Speyer
„Konzerte ohne Publikum“ sollen bedrohte Kultur-Vielfalt retten
Zuhörer und Zuschauer am heimischen Bildschirm können mit dem Kauf von Unterstützertickets, bei denen sie den Betrag, den sie zahlen möchten, selbst festlegen, den Künstlern in der schwierigen Zeit helfen. Diese Spendengelder fließen zunächst in den „Speyer.Kultur.Support.Fonds“, teilt Kultur-Fachbereichsleiter Matthias Nowack mit. „Aus dem Fonds werden dann die Gagen der Musiker gezahlt“, sagt er.
„Geben etwas an Künstler zurück“
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) betont, dass nicht zuletzt Kulturschaffende und Gastronomen die Stadt Speyer „lebens- und liebenswert“ gemacht hätten. „Die Geselligkeit und der Genuss von Konzerten oder anderen Aufführungen, dabei auch einen Schorle trinken zu können, das fehlt uns allen sehr.“ Um diese Vielfalt über die Krise hinaus zu retten und den Künstlern „etwas zurückzugeben“ , habe die Stadt mit ihrer „sehr aktiven Kulturabteilung“ um Matthias Nowack die „Speyer.Kultur.Support“-Kampagne ins Leben gerufen. Die Weinwunderbar in der Salzgasse 2 unterstütze ihrerseits mit einer „Schorle-Dudd“ die Aktion.
Die Papiertüte enthält einen ausgesuchten Rebensaft des Weinguts Muffang aus Venningen oder des Weinguts Schneider aus Godramstein, ein Dubbeglas, eine Flasche Mineralwasser, eine Dose Lewwerworscht von Metzger Hambel aus Wachenheim, Spundkäse, zwei Brezeln aus Speyer sowie das ausführliche Programm zu den „Konzerten ohne Publikum“. Einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf der „Schorle-Dudd“, freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr bei der Weinwunderbar, will Inhaberin Gila Deutsch an den „Speyer.Kultur.Support.Fonds“ spenden, wie sie ankündigt.
Namhafte Musiker beteiligen sich
Den Auftakt zur Fortsetzung der Konzertreihe, für deren Übertragung ins Netz wieder der Offene Kanal Speyer sorgen wird, macht das Duo Christoph Stadtler und Lisbania Perez unter dem Titel „Strings Y Vos“ am Sonntag, 3. Mai, 11 Uhr. Der Speyerer Gitarrist und die in Haiti geborene Sängerin werden laut Matthias Nowack „Melancholie und Sehnsucht, aber auch Lebensfreude und Energie karibischer Klänge auf die Bühne der Stadthalle bringen“.
Ein weiterer Höhepunkt der Reihe werde das „Kult(o)urnacht special“ am Freitag (!), 5. Juni, 19 Uhr, sein, wie Kulturbürgermeisterin Monika Kabs (CDU) ankündigt. „Wir feiern damit das 20-jährige Jubiläum der Speyerer Kult(o)urnacht“, teilt sie mit. Zahlreiche Kulturschaffende hätten ihre Mitwirkung bereits zugesagt, darunter Lömsch Lehmann, Hans-Jürgen Herschel und Markus Maier; viele Überraschungsgäste kämen noch hinzu. Weinwunderbar-Inhaberin Gila Deutsch kündigt an, zu diesem besonderen Konzert eine eigene „Dudd“ zusammenzustellen.
„Live Lyrics“ bieten Timo Effler und Francis „Aza“ Razafindraboay am 10. Mai ab 11 Uhr. Der vormittägliche Konzertbeginn ist der neue Standard – bis auf das „Kult(o)urnacht special“ und den für Samstag (!), 4. Juli, den letzten Termin vor der Sommerpause, geplanten, aber noch nicht ganz sicheren Auftritt der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz: Der Beginn des Konzerts für Kinder wäre um 15 Uhr. Laut Matthias Nowack wurde die Verlegung auf den Vormittag aus praktischen Gründen gewählt. „Es wird abends in den nächsten Wochen immer wärmer, da sind die Menschen lieber draußen. Außerdem passt ein Schorle besser am Vormittag zum Frühschoppen“, erklärt er.
„ Alles und noch viel mehr“
„Punk Pot Girl“ heißt es dann am 17. Mai, ab 11 Uhr, wenn Nicole Kaufmann und Mate Irniss auf der Bühne der Stadthalle stehen. „Alles und noch viel mehr – Das Beste von Rio Reiser“ versprechen Moritz Erbach und Andreas Krüger am 24. Mai, ab 11 Uhr, der Netzgemeinde. Auf sie folgen Gitarrist und Sänger Johnny Capredy und Schlagzeuger Roman Fischer, beide aus Speyer, am 31. Mai, 11 Uhr. Flötist Pirmin Grehl und Pianistin Christine Rahn konzertieren am 14. Juni, 11 Uhr, unter dem Titel „Flautissimo“. Am 21. Juni, 11 Uhr, heißt es „Gitarre trifft Waldhorn“ mit Christian Straube und Felix Messmer. „Chansons ohne Maske“ bringen Laurent Lerois (Akkordeon) und Almut-Maie Fingerle (Gesang) am 28. Juni, 11 Uhr, zu Gehör.
Außer mit der gewachsenen Reihe von „Konzerten ohne Publikum“ unterstützt die Stadt freischaffende Speyerer Künstler, die von abgesagten Engagements und ausgefallenen Honoraren betroffen sind, mit einer Soforthilfe in Höhe von 500 Euro, heißt es auf der Webseite der Stadt. Zur Schaffung dieses Soforthilfeprogramms für Solo-Selbstständige, umgesetzt im Fachbereich „Kultur, Tourismus, Bildung & Sport“, hat die Stadtverwaltung 30.000 Euro in einen „Härtefonds Kultur“ eingebracht. Dieser Betrag sei ursprünglich für Projekte und Veranstaltungen, die aufgrund der aktuellen Corona-Krise nicht stattfinden können, eingeplant gewesen.
Im Netz
www.speyer.de/kultursupport