Speyer
Kaufhof: Zuversicht in Speyer nach Standortentscheidung
Es ist nicht das erste Mal innerhalb weniger Jahre, dass um Galeria Kaufhof in Speyer gezittert werden musste. Schon bei früheren Insolvenzverfahren wurden viele der einst 172 Filialen geschlossen. Der Name der Speyerer Filiale war nie darunter. Das ist auch diesmal so: Beim letzten verbliebenen Standort des Warenhaus-Konzerns in der Pfalz geht es weiter.
„Ich bin froh und erleichtert, dass der historisch gewachsene Kaufhof am Standort erhalten bleibt“, betont Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Die Filiale in der Maximilianstraße sei seit mehr als 50 Jahren „Dreh- und Angelpunkt der innerstädtischen Versorgungsstruktur“. Es hätte für die Stadt und den innerstädtischen Einzelhandel „enorme negative Entwicklungen“ mit sich gebracht, wenn sie geschlossen worden wäre. Das gelte auch für die mehr als 60 Beschäftigten aus Speyer und dem Umland. Auch wenn die Schließungswelle Speyer nicht betrifft, sieht Seiler Handlungsbedarf: Leitung und Belegschaft der Filiale müssten den „Wandel des Innenstadthandels mitgestalten“ und mit innovativen Konzepten dafür sorgen, dass der Standort umsatzstark und sicher bleibe.
„Ungewissheit muss ein Ende haben“
Der Speyerer Landtagsabgeordnete Michael Wagner (CDU) und sein Parteikollege, das Bundestagsmitglied Johannes Steiniger, hatten sich schon in den vorangegangenen Insolvenzverfahren immer wieder für den Speyerer Standort stark gemacht. Wagner äußert sich jetzt zufrieden: Er freue sich für die Stadt, die Konsumenten und vor allem die Arbeitnehmer, dass „uns allen unser Speyerer Kaufhof erhalten bleibt.“ Er hoffe, dass dieser nun endlich in ruhigeres Fahrwasser kommt: „Die permanente Ungewissheit für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer muss ein Ende haben.“ Dafür müssten die Firmenvertreter „ein für Kaufhof tragfähiges Konzept erstellen, das die Konsumenten wieder für das Warenhaus begeistert“. Solange der Kunde mit den Füßen abstimmt, also entscheide, ob er im Warenhaus einkauft, „solange hat der Kaufhof eine Chance“.
Neue Eigentümer des Konzerns sollen NRDC Equity Partners, eine in New York ansässige Investmentgesellschaft und BB Kapital SA von Investor Bernd Beetz werden. Weitere Entscheidungen trifft die Gläubigerversammlung am 28. Mai in Essen.
Im Speyerer Kaufhof-Betriebsrat sind die Gefühle zwiespältig, wie dieser auf Anfrage mitteilt: Freude über den Erhalt der Filiale, Dank an die Kunden für ihre Loyalität und an die Kollegen für ihr „Herzblut“ seien auf einer Seite, Sorgen um die Kollegen in den „Schließungsfilialen“ auf der anderen.
Auch Hussel-Filiale gerettet
Erleichtert zeigte sich am Montag auch Peter Bödeker als Vorsitzender der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“: Der Kaufhof sei ebenso wie eine gute Erreichbarkeit ein Garant für eine belebte Speyerer Innenstadt. Davon profitierten viele andere Gewerbebetriebe. „Und solange die Innenstadt eine gute Frequenz hat, wird dieser Kaufhof leben.“ Gerade die Vielfalt des Angebots sei dabei ein Erfolgsrezept, denn wenn der Standort etwa von einem großen Modehändler belegt würde, wäre dies für zahlreichere kleinere Geschäfte nachteilig.
Der städtische Wirtschaftsförderer Mario Daum stellt den Erhalt in Zusammenhang mit der Nachricht, dass auch die Speyerer Hussel-Filiale gerettet sei: Die Übernahme von rund 160 Standorten durch VIBA sweets erhalte 600 Arbeitsplätze. „Beide Entscheidungen verdeutlichen, dass die Speyerer Innenstadt attraktiv ist.“
