Speyer „Kampf für alle Arbeitnehmer“
Der laufende Tarifkonflikt der Metallindustrie hat gestern auch in Speyer eine neue Dimension angenommen: Zum ersten Mal in der Geschichte der IG Metall haben die Belegschaft der Pfalzflugwerke (PFW) sowie weiterer etwa 40 Betriebe in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland die Arbeit für 24 Stunden niedergelegt.
Seit vier Uhr stehe er vor dem PFW-Werkstor, sagt Günter Hoetzl, Geschäftsführer der IG-Metall Ludwigshafen-Frankenthal um neun Uhr auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Mehr als 1000 der rund 1400 PFW-Mitarbeiter hätten sich seitdem im mobilen Streiklokal der IG Metall als Streik-Teilnehmer registriert. „Streikbrecher hier entlang“, weist ein Schild hinter dem Registrierzelt zum Werkstor. „Bis jetzt ist hier keiner durchgegangen“, betont Hoetzl. 93 Prozent der PFW-ler sind demnach gewerkschaftlich organisiert. „Wir kämpfen für die Interessen aller Arbeitnehmer“, erklärt der Geschäftsführer die Solidarität unter den Kollegen. Bei Temperaturen um den Nullpunkt drängen sich die Streikenden im beheizten Zelt. Versorgt werden sie mit Kaffee, Tee, „Belegten“, Brezeln und Kuchen. „Lieber im Regen stehen als von den Arbeitgebern nass gemacht zu werden“, ruft IG-Metall-Bezirkssekretär Uwe Schütz den PFW-lern unter dem niederschlagsfreien Speyerer Himmel zu. „Die Arbeitgeber werden nicht rauskommen“, ist Hoetzl sicher. Und auch, dass es keinen Aufruhr vor dem Werkstor geben wird. „Die Metaller sind diszipliniert“, sagt er. Die Szenen am dritten 24-Stunden-Streiktag der Gewerkschaft geben ihm Recht. „Es ist richtig schön, die Kollegen wieder einmal zu sehen“, freut sich eine Frau über die Begegnung mit Gleichgesinnten. Georg Pfeifenroth, in den 1990er-Jahren Betriebsratsvorsitzender bei den Flugzeugwerken, lässt es sich nicht nehmen, die ehemaligen Kollegen zu unterstützen. „Ich bin nicht der einzige Rentner hier“, weist er auf eine Gruppe älterer Herren hin, die gerade über die Forderungen der Metaller diskutieren. „Mehr als berechtigt“, ist die einhellige Meinung, „Durchhalten“ die Parole. Mit Hunden und Kindern strömen Streikwillige dem Werkstor entgegen. „Das nächste Mal streiken wir im Sommer“, meint eine junge Mutter und reibt sich die kalten Hände. Schütz begründet den Abbruch der Verhandlungen mit unannehmbaren Angeboten von Seiten der Arbeitgeber. „Die einzige Sprache, die sie verstehen, ist, die Brocken hinzuschmeißen“, sagt er. „Wir können nachlegen“, kündigt er Urabstimmung und Arbeitskampf an, sollten die Verhandlungen am Montag auch nichts ergeben. „Wir sind gerüstet“, stimmen ihm Hoetzl und die PFW-Mitarbeiter im Ausstand zu.