Speyer (K)ein Halleluja

Die „Wolfsnächte“ werden langsam, aber sicher zu einer Institution in Speyer. Dahinter steckt eine Tour der Metal-Band Powerwolf – mit Station in der Halle 101; am Freitagabend haben die Musiker eine ordentlich exaltierte Show abgeliefert.
Bei dem Bandnamen denkt man vielleicht an ein Küchengerät oder einen Häcksler, aber die Musiker zelebrieren ihre Auftritte mit dicker Theaterschminke, ganz viel Pathos und dem einen oder anderen Augenzwinkern als „Heavy-Metal-Messe“. Sänger Attila Dorn, der angeblich für die Musik aus einem vergessenen Karpatenwinkel in das Land von Grillschwenker und Oskar Lafontaine übergesiedelt war, gab den Zeremonienmeister. Und die Halle tobte. Nicht 101, sondern eher 1001 Zuschauer versammelten sich für die schon lange ausverkaufte Show, denn die Wölfchen hatten in ihrer Frühphase, als sie noch an der metaphorischen Zitze hingen, in der Domstadt bleibenden Eindruck hinterlassen. Mittlerweile haben sie mit sechs Alben, von denen die letzten beiden auf Anhieb in die Top Ten der Albumcharts eingestiegen sind, die Provinz samt Schwenker hinter sich gelassen. Die Touren gehen inzwischen durch Europa, und in Deutschland spielt die Band in voll besetzten Hallen. Allerdings spaltet der bombastische, hymnenhafte Sound, die große Pathos-Keule und vermutlich auch der Erfolg von Powerwolf die Metal-Szene, die ja dazu neigt, sich sehr ernst zu nehmen, in glühende Verehrer und „die Anderen“. Aber da man ja freiwillig auf ein Konzert geht, feierten die Zuhörer in Speyer die Wölfe zwischen jedem Song so ab, dass die Anfeuerungen fast heftiger aufs Trommelfell drückten als die Gitarrensalven der Gebrüder Greywolf. Und der quasi-sakrale Mummenschanz macht im Schatten des Doms auch irgendwie doppelt so viel Spaß als anderswo. Vom neuen Werk gab es unter anderem den sehr keyboardlastigen Titelsong „Blessed & Possessed“ zu hören. Aber für die Fans der früheren Alben war mit Krachern wie „Sanctified With Dynamite“ und „Amen And Attack“ oder dem Klassiker „Ressurection By Erection“ auch gesorgt. Dementsprechend ging es dann auch rund bis in die letzte Reihe mit Headbanging und Halleluja. Neben Saarländern waren auch Sauerländer – als Vorband – vertreten: Orden Ogan sind schon seit Urzeiten im Underground aktiv. In Speyer hatten sie zwar keine nennenswerte Lichtshow bekommen, machten ihre Sache aber sehr ordentlich. Das Publikum war der gleichen Meinung und sang die Folk-Metal-Hymnen fleißig mit. Den Auftakt zu diesem Teil der „Wolfsnächte“-Tour machte mit Xandria ein Nightwish-Ähnlichklinger. So wurde der Abend zu einer runden Sache.