Speyer Kein Milchmann zu sehen

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„Man sieht niemals einen Milchmann in Speyer. Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung im Zentrum, aber trotzdem bleiben die Straßen gänzlich unfallfrei, möglich durch das Fußgängerüberwegsystem. Dieses zeigt das Bild eines kleinen Mannes, der rot ist, wenn die Fußgänger nicht über die Straße gehen dürfen, und grün, wenn sie dürfen. Dieses System könnte zum Vorteil auch in Spalding angewandt werden.“ Mit diesen und ähnlichen Neuigkeiten wurden die Leser der „Lincolnshire Free Press“ nach einem Besuch aus der englischen Partnerstadt im Oktober 1963 in Speyer vertraut gemacht. Zu diesem Zeitpunkt bestanden Speyers ältesten Freundschaftsbande bereits seit sieben Jahren. Ernst Franck, ehemaliger Verwaltungsdirektor der Stadt: „Als die Partnerschaft 1956 gegründet wurde, lag es nahe, sie im Büro des Oberbürgermeisters anzusiedeln. Entstanden sind die Partnerschaften seinerzeit auf Initiative des Rats der Gemeinden und Regionen Europas.“ Er erinnere sich noch daran, wie damals eine Spaldinger Abordnung von Schulaufsichtsbeamten, die eigentlich bei Neustadter Kollegen zu Gast war, einen Ausflug nach Speyer unternahm. „Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen, dass Speyer gut zu Spalding passen würde.“ Der spätere Beauftragte für Städtepartnerschaften: „Das war natürlich ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte.“ In den ersten Jahren, das scheint ein Blick ins Archiv zu bestätigen, tat man sich auf beiden Seiten etwas schwer mit der Initiative. 1957 gab’s einen gegenseitigen Besuch offizieller Delegationen und gleichzeitig einen ersten Schüleraustausch zwischen dem Städtischen Gymnasium und der Spalding High School. Aber so richtig in Schwung kamen die Beziehungen erst Mitte der 1960er Jahre nach Besuchen von OB Paulus Skopp (SPD) sowie Beigeordnetem Georg Tochtermann (SPD) in Spalding (1963) und Gegenbesuchen englischer Delegationen (1963, 1965). Danach gestalteten sich die Austausche englischer und deutscher Partner mit zu den intensivsten innerhalb der Speyerer Partnerschaften. An ihnen beteiligt waren – um nur einige zu nennen und die Vielfalt der Kontakte zu unterstreichen: Fußballverein (heute FC Speyer 09), Hockeyclub, Ring Politischer Jugend, Round Table, Hans-Purrmann-Gymnasium, Trompeter Helmut Erb, Organist Diethelm Kaufmann, Speyerer Funker, Mozartchor, Kammermusikgruppe, Wassersportverein, Speyerer Reitclub, TSV, Landwirte, Kirchenchor St. Joseph, Musikschule Martin, Mozartchor, Radsportclub Vorwärts, Motettenchor, der Junge Chor Speyer, Christuskirche, Edith-Stein-Gymnasium, Nikolaus-von-Weis-Gymnasium. Wechselseitig werden immer wieder Ausstellungen organisiert. Regelmäßige Bürgerreisen stärken die Bande. Besonders gut besucht sind die Jubiläumsfahrten, die Spaldinger gern gesehene Freunde und bereichernd beim Brezelfest sowie Weihnachtsmarkt. Und aus dem jeweiligen Stadtbild nicht wegzudenken sind die Speyer-Avenue in Spalding und die Spaldinger Straße in Speyer. Bei aller Zufriedenheit mit bisherigen Erfolgen wissen die Freunde der Partnerschaft aber auch um die Gefahren, die im 60. Jahr ihres Bestehens den Himmel durchaus verdunkeln. Wie berichtet, sind beim Freundeskreis „Friends of Speyer“ auf der Insel Auflösungsbestrebungen im Gang, die schon deshalb verhängnisvoll enden können, weil die Politik im District South Holland, zu dem Spalding gehört, ihre Unterstützung der Städtepartnerschaft längst eingestellt hat. Peter Kerstjens, Vorsitzender des Freundeskreises Speyer-Spalding, hofft deshalb zum Jubiläum, zu dem zurzeit 30 Spaldinger Partner bei ihren Speyerer Freunden weilen, „dass die nachfolgende Generation von unseren positiven Erfahrungen angespornt wird, sich auf solche länderübergreifenden Erfahrungen einzulassen.“ Kerstjens. „Es lohnt sich.“ Termine Heute, 20 Uhr, Festakt für geladene Gäste im Historischen Ratssaal; Sonntag, 10.30 Uhr, St.-Josephs-Kirche, 11 Uhr Christuskirche ökumenische Gottesdienste. Danach Besuch Brezelfest-Umzug. Sonntag, 18 Uhr, Freundschaftsabend, „Waldeslust“.

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