Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Konzert mit Marcel Adam

Im katholischen Pfarrzentrum in Waldsee: der dreisprachige Chansonnier und Liedermacher Marcel Adam auf seiner Abschiedstournee.
Im katholischen Pfarrzentrum in Waldsee: der dreisprachige Chansonnier und Liedermacher Marcel Adam auf seiner Abschiedstournee.

Er war nicht zum ersten Mal im katholischen Pfarrzentrum: der Chansonnier und Liedermacher Marcel Adam, der in drei Sprachen singt. Das Konzert war schon lange ausverkauft.

Das katholische Pfarrzentrum in Waldsee war so voll, wie es die Brandschutzbestimmungen nur erlaubten. Viele Interessenten, die teils von weither angefahren waren, mussten abgewiesen werden. Ein Paar fand eine perfekte Lösung für sich und setzte sich auf Campingstühlen in den Hof, direkt ans Fenster. Hoffentlich bekamen sie alles mit. Marcel Adam, Chansonnier und Liedermacher in drei Sprachen, neben Französisch und Deutsch Lothringisch, seine heimatliche Mundart, ist eine sichere Sache für den Veranstalter, die Kreisvolkshochschule, das weiß man schon, denn er trat hier nicht zum ersten Mal auf. Er befände sich, sagte er, auf seiner dreijährigen Abschiedstournee. Danach sei Schluss. Wirklich? Schwer zu glauben. Aber es sind ja noch ein paar Jahre hin.

Wie macht er das nur? Ein paar erste Takte Gesang in charmant französisch gefärbtem Deutsch, ein verschmitztes Lächeln – und schon hat er die Zuhörer (und vor allem Zuhörerinnen) gewonnen. Es fühlt sich an wie Urlaub, nicht nur Urlaub in unser Nachbarland, sondern auch Urlaub zurück in die Zeit, als man verzaubert den ersten Urlaub mit Freund/Freundin erlebte (natürlich nach Frankreich, wohin auch sonst?). Wie eine warme, weiche Decke umhüllen die Erinnerungen.

Besinnliches, aber auch Freches

Marcel Adams Programm umfasste klassische französische Chansons, Lieder deutschsprachiger Liedermacher, die in seiner Interpretation einen eigenen Akzent bekommen, und etliches von ihm selber, Besinnliches, aber auch Freches, Sachen, die man auf fröhlichen Feiern nach etlichen Gläsern gemeinsam singt – wenigstens den Refrain. Zu der Kategorie gehört die Zugabe: „Das schönste Mädchen vom Westerwald ist zweiundsiebzig Jahre alt, sie melkte grad die siebte Kuh ...“ als er sich verliebte.

Der Schwerpunkt lag jedoch eher beim Chanson. Allen voran das vielleicht Berühmteste, zumindest das meist gecoverte: „La mer“ von Charles Trenet, 1946 zum ersten Mal aufgenommen, unter dem Titel „Beyond the Sea“ auch ein amerikanischer Klassiker, und auch auf deutsch ein Hit. Chansons von Charles Aznavour waren dabei, etwa „Emmenez-moi“ über einen Jungen, der davon träumt, mit den Schiffen im Hafen davon zu fahren zu Inseln mit wunderschönen Frauen, oder „La Salle et la Terasse“ vom Kellner, der auch mal ein anderes Leben führen wollte, und sich tröstet: „Die Kunden lieben mich“.

Hommage an die Großmutter

Ein Chanson aber, so Adam sehr verschmitzt, lieben die Männer und wollen es unbedingt auf deutsch: „Du lässt dich gehen“ über die Ehefrau, die all das tut, womit man einen Mann verjagt. Sicher nur ein böses Gerücht, welche Frau würde sich so betragen? Lockenwickel und Morgenmantel am Mittagstisch? Die meisten Frauen gehen ja arbeiten. Ein besonders liebenswertes und sehr persönliches Chanson von Maecel Adam war „Es Onna sitzt of de Bonk, schält Grumbeern fer Frites“. „Es Onna“ heißt auf Hochdeutsch „die Anna“, Grumbeern verstehen alle in der Pfalz Aufgewachsenen, und was „Fritten“ sind, ist auch klar.

Es ist eine Hommage an die Großmutter, bei der Marcel Adam aufwuchs und die die Mama für ihn war, während die eigentliche Mama weit weg Geld verdienen musste. Es ist aber auch Hommage an all die Mütter und Großmütter mit ihrer Liebe und ungeheuren Arbeitsleistung, die selbst auf der Feierabendbank noch zu tun haben, und die sogar im Himmel noch „Grumbeern fer Frites“ schälen werden. Ganz neu ist das melancholische Lied von dem Kind, das den Papa nur vom Foto kennt.

Der diskriminierte Osterhase

Aber es geht auch ganz anders: Der diskriminierte Osterhase („Wer kennt schon Lieder vom Osterhasen, während die Lieder vom Christkind Legion sind!“) bekommt ein fröhliches Liedchen von den viereckigen Eiern – man merkt, Marcel Adam ist vor einigen Monaten Großpapa geworden.Da hat ihm sein wunderbarer Akkordeonist Christian di Fantauzzi, der mit 17 Jahren Akkordeonweltmeister war, auch Saxofon spielt und großen Anteil an der atmosphärischen Harmonie des Trios hat, einiges voraus: Er hat acht Enkel nach der letzten Zählung.

Der zweite Christian des Trios ist Christian Conrad, waschechter Saarländer und Meister jeder Art von Gitarre, elektronisch oder akustisch, aber auch Bass und Mandoline.

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