Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Kohl-Grab: Neue Gestaltung gefällt nicht allen

Grün und verschiedene Steinarten als Gestaltungselemente: umgestaltetes Helmut-Kohl-Grab.
Grün und verschiedene Steinarten als Gestaltungselemente: umgestaltetes Helmut-Kohl-Grab.

Seit Montag ist das Grabmal von Helmut Kohl fertig und vom Adenauerpark aus sichtbar. Über die Gestaltung wird öffentlich diskutiert. Nicht alle wollen sich aber dazu äußern.

Vor acht Jahren, im Juli 2017, war der langjährige Bundeskanzler Helmut Kohl am Rand des Adenauerparks beigesetzt worden. 2019 war die Grabgestaltung schon einmal verändert, aber das schlichte und provisorisch wirkende Holzkreuz mit Kohls Name und Lebensdaten belassen worden. Das deutete darauf hin, dass die endgültige Lösung noch nicht gefunden ist, zu der sich im Vorfeld weder Witwe Maike Kohl-Richter noch Stadt und Bistum als für die Ruhestätte verantwortliche Stellen äußerten.

Es ist nun ein 2,50 Meter hoher, rechteckiger Gedenkstein aus hellem Sandstein samt neugestaltetem Umfeld geworden, zu dem sich Kohl-Richter am Montag ausführlich erklärt hat. Sie sieht die Arbeit des Speyerer Bildhauers Holger Grimm unter anderem als „Denkmal im Park“. Ihre Verhandlungspartner im Stadthaus und Ordinariat halten sich hingegen auf Anfrage mit Kommentaren dazu zurück. „Privatsache“, heißt es bei der Stadt. „Das Bistum Speyer und das Domkapitel geben zur Gestaltung des Grabes keine Bewertung ab“, so die katholische Seite. Beide hatten auch bei Anfragen im Vorfeld zum Grab abgewiegelt und auf Kohl-Richter verwiesen. Diese ließ wiederum ihren Anwalt sprechen, der aber keine konkreten Informationen zum Projekt herausgab.

Passanten bleiben stehen

Andere äußern sich lieber. Am Dienstag bleiben immer wieder Grüppchen vor der neugestalteten Grabstätte stehen, betrachten diese und tauschen sich darüber aus. Siegbert Brand wohnt in der Umgebung und ist bewusst vorbeigekommen, um die Änderung in Augenschein zu nehmen. „Ich wollte sehen, wie 2,50 Meter Höhe wirken“, erklärt er. „Schlicht und ein bisschen schmucklos“, so sein Eindruck vom Gedenkstein, dessen Inschrift mit „Kanzler der Einheit“ und „Ehrenbürger Europas“ sehr angemessen sei. Auch der Sandstein an sich passe gut zur Örtlichkeit. Das bisherige Grab habe einen wärmeren Eindruck gemacht. Das neue Grün könnte „aussagekräftiger“ sein, meint Brand. Die groben, grauen Klötze im Steinfeld vor der Stele findet er ebenso wie eine weitere Passantin weniger gelungen.

„Bitter nötig“ sei die Maßnahme vor allem wegen der jahrelangen Debatte um die Gestaltung der Ruhestätte gewesen, sagt Brand. Das findet – wie viele Kommentatoren in den sozialen Netzwerken – auch Grab-Besucherin Sonja Kamb: Das Hin und Her sei „ganz schlimm“ gewesen. Ein offenes Geheimnis sei es in der Domstadt, dass Kohl gerne im Dom bestattet worden wäre. „Das geht gar nicht, der Dom ist nur für Kaiser, Könige und Bischöfe da“, so Kamb. „Der Stein ist geradlinig, wie Kohl war“, meint die Speyererin zum neuen Erscheinungsbild. Und: „Ich hätte mir mehr Grün gewünscht.“

Positiver äußert sich der frühere Oberbürgermeister Werner Schineller (CDU), der mit Kohl-Richter immer wieder auch persönlich in Kontakt stand. Das Grabdenkmal füge sich in das kulturhistorisch wertvolle Ensemble des Adenauerparks „wunderbar“ ein. Es passe zum örtlichen Kontext und zur Architektur der Kirche St. Bernhard. Der Adenauerpark als einstiger Friedhof der Stadt umfasse schon bedeutende Gräber wie von Wissenschaftler Friedrich Magnus Schwerd.

Bildhauer Grimm und Kohl-Richter hätten sich für eine gelungene Gestaltung entschieden: Er wisse nicht, worüber Kritiker jetzt noch meckern könnten, betont der von 1994 bis 2010 an der Stadtspitze stehende Schineller. „Ich bin sicher, dass viele Menschen auch in Zukunft den Alten Friedhof besuchen und dabei auch die Grabstätte für den Kanzler der Einheit und den Ehrenbürger Europas beachten werden.“

Abgeordneter hält sich zurück

Der Speyerer CDU-Politiker und Landtagsabgeordnete Michael Wagner möchte sich auf Anfrage nicht zur Gestaltung der Gedenkstätte äußern. Er habe sich bewusst nie an entsprechenden Diskussionen beteiligt und beabsichtige, das auch künftig nicht zu tun. „Die Gestaltung einer Grabstätte – selbst wenn es sich um die eines Bundeskanzlers handelt – ist aus meiner Sicht eine private Angelegenheit, die in erster Linie den Angehörigen zusteht“, sagt Wagner auf Anfrage.

Er verweist stattdessen lieber auf das politische Vermächtnis Helmut Kohls, der als Kanzler der deutschen Einheit und Ehrenbürger Europas Geschichte geschrieben habe. „Sein politisches Lebenswerk prägt unser Land bis heute. Umso bedauerlicher ist es, dass in der öffentlichen Diskussion oftmals persönliche Aspekte im Vordergrund standen, anstatt die historische Leistung dieses Staatsmannes zu würdigen.“ Wagner wünscht sich deshalb, dass das Kohl-Gedenken künftig vor allem in diesem historischen und politischen Kontext stattfindet.

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