Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Kampf gegen Leerstände: Hoffnungen in neues Immobiliennetzwerk

Soll neu vermietet werden: früheres Stoffhaus.
Soll neu vermietet werden: früheres Stoffhaus.

Ein neues Immobiliennetzwerk solle Leerstände in der Stadt zielgerichteter vermeiden. Dazu trafen sich am Dienstag zum ersten Mal Experten, die Gebäude vermarkten.

„Wir brauchen bessere Vernetzung, insbesondere im Bereich Gewerbeimmobilien“, sagte der städtische Wirtschaftsförderer Mario Daum. Deshalb will seine Stabsstelle ein Netzwerk von Immobilienexperten errichten. Sie lud Makler verschiedener Unternehmen zu sich ein. Die Stadt erreichten häufig Anfragen, insbesondere nach Grundstücken. „Da fehlt uns oft das Wissen, wo etwas frei wird. Wir wären auf Informationen aus der Runde angewiesen“, erläuterte Daum.

„Die Leute verwirklichen sich auf älteren Grundstücken“, berichtete Sibel Caliskan-Metzler von der Sparkasse Vorderpfalz. Das liege auch an fehlenden Alternativen. Das Entwicklungspotenzial für neue Gewerbeflächen sei begrenzt, sagte Daum. Auf dem knapp 20 Hektar großen Areal in Siemens- und Brunckstraße als letzter Potenzialfläche in städtischer Hand seien die vermarkteten Flächen sehr gefragt. Dort stünden nun noch Untersuchungen an.

Gezielte Strategie

Neben der Kurpfalzkaserne liege der Fokus auf Wohnbebauung, aber auch dort soll ein interkommunales Gewerbegebiet mit der Nachbargemeinde Otterstadt entstehen. Mit einer „gezielten Gewerbeansiedlungsstrategie“ sollen sich besonders hochtechnologische Betriebe ansiedeln.

Mit 2250 Unternehmen, rund 42.000 Erwerbstätigen und konstant fast 500 Gewerbeanmeldungen jährlich sei Speyer wirtschaftlich eine attraktive Stadt, betonte Daum. „Das bedeutet auch eine unglaubliche Vielfalt und mit Blick auf die Gewerbesteuer eine sehr stabile Entwicklung.“ Rund 50 bis 60 Millionen spüle das in den städtischen Haushalt. „Speyer wird bundesweit von Kunden geschätzt“, bekräftigte Sascha Lenz, Speyerer Geschäftsstelleninhaber von „Von Poll Immobilien“. Allerdings: „Dieses wirtschaftliche Image hat die Stadt in der Metropolregion nicht“, sagte Daum. Auch daran gelte es zu arbeiten.

Angebot und Nachfrage zusammenbringen

Ein Ziel des Netzwerks sei es, Angebot und Nachfrage zueinander zu führen. Mit einem Newsletter soll informiert werden, „was auf dem Markt ist“. Denn hohe Grundstücksnachfrage ist das eine, Leerstände sind ein anderes Phänomen: „Das ist für Fußgängerzonen und Innenstädte ein großes Problem“, sagte Frank Wagner, Geschäftsführer einer Mannheimer Immobilienberatungsfirma. Es brauche Perspektiven, wie mit Objekten langfristig umgegangen werde, und es komme auch auf die Bedürfnisse der Eigentümer an. Man schaue sich die Innenstadt sehr intensiv an, bekräftige Daum und verwies auf das kürzlich erstellte Leerstandskataster. Danach seien von den zwölf leerstehenden Gebäuden nicht alle akuter Natur. „Bei sieben davon wissen wir, dass die Eigentümer in die Renovierung einsteigen.“ Bei einem anderen schon lange leerstehenden Gebäude in der Stadt kündigte Daum Bewegung an, allerdings ohne konkreter zu werden: „Die Eigentümerin hat sich gemeldet.“

Sehr viele Objekte seien nicht in städtischer Hand. Die Kommune vermarkte derzeit in der Roßmarkt- und in der Wormser Straße zwei Geschäfte. „Ansonsten haben wir alles vermietet, was uns gehört“, sagte Daum. In der Wormser Straße ist die Stadt auf der Suche nach Mietern für das frühere und mittlerweile sanierte Stoffhaus. Ursprünglich hatte die Stadt die Immobilie der Waisenhausstiftung langfristig an die Kosmetik-Manufaktur „Shaoyun“ des Speyerer Unternehmerpaars Shaoyun Liang und Daniel Laschkari vermieten wollen, dieser Plan zerschlug sich jedoch und es kam zum Streit zwischen beiden Seiten. Es lägen bereits „zahlreiche Anfragen“ vor, teilte die Wirtschaftsförderung im vergangenen Sommer mit. Bisher sei das Objekt jedoch noch nicht ausgeschrieben worden, „weshalb auch noch kein Zuschlag erteilt werden konnte“, erklärt die Stadt nun auf Anfrage. Man verfolge den Weg der offiziellen Ausschreibung und Bewerbung für das Objekt, „um eine transparente und ordnungsgemäße Vergabe sicherzustellen“. Kommenden Mittwoch (10-12 Uhr) ist eine offene Besichtigung geplant.

x