Speyer Kinderhospiz wird doppelt beschenkt
Mittwochabend, Viertel vor sieben. Sonnenblinzeln, Hämmern, Wasserrauschen, Gesprächsfetzen auf dem Rathausvorplatz in Dudenhofen. Fünf vor sieben. Die Teilnehmer des Bildhauer-Symposiums legen Hammer und Meißel weg, kehren Staub, herausgehauene Splitter und Brocken zusammen. Zur musikalischen Begleitung der Versteigerung einer Steinplastik stimmt die Big-Band Dudenhofen ihre Instrumente. Tusch, Eröffnung, vier nach sieben. Nicht allzu viele Zuschauer.
Landrat Clemens Körner (CDU) verzichtet auf die namentliche Begrüßung der Gäste, man kennt sich, stattdessen kommt er gleich zum Anlass der Zusammenkunft, zehn Jahre Bildhauer-Symposium. „Damals“: Marliese Goldschmidt ist „frisch ernannte“ Leiterin der Volkshochschule Dudenhofen, hat die Idee zum Bildhauern in der Gruppe. Körner, Ortsvorsteher und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dudenhofen, findet den Vorschlag klasse. Allein schon, weil die Veranstaltung mitten im Dorf die zwanglose Begegnung von Künstlern und Bürgern ermögliche. Im Rückblick beim Landrat gefühlte Erleichterung, „dass am Tatort Rathausplatz bislang alles unblutig über die Bühne gegangen ist“. Zum Jubiläum stellt Marliese Goldschmidt, regelmäßig Symposiums-Teilnehmerin, ihre im Vorjahr fertiggestellte Skulptur, zwei nahe verbundene Menschen, Mutter und Kind, Vater und Kind, für eine Versteigerung zur Verfügung, hofft „auf mehrere Hunderter“. Nicht für sich. Adressat des Zuschlagspreises ist das Kinderhospiz Sterntaler. Auktionator Holger Grimm, Bildhauermeister, jedes Jahr künstlerischer Impulsgeber und Betreuer der Steinklopfarbeiten, bittet die wenigen verstreut Umstehenden näher zu kommen. Schließlich möchte er keinen Fingerzeig übersehen. Einstiegsgebot sind 300 Euro, „gesteigert wird in Hunderterschritten“. Barbara Scherer und Paul Platz von der Kreisvolkshochschule erhöhen auf 500 Euro, Sparkasse und Volksbank im Handumdrehen auf 1000 Euro. Für Grimm „der Breakpoint-Betrag in Fünfzigerabständen weiterzumachen“. Bei 1100 Euro verkrampft für Sekunden sein Arm, verweigert den Zuschlag mit dem schweren Bildhauerknüpfel. Immerhin reduziert Grimm auf Zehnersprünge. „Berlin“ bietet 1200. „Berlin“ ist Peter Schumacher, mit zwei Freunden „speziell für das Symposium“ vom Wohnort Berlin nach Dudenhofen gefahren. Schule in Ludwigshafen, Studium in Mannheim, dann weltweit für die Vereinten Nationen in vornehmlich afrikanischen Bürgerkriegsgebieten unterwegs. Schumacher bildhauert selbst, kennt Goldschmidt, schätzt ihre Arbeit, sagt er, hätte die Plastik gerne mit in die Hauptstadt genommen. Grimm fasst den Knüpfel schon mal fester, fordert 1210 Euro, „damit der Sandstein in der Pfalz bleibt“. Der Landrat, von Amts wegen Patriot, sagt 1220 Euro. Inzwischen hat sich Grimm einen anderen Kandidaten ausgeguckt, appelliert an die Vertreter der Sparkasse: „Sie sind ja zu dritt da.“ Bei einem der drei findet er Gehör. Jürgen Lerch, Sparkasse Dudenhofen, erhält den Zuschlag für 1235 Euro. Behalten will er beziehungsweise das Bankinstitut die Skulptur nicht, er schenkt sie samt Scheck dem Kinderhospiz Sterntaler.