Speyer
„Kein toter Winkel mehr“
Hauptsächlich für die Bau- und Dämmstoffindustrie ist die Unternehmensgruppe Haaf im Einsatz. Das bedeutet Einsatzfahrten mit Lastkraftwagen im innerstädtischen Verkehr. Für mehr Sicherheit – sowohl der Fahrer als auch anderer Verkehrsteilnehmer – soll nun eine neue Technologie sorgen.
Von Susanne Kühner
Römerberg. Die Entwicklung aus dem Hause Mercedes Benz, die bei der Berghausener Spedition mit weiteren Standorten unter anderem Dudenhofen und Schifferstadt zum Einsatz kommt, nennt sich „Mirror Cam“. Dahinter verbirgt sich eine spezielle Kameratechnik, die dem Fahrer der Lastwagen einen Rundumblick ermöglicht. „Der Fokus liegt auf dem Thema Sicherheit“, macht Vertriebsleiter Julian Kümmerle im Gespräch mit der RHEINPFALZ deutlich.
Rund 220 Fahrzeuge sind im Auftrag von Haaf täglich im Einsatz, davon zählt der größte Teil zur eigenen Flotte. 15 Lastwagen sind mit der neuesten Technik bereits ausgestattet. „Wir haben durchaus vor, das weiter auszurollen“, merkt Kümmerle an. Bei Neuanschaffungen soll jeweils an die Mirror Cam gedacht werden.
Die Mitarbeiter reagierten positiv auf die neue Methode. Der Assistent der Fuhrparkleitung Sutan Wunsch hat festgestellt: „Sie ist auf jeden Fall eine Erleichterung.“ Vom Sitzplatz hinter dem Lenkrad aus erläutert er die Funktionen der Rundum-Kamera. Deren Aufnahmen werden auf zwei großen, rechteckigen Displays links und rechts in der Kabine wiedergegeben. „Bisher hatten wir lediglich einen normalen Brems- und Spurhaltungsassistenten“, sagt Wunsch und ergänzt: „Das Fahrzeug jetzt ist einen Tick besser, da es voll aktiv die unmittelbare Umgebung des Lkw anzeigt, auch Fußgänger oder Radfahrer.“ Ein gelbes Warndreieck auf dem Monitor erzeugt als Erstes Aufmerksamkeit, ein rotes macht Gefahr deutlich.
In 15 neu angeschafften Lkws
Hilfslinien, gelb gestrichelt, lassen den Fahrer Abstände besser erkennen, beispielsweise seitlich oder beim Abbiegen mit Hänger. „Es gibt nahezu keinen toten Winkel mehr“, bringt Kümmerle auf den Punkt. Rein technisch gebe es dank der Rundumkamera keine Ecke, die nicht angezeigt werde. „Wir wollen keine Fahrer ersetzen, sondern ihnen möglichst viele Hilfsmittel an die Hand geben“, stellt der Vertriebsleiter heraus.
Seit Jahrzehnten sei die Haaf-Gruppe an fortschrittlichen Systemen interessiert und nutze diese auch. Die neueste Errungenschaft der Mirror Cam ließ sich die Firma einiges kosten. „Wir haben bei den neu angeschafften 15 Fahrzeugen jeweils 5000 Euro für das umfangreiche Sicherheitspaket investiert, davon allein mehrere tausend Euro in die Mirrorcam“, so Kümmerle. Zum Paket gehört neben Abstandsregler und Tempomat auch der Eco-Modus oder die Überwachung der Lastenverteilung.
„Die Fahrer bekommen eine Schulung“, informiert der Vertriebsleiter, der seit zehn Jahren bei Haaf beschäftigt ist. Zusätzlich könnten sie eine Bedienungsanleitung mittels Smartphone-App herunterladen. „Auch das kommt sehr gut an.“ Seit zwei Wochen etwa ist die Mirror Cam nun im Einsatz. Technische Probleme habe es bislang nicht gegeben. „Ich denke, dass wir bei dem Thema auch ein bisschen Vorreiter und eines der ersten Unternehmen in der Region sind, die die Technik eingeführt haben“, meint Kümmerle. Gesetzlich vorgeschrieben, ergänzt er, seien solche Sicherheitssysteme bislang nicht.