Dudenhofen
Kirchenchor: Zusammenklang dank Computerprogramm
Immer am Montag proben in Dudenhofen Chorissimo, der junge Chor des Kirchenchors St. Cäcilia Dudenhofen, und der Kirchenchor. Natürlich derzeit nicht live, sondern digital. Doch anstatt eines der gängigen Videokonferenzsysteme zu benutzen, wie sie das im ersten Lockdown taten, arbeiten die beiden Chöre mittlerweile mit dem Programm Jamulus. Joe Völker, der dieses beim Rockchor Speyer einsetzt, hatte die Chorissimo-Chorleiterin Almut Fingerle-Krieger damit bekannt gemacht – und sie ist überzeugt von dieser Methode.
Jamulus – 2006 von Volker Fischer unter Verwendung von C ++ geschrieben – ist ein kostenlos erhältliches Programm für die Probenarbeit von Musikensemble wie Bands oder Chören, bei denen sich die Musiker oder Sänger zwar nicht sehen, aber einander hören (https://jamulus.io/de/).
Im Fall von Chören geht das so: Ein Computer mit Lan-Kabel ans Internet verbunden, ein Kopfhörer und ein Mikrofon ermöglichen mit dem Jamulus-Programm Proben, bei denen die Sängerinnen und Sänger singen und „gleichzeitig“ sich gegenseitig hören können. Die Verzögerung bei dem technisch etwas komplizierten Verfahren beträgt 50 Millisekunden. Die Chorleiterin oder der Chorleiter hört „seine “ Sänger auch – und das auch im Prinzip „gleichzeitig“.
Chorissimo-Chorleiterin Almut Fingerle-Krieger hat dabei ein Mischpult auf dem Bildschirm vor sich und kann gezielt einzelne Stimmen ansteuern. Sie kann also hören, wie ihre Chormitglieder singen und kann gestaltend „eingreifen“.
„Krücke“ und „Brücke“
Die Arbeit mit diesem Programm sei natürlich für alle eine große Herausforderung, sagt sie, und es verlange auch eine entsprechende Vorbereitung bei allen Beteiligten.
Besonders Sänger und Vorstandsmitglied Michael Schmidt hat sich intensiv mit dem Jamulus-Programm beschäftigt und gleichsam als IT-Support ganz wesentlich zu dessen Installierung und erfolgreicher Nutzung bei den Chören in Dudenhofen beigetragen. Wie er berichtet, läuft Jamulus nur auf Windows, Mac oder Linux PC, also nicht auf Tablets oder Smartphones und auch nicht über WLan oder Bluetooth. 50 Sänger können gleichzeitig gehört werden.
Für Almut Fingerle-Krieger ist die Verwendung dieses Programms natürlich ein Notbehelf in diesen schwierigen Zeiten, die fürs Erste wohl so bleiben werden.
Die Chorleiterin sagt: „Vom rein musikalischen Aspekt her ist dieses Proben mit Jamulus natürlich nur eine ,Krücke’, da physisch ein richtiges Zusammenmusizieren unmöglich ist. Zusätzlich ist das Klangergebnis Schwankungen unterworfen und klingt teilweise relativ ,rau’ und gewöhnungsbedürftig. Allen Kritikern und Unkenrufen zum Trotz schätzen sowohl die SängerInnen als auch die ChorleiterInnen diese ,Brücke’, die ein gemeinsames Hörgefühl möglich macht.“ Das erfährt sie auch in Dudenhofen, wo beim Kirchenchor rund die Hälfte der 70 Sängerinnen und Sängern bei den Proben dabei ist – und das bei guter Stimmung. Die „Besetzung“ wechselt dabei, doch mit einem Schwund der Sängerschar rechnet sie nach Ende der Pandemie nicht.
Freude am Singen bleibt
Mit Jamulus können alle das Beste aus der Situation machen, auch die 20 Mitglieder von Chorissimo. Der Kontakt bleibe, der regelmäßige Termin bleibe und die Freude am Singen, da die Sänger das Gefühl haben können, sie singen in einem Chor und hören nicht nur für sich alleine ihre Stimme.
Natürlich passt Almut Fingerle-Krieger das Repertoire den technischen Möglichkeiten an. Allzu komplizierte Rhythmen seien da nicht ratsam. Die vielfach engagierte Sängerin und Chorleiterin probiert nicht nur in Dudenhofen, sondern mit fast all den von geleiteten Chören weiter.