Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Kandidaten für den Hans-Purrmann-Förderpreis der Stadt Speyer

Teil der Rauminstallation von Jörg Sobott.
Teil der Rauminstallation von Jörg Sobott.

1965 wurde zum 85. Geburtstag des großen Speyerer Künstler Hans Purrmann erstmals ein Förderpreis ausgelobt und alle drei und seit 2015 zwei Jahre verliehen. 2021 ist es wieder soweit. Die Verleihung wurde diesmal vom Frühjahr auf den Herbst verschoben. Am Samstag wird die Gewinnerin oder der Gewinner verkündet und ausgezeichnet. Seit 2017 wird der Preis von der Hans Purrmann Stiftung München getragen wird. Hier die zehn Teilnehmer.

Bastian Gehbauer:

Menschenleer, steril, klinisch rein: Der Berliner Fotograf Bastian Gehbauer hat fünf Portale aus diesem und dem vergangenen Jahr für seine Bewerbung zum Hans-Purrmann-Preis eingereicht. Areale, Brüstung, Scheiben, Standpunkt. Eine der Pigmentdruck-Arbeiten bleibt ohne Titel. Gehbauer zeigt in seinen Bildern Orte, die einerseits alltäglich sind, andererseits den meisten Mitmenschen verborgen bleiben. Er stellt die Metapher Portal als Übergang von einem Ort oder Moment in einen an-deren dar. Sein Studium hat der Foto-Künstler 2008 an der Berliner Humboldt-Universität mit dem Bachelor oft Arts abgeschlossen und 2019 sein Diplom an der Leipziger Akademie Of Fine Arts erworben.

Catalin Pislaru:

Mit Acryl- beziehungsweise Sprühfarbe auf Tischtennisplatten bewirbt sich der moldawische Künstler Catalin Pislaru für den diesjährigen Purrmann-Preis. Mit seinen zwei Bildern ohne Titel von 2028 und 2020 entwickelt er Lösungen für selbst eingebaute Hürden. Der Betrachter entdeckt Vertrautes und gleichzeitig Unbekanntes. Hinter Pislarus abstrakten Oberflächen wird der Künstler dennoch konkret, nahezu figurativ. Weiße Linien stellt er ins Verhältnis zum Bildraum. Der 1988 in Chișinău, Moldawien geborene Künstler lebt und arbeitet in Düsseldorf. Seine Ausbildung hat Pislaru an der Münchner Akademie der Bildenden Künste 2018 als Meisterschüler mit dem Akademiebrief abgeschlossen.

Alina Grasmann:

Sie arbeitet klassisch mit Öl auf Leinwand. „Sculpting In Time 6“ (20209 und „The Montauk Project (My Life As A Man)“ (2018) bringt die Künstlerin großformatig ein. An von ihr erschaffenen Orten fühlt sich der Betrachter wohl, findet sich in der eigenen Sehnsucht wieder. Grasman lebt und arbeitet in ihrer Geburtsstadt München. Hier und in Wien hat sie Kunst beziehungsweise Fotografie studiert, gemodelt und im New-Yorker Stadtteil Brooklyn von 2017 bis 2018 am Artist-in-Residence Programm der NARS-Foundation teilgenonnen. Dem Einfluss der Fotografie auf die Malerei widmet die 32-Jährige viel Raum, Ästhetiken der Internet-Bilderflut faszinieren sie. Die Kompaktkamera ist ihr Skizzenblock. Fotografisch festgehaltene Umgebung inspiriert Grasmann zum nächsten Ölgemälde.

Jörg Sobott:

Sechs Pigmentdrucke und eine Rauminstallation wirft Jörg Sobott als Purrmann-Preis-Bewerbung in den Hut. Die Arbeiten sind zwischen 2019 und 2021 entstanden. Von 2007 bis 2012 hat der 1986 in Riedlingen geborene Künstler an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert. Alternative Designvorschläge für Alltagsgegenstände wie beispielsweise eine Zuckerdose sind humorvolle Merkmale seiner Kunst. Damit sprengt Sobott Grenzen des gutbürgerlichen Geschmacks. Die Grundlage für alles bilden Material, Form und Farbe. Seine Millimeterpapier-Zeichnungen kombiniert Sobott mit Fotografien und typografischen Elementen. „Kleine Missgeschicke“ nennt er Drucke, die Glasuntersetzer oder Bleistiftspitzer im neuen Gewand zeigen.

Hanna Kaminski:

Ohne Titel: Die beiden von Hanna Kaminski eingereichten Arbeiten bezeichnet die Künstlerin nach dem eindeutigen o.T. in Klammern mit (mit gelbem Strich) und (Krise). 1988 in San Francisco (USA) zur Welt gekommen, lebt und arbeitet die Künstlerin heute in Berlin. Studiert hat sie an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, seit diesem Jahr ist Kaminski an der Berliner Akademie der Künste eingeschrieben. Die Grundlage ihrer Malerei sind bunte Flächen, auf der sich angedeutete Figuren bewegen. In Farbe und Darstellung sind die Bilder der Künstlern amerikanischer als viele ihrer europäischen Kollegen. Leicht, verspielt, aber niemals ohne Botschaft erschließen sie sich dem Betrachter.

