Speyer
Kindermusical „Milch und Honig“
Unter hohem personellen Einsatz und mit großem Engagement hat die Kirchenmusik der Gedächtniskirchengemeinde das Kindermusical „Milch und Honig“ auf die Bühne gebracht. Mehr als 400 Besucher haben bei zwei Aufführungen im Alten Stadtsaal das Stück über den Auszug der Hebräer aus Ägypten und ihrer Wanderung durch die Wüste ins Land, wo Milch und Honig fließen, mitverfolgt.
Der Text stammt von der Speyerer Altistin Simone Pepping. Der in Hannover lebende Komponist Andreas Schmidt hat das Libretto in Arrangements verpackt, die klassische, jazzige und gospelartige Stilistiken bedienen. Auch Rap-Sprechgesänge werden eingestreut. Besonders charakteristisch sind Elemente der jüdischen Klezmermusik, die das unter Gottes Aufsicht stehende Schicksal der späteren Israeliten auf sinnfällige Weise illustrieren. Mit dem Bezug zur jährlichen Feier des Pessach-Festes zur Erinnerung an den Exodus sollte zugleich der Rang Speyers als Teil des jüdischen Städtebunds SchUM im Mittelalter gewürdigt werden.
Israel in Ägypten
Auf der Bühne des Alten Stadtsaals stehen insgesamt knapp 50 Jungen und Mädchen im Alter zwischen sechs und 17 Jahren, die den alttestamentlichen Bericht über die Sklaverei unter der Knute des ägyptischen Pharaos, die Geburt des Befreiers namens Mose, die Plagen, die den Exodus schließlich erzwingen, den beschwerlichen Weg durch die Wüste und schließlich den befreienden Zug durchs Rote Meer mit lebhafter Freude darstellen. In den Hauptrollen sind gesanglich und schauspielerisch Amalia Appelmann (Mose), Helena Pfeifenroth (Aaron) und Praetorius Appelmann (Pharao) zu erleben. Lotta Eitel, Emil Leupold und Paula Schlosser kommentieren als Rabbiner das bunte Geschehen auf der Bühne.
Choreografierte Chor- und Tanzszenen sorgen für Bewegung und Dynamik. Auch die fantasievollen Kostüme fesseln die Aufmerksamkeit der Betrachter. Genäht hat sie unter anderen die aus Kiew stammende Ukrainerin Tamara Didenko, die mit ihren beiden Kindern in Speyer Zuflucht vor den Bedrängnissen des Krieges gefunden hat. Jungen und Mädchen schlüpfen wechselweise in die Kostüme der Hebräer und der Ägypter. Dem Ablauf des Stückes tut das keinen Abbruch.
Hörbare Hochstimmung
Unterdessen leitet Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger am Klavier ein Ensemble mit Christa Bernardi (Flöte), Juliane Sauerbeck (Violine), Gary Fuhrmann (Klarinette, Saxofon), Dietmar Fuhr (Bass), Monika Döring-Wulfert (Akkordeon am Keyboard) und Holger Nesweda (Schlagzeug). Die Musiker verleihen dem Bühnengeschehen mit einem kräftigen, präsenten Sound zusätzlich Farbe und geben den jungen Sängerinnen und Sängern ordentlich Rückhalt. Librettistin Simone Pepping leitet die Aktionen vom Bühnenrand aus.
Für hörbare Hochstimmung im Saal sorgen das Spiritual „Go down Moses“ und das jüdische Friedenslied „Hevenu Shalom alechem“, zu dem die jungen Akteure auf der Bühne eine Art alttestamentliche Disco veranstalten. Auch Humor kommt nicht zu kurz, etwa wenn der reichlich undiplomatische Mose den ägyptischen Pharao rumkriegen will, das Volk der Hebräer doch endlich ziehen zu lassen. Ohne den redegewandteren Aaron müssten die mosaischen Nachkommen wohl heute noch Ziegel in Ägypten brennen.
Selbst bei einer solchen Aufführung darf der Bezug von jener Unterdrückung und Verfolgung zur neueren Geschichte nicht fehlen: Während die Ägypter, von göttlichen Plagen genervt, „Juden raus!“ grölen, wird im Hintergrund der Bühne ein Foto gezeigt, das entsprechende Parolen aus jüngerer Zeit präsentiert. So ist der Exodus nicht wirklich Vergangenheit; selbst im Land, da Milch und Honig fließen, herrscht kein Friede.