Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Körperverletzungsprozess: Zeuge beschreibt schockierenden Zustand des Opfers

Hotel: Hier brachte der Zeuge das Opfer zunächst unter, damit sie sich nach ihrer Zeit in Speyer erholen konnte.
Hotel: Hier brachte der Zeuge das Opfer zunächst unter, damit sie sich nach ihrer Zeit in Speyer erholen konnte.

In dem Verfahren gegen einen 27-Jährigen aus Speyer, der angeklagt ist, seine damalige Lebensgefährtin über Monate in seiner Wohnung psychisch und physisch verletzt und gequält zu haben, wurde am Montag vor dem Landgericht Frankenthal ein Zeuge aus Bad Neuenahr-Ahrweiler vernommen. Er nimmt eine besondere Rolle im Fall ein und berichtete Erschütterndes.

Zunächst hatte es über Monate hinweg Probleme gegeben, den Zeugen ausfindig zu machen. Wie sich später herausstellte, waren seine Wohnung und sein Büro von der Flutkatastrophe im Ahrtal vollkommen zerstört worden. Mit Hilfe der örtlichen Polizei konnte er schließlich unverletzt gefunden und nach Frankenthal vor Gericht geladen werden.

Die Aussage des Mannes, der die junge Frau am Ende ihrer Zeit in Speyer im Krankenhaus abgeholt und sie wieder nach Hause in dem Raum Köln gebracht hatte, war allerdings lückenhaft. Alle Unterlagen in seinem Besitz hatte der Fluss davongetragen.

Mit der Verletzten ist der Versicherungsberater seit einigen Jahren locker befreundet, berichtete er vor Gericht. Eine Beziehung habe nie bestanden. Sie hätten sich kennen gelernt, weil er für ihren mittlerweile verstorbenen Chef bei der kleinen Privatklinik, an der sie arbeitete, Versicherungsmodelle erstellt hatte. Dann habe ihr Chef ihn gebeten, auch für sie einen Vorschlag zu erarbeiten. Zum Vertrag sei es nie gekommen, aber sie hätten sich gut verstanden und sich gelegentlich auf einen Kaffee getroffen, verabredet oder auch per Zufall, denn er habe damals ganz in ihrer Nähe gewohnt.

Die junge Frau habe ihn öfter um Hilfe gebeten, etwa bei der Regelung von Behörden- oder Mietangelegenheiten. Eine Polizistin von der Kriminalpolizei in Ludwigshafen habe nach dem Vorfall 2020 bei ihm angerufen, denn die Frau hätte seine Telefonnummer bei sich gehabt. Daraufhin habe er zugesagt, die gut zwei Stunden nach Speyer zu fahren und die junge Frau abzuholen. „Es muss ja immer einen Dummen geben, der solche Sachen macht, und das bin meistens ich“, sagte er vor dem Frankenthal Gericht.

Noch bei seiner Aussage vor Gericht wirkte der Mann erschüttert über den Zustand der jungen Frau, in dem er sie Ende Oktober 2020 in Empfang genommen hatte. Sie habe mit dem lebhaften, stets gut gelaunten Menschen, den er kannte, keinerlei Ähnlichkeit mehr gehabt. „Sie hat während der gesamten Autofahrt nur geweint und geschluchzt, ohne Pause.“ Keinen einzigen zusammenhängenden Satz habe sie herausbekommen. „So habe ich sie in Ruhe gelassen, ich habe unter den Umständen auch nicht herumgebohrt“, so der Zeuge.

Als sie jedoch in die Nähe seines Heimatorts kamen, habe er langsam wissen müssen, wohin sie wolle. Zu den Eltern oder zu ihrer Schwester, bei der sie ja lange gewohnt hatte, habe sie auf keinen Fall gewollt. Mit ihrer Familie habe sie sich wohl überworfen, als sie mit Sack und Pack und Hund nach Speyer ging, mutmaßte er. In ihre eigene Wohnung wollte sie auch nicht, da sei sie seit Monaten nicht mehr gewesen. Er habe dann vorgeschlagen, ihr ein Hotelzimmer zu suchen, damit sie mal in Ruhe ausschlafen könne. Damit sei sie einverstanden gewesen. Beide seien noch essen gewesen, dann habe er sie ins Hotel gebracht, die Rechnung bezahlt und sei nach Hause gegangen.

Am nächsten Morgen habe er sie abgeholt, und sie habe ihn gebeten, sie zu ihrer Wohnung zu bringen. Es sei dann ein wenig besser gewesen. Sie habe gesagt, sie sei geschlagen worden. Er habe nicht nachgebohrt, sondern ihr einfach nur zugehört. Von dem Angeklagten aus Speyer habe sie in der Unterhaltung nur als „Ex“ gesprochen.

Sie habe ihn dann noch mal gefragt, ob er sie zur Verhandlung nach Frankenthal bringen könne. Er habe zugestimmt und sich während des Termins in ein Café gesetzt. Schon auf der Fahrt nach Frankenthal sei die junge Frau in Panik gewesen – aus Angst vor einem Wiedersehen mit ihrem „Ex“. Der Zeuge habe mehrere Male an Raststätten halten müssen und Angst gehabt, sie würde abhauen. Das tat sie allerdings nicht. Ein weiteres Mal, meinte er, würde er sich das jedoch nicht mehr antun wollen.

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