Speyer
Judith Boy stellt im Feuerbachhaus aus
Die wohlige Atmosphäre im Geburtshaus des Malers Anselm Feuerbach (1829 bis 1880) passt gut zu den Arbeiten Boys. 21 Arbeiten stellt sie aus. Farbintensiv, kreativ, abstrakt und figürlich. Judith Boy ist freie Künstlerin im Wortsinn. Und das seit fast 30 Jahren. Nach eigenen Angaben sind es allesamt Lieblingswerke der Künstlerin, die die Wände im Erdgeschoss schmücken.
Mit ihren Bildern versuche sie, einen pittoresken Bogen über mehrere Epochen zu spannen, erklärt Boy in Farbe, Form und Größe vollkommen unterschiedliche Arbeiten. Ihr Thema: Vanitas und Memento vivere, also Stillleben-Malerei, wie sie vor allem im Barock zu finden ist und der Rat: „Vergiss nicht zu leben“. Vor ihren üppigen Bildern wird für den Betrachter aus der Empfehlung schnell Vorsatz.
Boy setzt sich vor ihren Leinwänden in der Pfalz oder in Palermo vorwiegend mit mittelalterlichen Pflanzenfarben und Farbtechniken auseinander. Hinzu kommt inzwischen die Bedeutung von Nachhaltigkeit. Sie ist der Künstlerin so wichtig, dass sie sie mit Acryl, Öl, Pigmenten, Kreiden und Fundstücken immer wieder hervorhebt. 1969 in Pirmasens geboren, wuchs Judith Boy inmitten von Malerei auf. Großvater und Vater hatten sich bereits der Bildenden Kunst zugewandt. Dennoch absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Bekleidungsnäherin, bevor sie Modedesign und Bildende Kunst in Trier studierte.
Die Liebe zur Heimat und zum Süden lässt die Künstlerin zwischen der Pfalz und Sizilien pendeln. Sie lebt und arbeitet folgerichtig international zwischen Kusel und Baumholder und Palermo.
Viel Raum für Tiere
Boy gibt sich hin, wenn sie malt. Deutlich wird das in ihrer Arbeit „The Fall“, die eine eindrucksvolle Frauenfigur auf PE-Platte zeigt. Gegenüber begegnet dem Betrachter das Diptychon „Marea Intergallactica“ in lichten Blautönen, das Boy großformatig in Acryl, mit Pigmenten, Kohle und italienischer Perlmutter hergestellt hat. Tieren gibt die Künstlerin viel Raum. Ihr „Wild Pet“ schmückt die Wand hinter der Eingangstür farbenprächtig.
Aber selbst kleinformatig sprengt Boy Grenzen. Ihr „Vucciria Geschrei“ lässt Anlehnungen an den norwegischen Maler Edvard Munch und seinen berühmten „Schrei“ durchaus zu, Boya „Little Volcan“ speit Lava von der Wand, die sie auch buchstäblich in die Arbeit eingebracht hat.
Judith Boys Ausstellung im Feuerbachhaus ist es wert, sich auf sie einzulassen, sie mit allen Sinnen zu erfassen und keinesfalls zu vergessen zu leben.
Info
Bis 19. April im Speyerer Feuerbachhaus, Allerheiligenstraße 9, zu sehen Mittwoch bis Samstag von 17 bis 22, Sonntag von 11.30 bis 16 Uhr.