Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Kiesbaggern: Schöpfräder stehen still

Nur noch mit begrenzter „Restlaufzeit“ in Speyer: Kiesbagger-Anlagen der Firma Wolff und Müller.
Nur noch mit begrenzter »Restlaufzeit« in Speyer: Kiesbagger-Anlagen der Firma Wolff und Müller.

Die Zeit des Kiesabbaus in Speyer neigt sich dem Ende entgegen. Die Rohstoffgewinnung ist weitgehend eingestellt. Aktuell wird über Fragen der Renaturierung und Nachnutzung verhandelt. An einem See wird die Speyerer Kies-Geschichte aber wohl noch um ein letztes Jahrzehnt verlängert.

Im Binsfeld ist schon lange Schluss. Im Speyerer Norden ist aus den einst bei der Kiesausbeutung entstanden Seen längst ein Naherholungsgebiet geworden, in dem sich manchmal Freizeitnutzung und Umweltbelange in die Quere kommen. Differenzierter sieht es südlich der A61 aus. Hier waren bis zuletzt die Bagger tätig. Im Elendherbergwühl, der in Verantwortung der Speyerer Firma Vogler war, wurde Ende 2020 der Abbau eingestellt, teilen die Stadt und Firmenvertreterin Gabriele Boiselle mit. „Der Abschluss der Rekultivierung am Inselkomplex ist für das laufende Jahr vorgesehen“, so Stadt-Sprecherin Lisa Eschenbach.

Ein Stück südwestlich, am Wammsee, sei ebenfalls der Betrieb des Schöpfrades eingestellt worden. „Das heißt, der Kiesabbau ist beendet“, so Eschenbach auf Anfrage. Das ganze Jahr 2021 werde nun noch für Anspülungen benötigt, um dort die gewünschten Böschungsneigungen herzustellen. Die Pressesprecherin: „Gesamtende der Rekultivierung ist wahrscheinlich Mitte 2022.“

Brücke am Wammsee

Der Wammsee ist über einen Durchstich mit dem Steinhäuserwühlsee verbunden, der nach dem Ende der Arbeiten bereits 1975 zu einem beliebten Badesee geworden ist. Hier geht es nun laut Stadt um die Wiederherstellung der Wegeverbindung Nord-Süd für Fußgänger und Radfahrer. Eine Brücke dort sei eine Auflage der Plangenehmigung: „Im Moment ist die Stadt gerade in Verhandlungen mit dem Eigentümer des betroffenen Geländes, um die Randbedingungen für das Brückenbauwerk zu klären.“ Ziel sei eine öffentliche Verbindung, die die Stadt auch in ihren Planungen für eine Landesgartenschau-Bewerbung im Jahr 2026 thematisiert. Der Geländeeigentümer Hans-Eberhard Bonnet bestätigt auf Anfrage, dass ihm ein Vorschlag dafür vorliege.

Pläne für Deutschewühl

Noch länger gebaggert werden könnte am Deutschewühlsee. Dort wurde der genehmigte Abbau laut Stadt zwar ebenfalls Ende 2020 abgeschlossen. „Rekultivierungsmaßnahmen werden – soweit möglich – parallel zum Kiesbetrieb durchgeführt. Aktuell laufen Arbeiten am Inselkomplex in der Mitte der Seen“, so Eschenbach. Aber: Kürzlich habe die zuständige Firma eine Tieferbaggerung des Sees beantragt.

In der ursprünglichen Planfeststellung sei lediglich ein Abbaggern bis in eine Tiefe von 16 Metern genehmigt worden. Die späteren Genehmigungen für eine Verbindung der Gewässer Elendherbergwühl und Deutschewühl sowie die Westerweiterung Deutschewühl hätten jedoch eine Abbautiefe von 20 Meter festgelegt. Es gehe nun also um eine Angleichung der Sohltiefe im Bereich des Deutschewühlsees. Lisa Eschenbach: „Bei Genehmigung des Antrags wird ein weiterer Kiesabbau für die Dauer von zehn Jahren prognostiziert. Damit wird der Kiesabbau in Speyer aber ausklingen.“

Unternehmen überlegt noch

Aktuell wird in Verantwortung der Firma Wolff und Müller Quarzsande gebaggert, deren Holding in Stuttgart sitzt. Sie hält sich mit Prognosen über ihre weitere Tätigkeit auf Anfrage zurück: „Wir sind in unternehmerischen Überlegungen, wie wir mit unserem Standort in Speyer weiter verfahren“, sagt eine Pressesprecherin des Unternehmens, das 1936 gegründet wurde. „Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es noch keine finale Entscheidung zu vermelden.“

Die Arbeiten gingen wie gewohnt voran, so Wolff und Müller. Dasselbe gelte für die Renaturierungsaktionen. „Mit diesen wollen wir stets einen Ausgleich zum Abbau der Rohstoffe schaffen“, so die Sprecherin. Dass das Wollen auch ein Müssen ist, betont auf Anfrage die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd als obere Umweltbehörde: Vorgaben dazu habe es schon in den Genehmigungsverfahren gegeben, die aber zum Teil so alt seien, dass „im Laufe der Vorhaben meist umfangreiche Anpassungen der Planung erforderlich“ geworden seien.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Wandel geht weiter

Wenn die Kiesbaggerei endet, wird das ein wirtschafts- und umweltpolitischer Einschnitt für Speyer und die Region.

Der Abbau von Baustoffen hat die Landschaft verändert. Aus früher agrarisch genutzten Flächen sind erst Rohstoff-Gewinnungsgebiete, dann teilweise Naherholungsflächen geworden. Mit dem Binsfeld und all seinen Segnungen sowie Problemen vor Augen, sind bald spannende Fragen im Hinblick auf die Seen südlich der Autobahn zu klären. Der Brückenbau und die Landesgartenschau werfen darauf erste Schlaglichter: Wo wird die Öffentlichkeit in welcher Weise erwünscht sein?

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