Speyer
Kein Streit an der legalen Graffitiwand im Woogbachtal?
Das neueste Kunstwerk ist nicht das erste im Woogbachtal, für das Max Schneider verantwortlich zeichnet. Der junge Speyerer ist vom Hobby-Sprayer zum Profi geworden und hat die Firma Wandkunst Speyer gegründet, von der inzwischen etliche Kunstwerke im öffentlichen Raum stammen. Er war mit Kompagnon Jan Leon Schilling gleich dabei, als die Initiative des Speyerer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Jan Wolf für eine legale Graffitiwand im Großformat zum Tragen kam. Im Juni wurde eine „Brückenparty“ unter dem Beton-Bauwerk gefeiert, und die ersten Kunstwerke entstanden.
„Ich habe schon ein paar Mal gecrosst“, erzählt Schneider. Das heißt in der Sprayer-Sprache: Er hat ein älteres Wandbild übersprüht – wobei es der Ehrenkodex der Szene untersagt, ein besseres Graffiti zu zerstören. Im Woogbachtal gehört der 19-Jährige zu den häufigsten Nutzern und hat in Bezug auf seine eigenen Werke natürlich freie Hand. An zwei Tagen – „Roharbeit“ sechs Stunden – ist zuletzt in dunklen Lacktönen der coole Typ mit Zigarre entstanden, dessen Konterfei den 1,95 Meter großen Schneider deutlich überragt: Arthur Shelby, ein Charakter aus der erfolgreichen Gangsterserie „Peaky Blinders“.
Bewegung erwünscht
Die ständige Bewegung sei erwünscht, sagt Schneider, der sich dennoch freut, wenn seine Motive eine Zeit lang erhalten bleiben. Zwei Wochen wären ihm schon recht, sagt er. Ein Ende sei dabei nicht absehbar – und theoretisch müsste ja von Farbauftrag zu Farbauftrag die Qualität steigen. Bevor ein neues Kunstwerk begonnen wird, wird der Vorgänger überstrichen. Dafür reichen laut Schneider alte Farben aus dem Keller. Dann erst wird die Sprühdose gezückt. Es seien zahlreiche Farbschichten übereinander möglich. In Großstädten gebe es manchmal so viele, dass ein Stück vom Wandbelag abfalle, bevor es weitergehe. Aber das werde in Speyer in den nächsten zehn bis 20 Jahren nicht passieren, prognostiziert der Künstler.
An der Kunstkulisse im Woogbachtal funktioniere das Miteinander der überschaubaren Szene recht gut, sagt Schneider. Neben Speyerern und Otterstadtern, die quasi wöchentlich als Stammgäste am Bauwerk zwischen der Weststadt und Dudenhofen am Werk seien, gebe es „Graffiti-Touristen“ vorwiegend aus dem Mannheimer, Ludwigshafener und Heidelberger Bereich. Während die Wandkunst-Aktiven und Co. Wert darauf legten, nur legal zu sprühen, könne er nicht für alle Besucher die Hand ins Feuer legen, sagt Schneider. Klar sei aber: An der Speyerer Wand gibt’s in dieser Hinsicht keine Probleme. Auch komplette Neulinge könnten zum Zug kommen – sofern sie gemäß dem Ehrenkodex keine schöne Stelle übermalen, sondern sich in einem anderen, noch freien Bereich ausprobieren.
Mehrere Kooperationspartner
Die Idee für das legale Angebot war aus der therapeutischen Arbeit von Psychotherapeut Wolf heraus entstanden, nachdem Klienten berichtet hatten, dass es in Speyer an einer Fläche für legale Graffiti fehle. Eine kleinere Wand am Spielplatz im Erlich sei schnell gefüllt gewesen, hatte er der RHEINPFALZ berichtet. Wolf knüpfte dann Kontakte und bekam nicht nur das Okay der Stadt Speyer und des Landesbetriebs Mobilität (LBM) für das Projekt, sondern fädelte auch Kooperationen mit der städtischen Jugendförderung, dem Stadtteilverein West und der Donaudeutschen Landsmannschaft ein. Eine Anschubfinanzierung kam aus dem Verfügungsfonds für Speyer-West.