Speyer Kein Lehrer, kein Bio

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Vertretungen für Lehrer zu finden, die Vätermonate in Anspruch nehmen, ist zunehmend ein Problem, beklagt der Landeselternbeirat. Betroffen ist auch das Schifferstadter Paul-von-Denis-Gymnasium gewesen: Sechs Wochen lang fiel ein Biologie-Leistungskurs aus, weil der Lehrer in Elternzeit war.

Sechs Wochen lang kein Bio – für manche Schüler alles andere als eine Katastrophe. Für Oberstufenschüler, die die Abi-Prüfung schon in Sichtweite haben, könnte es aber eine werden. Doch Burkhard Fischer, stellvertretender Schulleiter des Paul-von-Denis-Gymnasiums, relativiert. Zwar sei der Unterrichtsausfall des Biologie-Leistungskurses bedauerlich, die Schüler hätten aber für das Abitur keine Nachteile beziehungsweise Wissenslücken. Einen Teil der Stunden übernahm eine Chemie-Lehrerin. „Die Fachgebiete Biologie und Chemie überschneiden sich zum Teil“, erklärt Fischer, dieser Stoff sei vermittelt worden. Außerdem erhielten die Schüler Aufgaben, um sich selbst den Stoff zu erarbeiten, dabei wurden sie zeitweise von Pädagogen unterstützt. „Das ist sicher nicht der Stein der Weisen und auch nicht so optimal wie eine adäquate Vertretung – aber eben besser als nichts“, sagt Schulleiterin Gabrielle Steinbach. Es war der erste Fall am Schifferstadter Gymnasium, es wird mit Sicherheit nicht der letzte sein, denn die Schule hat laut Steinbach ein recht junges Kollegium. Die Schulleiterin stellt aber auch klar: Sie ist kein Gegner der Vätermonate. Sie befürwortet den Trend in der Gesellschaft, Väter mehr in die Kindererziehung einzubinden. Dennoch muss sie zugeben, dass sie hofft, dass nicht so viele Lehrer ihres Kollegiums die Vätermonate in Anspruch nehmen. Denn die Schulen hätten derzeit nicht die Mittel, den kurzzeitigen Unterrichtsausfall – in der Regel sind es acht Wochen – zu ersetzen. Es gibt zwar eine Liste von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion mit potenziellen Vertretungslehrern aus ganz Rheinland-Pfalz, die ihr Studium abgeschlossen und noch keine Planstelle haben, erläutert Steinbach. Doch diese Lehrer suchten in der Regel eine Vertretungsstelle für ein halbes, meist für ein Jahr. „Zudem müsste die Fachqualifikation genau passen“, sagt sie. Seit gut acht Jahren bedient sich die Schule aus dem Vertretungspool des landesweiten Programms „Personalmanagement im Rahmen Erweiterter Selbstständigkeit von Schulen“, kurz: PES. Dieser ist jedoch laut Fischer nicht für Vätermonate vorgesehen, sondern für kurzfristige Ausfälle bei Krankheit. Die Vätermonate fallen unter den sogenannten strukturellen Ausfall, wofür keine Verträge mit PES-Lehrern geschlossen werden dürfen. Fazit: Einen Vertretungslehrer genau für acht Wochen zum passenden Zeitpunkt mit der benötigten Fachqualifikation zu finden, ist laut Steinbach so gut wie unmöglich. Das Problem mit den Vätermonaten ist dem Innenministerium bekannt: „Es ist aber kein Massenphänomen“, sagt ein Sprecher, sondern komme eher punktuell vor. In Ballungszentren wie Landau, Mainz oder Koblenz, wo viele Absolventen von pädagogischen Hochschulen wohnen, sei es für die betroffenen Schulen einfacher, Vertretungslehrer zu finden. Andere Schulen hätten bei Ausfällen für die Oberstufe Lehrer aus dem Kollegium, die in der Mittelstufe unterrichten, abgezogen. Von diesem „Umschichten“ halten Steinbach und Fischer nicht viel: Zum einen sei das Stundenplan-System sehr komplex. Es aufzubrechen, sei immer mit organisatorischen Komplikationen verbunden. Zum anderen hätten viele Lehrer das Maximum ihres Stunden-Deputats erreicht. Außerdem entstünden Ungerechtigkeiten: „Wie soll ich den Eltern von Zehntklässlern zum Beispiel erklären, dass ihre Kinder nun acht Wochen kein Biologie haben, weil der Lehrer für die Oberstufe unterrichten muss?“, fragt Fischer. Auch die Elternvertreter sind vom „Umschichten“ zu Lasten unterer Stufen nicht begeistert: „Die Schüler einer Jahrgangsstufe hätten doch dann ein ganz unterschiedliches Niveau in dem Fach“, befürchtet Andrea Silber, Vorsitzende des Schulelternbeirats. „Wir brauchen wieder die Feuerwehr-Lehrer, also einen Pool von ausgebildeten Vertretungslehrern, wie es ihn in den 70er/80er-Jahren gegeben hat. Denn wenn ein solcher Anspruch vom Gesetzgeber gewollt ist, dann müssen auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden“, sagt sie. Das wäre auch für Steinbach ein Lösungsansatz. Ein anderer wäre, Personal und finanzielle Mittel der Schulen aufzustocken, sodass ein Puffer für solche Unterrichtsausfälle zur Verfügung steht. Mit so einem „Speckgürtel“, wie Steinbach ihn nennt, seien die Schulen flexibler. Lehrer aus dem Kollegium könnten eher einspringen oder Vertretungslehrer mit guter Bezahlung oder einer Wohnung für kurzfristige Einsätze gelockt werden. „Doch das kostet Geld, und wir sind alle zum Sparen verpflichtet“, bringt sie es auf den Punkt.

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