Enric Fort Ballester:

Rund zwölf Quadratmeter umfasst die Installation Performance Skulptur „Silent Condition“, die Enric Fort Ballester zwischen 2014 und 2017 erschaffen hat. Etwas weniger Platz benötigt die Aluminium-Skulptur mit dem Titel „The End Of Caresses. Taurus (Farnasse)“, mit der sich der Performance-Künstler ebenfalls für den Purrmannpreis bewirbt. Der gebürtige Spanier hat 2009 sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig aufgenommen. Heute lebt und arbeitet der 34-Jährige in Hannover. In seinen multimedialen Arbeiten lotet er Zwischenmenschliches und soziale Einstufungen aus. Seine Machtverhältnisse sind visualisiert. Ballester beschreitet neue, inspirierende Wege der Kunst.

Alexander Janz:

Auch Alexander Janz bringt eine Installation ein. Sein „House with sound of Harmonica“ beeindruckt als Spielhaus für Kinder inklusive Klimaanlage, Lüftungsgitter, Teppich und Mundharmonika. Weitaus kleinformatiger kommt der Vierfarb-Siebdruck daher, den der Künstler vor zwei Jahren fertiggestellt hat. Janz wurde 1994 in Villingen-Schwenningen geboren, studierte ab 2012 Freie Kunst an der HBK Braunschweig. 2018 schloss er mit Diplom ab. Ihn treibt die künstlerisch-architektonische Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Beeinflussung an. Er erhielt 2016 Ein DAAD-Stipendium führte den Künstler 2016 fünf Monate zum Institut Teknologi Bandung in Indonesien. Im Anschluss verbrachte er ein Auslandssemester an der Malmö Art Academy in Schweden.

Thorben Eggers:

Nicht weit entfernt von seiner Geburtsstadt Flensburg lebt und arbeitet Thorben Eggers in Hamburg. Kunst hat der 33-Jährige in Düsseldorf und Wien studiert, an der Universität Duisburg-Essen Philosophie. Mit „Interior“ 1 und 6 hat er sich in Öl auf Leinwand im Groß- und Kleinformat für den Purrmannpreis beworben. Eggers macht den ersten Schritt zur Ölmalerei am Computer. Entstandene Programmkompositionen der digitalen Bilder übersetzt der Künstler mit Öl auf Leinwand in ein neues, erweitertes Bildformat deutlicher Farbkontraste auf der entgrenzten Leinwand. Ihn interessiert dabei das Spannungsfeld zwischen Objektivität und Individualität.

Christian Retschlag:

Christian Retschlags „Diktatorenvase“ steht auf einem Podest. Gemeinsam mit aus Silbergelantine gefertigten „Maus“, „Ananas“ und „Henry“. Der Künstler inszeniert seine Fotografien ohne Anspruch auf Authentizität. Mit Vorbildern aus der Kunst- und Filmgeschichte beschwört er Erinnerungen herauf, die bleiben. Seine Maus scheint in einem Buch zu lesen. Bei näherer Betrachtung putzt sie sich jedoch andächtig. Retschlag ist 1987 in Magdeburg zur Welt gekommen, hat am

Art Center College of Design, Pasadena (USA) und an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig studiert. Er lebt und arbeitet in Hannover.

Philipp Valenta:

Mit aus internationalen Banknoten ausgeschnittenen Blüten bewirbt sich Philipp Valenta. Konzeptkunst, Geld, Wert und Wertigkeit sind die künstlerischen Schwerpunkte des 34-Jährigen. Der Künstler zeigt eindringlich auf, wie aus Geld Kunst entstehen kann, aber niemals umgekehrt. Valentas Blüten-Objekte definieren Wert, Erfolg und Exklusivität. Seine Installation „We Mesure Fame“ voller goldener und silberner Plastikpokale auf Marmorsockeln erklärt Valentas kritische Auseinandersetzung mit Material und Materiellem. Geboren ist er in Hattingen, studiert hat er in Münster, Hildesheim und Braunschweig. Valenta lebt und arbeitet abwechselnd in Hildesheim, Oberhausen und Hattingen.

Verleihung

Die Preisverleihung erfolgt am 25. September in einer Feierstunde für geladene Gäste im Historischen Rathaus mit anschließender Ausstellungseröffnung im Kulturhof Flachsgasse. Bis einschließlich 24. Oktober sind die Arbeiten der Finalistinnen aus beiden Wettbewerben in den Räumen der Städtischen Galerie und des Kunstvereins zu sehen.

Ein Bild von Aline Grasmann.
Ein Bild von Aline Grasmann.
Alexander Janz: „House with Sound of Harmonica“.
Alexander Janz: »House with Sound of Harmonica«.
Die Dikatorenvase von Christian Retschlag.
Die Dikatorenvase von Christian Retschlag.
Philipp Valenta: Pekuniäre Kunst mit Blüten aus Geldscheinen.
Philipp Valenta: Pekuniäre Kunst mit Blüten aus Geldscheinen.
Von Enric Fort Ballester,
Von Enric Fort Ballester,
Von Catalin Pislaru.
Von Catalin Pislaru.
Von Bastian Gehbauer.
Von Bastian Gehbauer.
Von Christian Retschlag.
Von Christian Retschlag.
Aus seiner Arbeiten von Thorben Eggers.
Aus seiner Arbeiten von Thorben Eggers.
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