Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Klimalisten-Kandidat ist optimistisch beim „Wandel vom Klimawandel“

Begeisterter Leser: Klimalisten-Kandidat Jonas Wittner.
Begeisterter Leser: Klimalisten-Kandidat Jonas Wittner.

Es muss sich jetzt was drehen“, sagt Jonas Wittner. Er kämpft für die Zukunft. Und das nicht erst seit gestern. Der 25-Jährige hatte sich schon im Frühjahr auf der Klimaliste für den Einzug in den Landtag beworben. Nachdem es damals nichts wurde mit dem Einzug ins Parlament, soll es jetzt eine Ebene höher klappen.

Das Ausmaß der Flutkatastrophe vom Juli steckt dem Lehramtsstudenten für Mathematik und Geschichte noch in den Knochen. „Der Klimawandel wird seit 50 Jahren weltweit verschlafen“, kritisiert Jonas Wittner aus Speyer die „politische Ignoranz letztendlich aller Parteien“. Wittner will sich einbringen, es besser machen. Im Mittelpunkt seines Lebens steht indes derzeit das Studium und seine Finanzierung. Er hat an der in den Ferien eingerichteten Sommerschule unterrichtet und dabei erkannt, dass das Fördermodell für Schüler extrem ausbaufähig ist. „Das will ich anregen“, erklärt der künftige Lehrer.

Wittner hat schon immer viel und gerne Wissen weitergegeben und gelesen. „Man könnte sagen, es ist mein Hobby“, sagt er, lacht und zieht eine ziemlich abgegriffene Ausgabe von „Die Torheit der Regierenden – Von Troja bis Vietnam“ aus der Tasche. 1984 habe die US-amerikanische Historikerin Barbara Tuchman das Sachbuch veröffentlicht, sagt Wittner. „Es ist so aktuell wie nie.“ Aus Lektüren wie dieser ziehe er Argumente für ein neues Bewusstsein hinsichtlich Klima und Umwelt. Für ihn ist in diesem Bereich nicht aller Tage Abend. „Ich glaube, gemeinsam schaffen wir den Wandel vom Klimawandel.“ Wittner ist optimistisch, wenn es um die Rettung des Planeten im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit, ohne Kohle und Atomkraft, Verkehrskollaps und Massentourismus geht.

Zweiter Studiengang tut gut

Nach dem Abitur am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium hat der Kandidat zunächst Bauingenieurwesen studiert. „Das lag nahe“, verweist er auf die Eltern, beide Ingenieure. Bereits nach dem ersten Semester habe er erkannt: „Nichts für mich.“ Die Umorientierung habe ihm in jeder Beziehung gut getan, sagt Wittner. Den Grundstein für Geschichte habe sein Opa gelegt. Ein Sprachstudium wäre für ihn nie eine Option gewesen, betont Wittner, der sich – obwohl zweisprachig aufgewachsen – mit Fremdsprachen nie richtig anfreunden konnte, auch wenn er und sein Bruder die ersten drei Grundschuljahre im Fernunterricht in seiner Muttersprache Französisch unterrichtet wurden.

Die Fridays for Future-Bewegung habe den Grundstein für sein Engagement für Klima und Umwelt gelegt, berichtet Wittner. Zuhause habe er Mülltrennung gelernt und sich mit der Familie an jedem „Dreck-weg-Tag“ in Speyer beteiligt.

Politik braucht Tatendrang

Längst lebe er vegetarisch und sei auf dem Weg zum Veganer, beschreibt der Student Konsequenzen, die er für sich gezogen hat. Wittner steht zu den kleinen Schritten in die richtige Richtung. Manchmal fahre er mit dem Auto zur Mainzer Uni, räumt er ein. „ÖPNV und Bahn müssen ausgebaut und preiswert werden“, fordert er. „Wenn alles bleibt wie es ist, blicken Jugendliche in eine schreckliche Zukunft“, so Wittner. Er wünscht allen Politikern den Tatendrang, mit dem er sich gegen den Klimawandel einsetzt.

Die Serie

Zehn Kandidaten bewerben sich im Wahlkreis 208 Neustadt-Speyer, der auch den Kreis Bad Dürkheim und Teile des Rhein-Pfalz-Kreises umfasst, um das Direktmandat bei der Bundestagswahl. Die RHEINPFALZ stellt sie vor.

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