Hat auch Ihr Sieg beim Gitarrenwettbewerb „Guitar Masters 2016“ im vergangenen November manches angestoßen? Wettbewerbe sind ein zweischneidiges Schwert. Ich finde, Kunst hat in Wettbewerben eigentlich nichts zu suchen. Gleichzeitig kann man über einen Wettbewerb viel Aufmerksamkeit gewinnen. Wenn ich an Wettbewerben teilnehme, ist es mir wichtig, dass ich das spielen kann, was ich im echten Musikerleben, also auf meinen Konzerten, auch spiele. Bei „Guitar Masters 2016“ ging es darum, eigene Musik zu machen. Dass ich das Finale in Polen gewonnen habe, war schon krass. Und ja, der Sieg hat dazu beigetragen, dass die Tournee durch China so möglich wurde. Es gab auch danach deutlich mehr Konzertanfragen. Aber das flacht nach einiger Zeit ab, es ist ein kurzer Hype. Ein Album auf den Markt zu bringen, ist da schon langfristiger. Noch viel wichtiger ist es, Konzerte zu spielen. Eben das, was ich seit sieben, acht Jahren mache: sich langsam nach und nach sein Publikum zu erspielen, darüber anzukommen und im Gespräch zu bleiben. Konzerte sind das Allerwichtigste. Wo kommt die Gitarre am besten an? Die Gitarre hat in allen Ländern einen sehr hohen Stellenwert. Auch was die Ausbildung angeht, herrscht ein hoher Standard. In Europa ist der Stellenwert sicherlich besonders hoch, weil die Gitarre ein europäisches Instrument ist, sie kommt aus Spanien. Diese Tradition fällt außerhalb von Europa weg. Doch auch innerhalb Europas gibt es hinsichtlich der Ausbildung große Unterschiede. Welche sind das? Überall in Europa muss man sich, wenn man Gitarre studieren möchte, entscheiden, zwischen der Richtung Klassische Gitarre oder Jazzgitarre. In Dresden, wo ich studiert habe, ist die einzige Musikhochschule, an der man Akustikgitarre studieren kann, ohne sich auf den einen oder anderen Stil festlegen zu müssen. Natürlich spielt die Klassische Gitarre zunächst eine große Rolle. Aber dann geht man quer durch die Stile, von Barock über Flamenco bis zum Jazz. Für mich war klar: Wenn ich Musik studiere, dann dort. Und was sich darüber bei mir im Spiel verändert hat, zeigt auch die aktuelle Entwicklung des Instruments. Das strikte Denken in Klassik und Jazz ist bei der Gitarre nicht mehr zeitgemäß. Was junge Musiker spielen, lässt sich nicht mehr so klar trennen. Sie sprachen von unterschiedlichen Traditionen in Europa und Asien. Worin zeigt sich das? Das technische Niveau ist in China ebenfalls sehr hoch. Den Unterschied kann man eher am Kompositorischen festmachen. Die Hörerfahrung ist eine andere. Und das Publikum in China ist äußerst offen und neugierig. Es kommen dort andere Stücke an als hier in Deutschland. Was kommt in China richtig gut an? Spektakuläre Stücke, die auch optisch außergewöhnlich sind. Mit Perkussion auf der Gitarre beispielsweise. Und schnelle, mitreißende Stücke. In Europa ist es dagegen einfacher, mit Balladen zu berühren. Aber letztlich habe ich in China fünf Konzerte gegeben, und China ist ein riesiges Land. Wer weiß, wie es vielleicht anderswo verlaufen wäre. In Speyer spielen Sie auf einer kleinen Bühne mit engem Kontakt zum Publikum. Welche Stücke bringen Sie dafür mit? Üblicherweise spiele ich in Theatern und auf Kleinkunstbühnen. Insofern kommt mir das Konzert in Speyer sehr entgegen. Ich werde einen Teil solo spielen und einen Teil zusammen mit der Sängerin Anna-Lucia Rupp. Wir werden versuchen, eine intime Atmosphäre herzustellen und natürlich Stücke spielen, die die Besetzung Stimme und Gitarre in all ihren Facetten zeigt. Stücke, bei denen man eine Stecknadel im Raum fallen hört. Wir spannen den Bogen aber bis hin zu groovigen, schnellen Stücken. Warum passen Anna-Lucia Rupp und Ihr Gitarrenspiel gut zusammen? Wir haben uns im Studium kennengelernt und spontan ein Stück für ein Studentenkonzert erarbeitet. Einfach aus Spaß und weil wir Zeit hatten. Das hat so gut geklappt, dass wir weitergemacht haben. Wir beide klingen so warm. Anna-Lucias Stimme und meine Gitarre, eine Konzertgitarre mit Nylonsaiten, harmonieren wunderbar zusammen. Auch sind wir uns bei Proben selten uneins, wie etwas klingen soll. Es ist sehr unkompliziert, mit Anna-Lucia gute Musik zu machen. Vorverkauf Eintrittskarten bei den RHEINPFALZ-Servicepunkten und beim RHEINPFALZ-Ticketservice, Telefon 0631 37016618, Internet-Adresse www.rheinpfalz.de/ticket.